Reiz & Risiko / Risk & Allure

Melanie Bonajo, «Pearl in the Pain», 2005; Courtesy Galerie Staubkohler, Zürich

Mit Matt Calderwood (GB), Teresa Chen (CH), Frederik Foert (D), Yanick Fournier (CH), Franziska Furrer (CH), Bernhard Huwiler (CH), Julia Kälin (CH), Andreas Kohler (D), Oleg Kulik (RU), Reto Leibundgut (CH), Monika Oechsler (D/GB), Irina Polin (CH/RU), Projekt Hautnah/Ursula Pfister (CH), Nadin Rüfenacht (CH), Judith Schönenberger (CH), Ene-Liis Semper (Estonia), Patricia Waller (D), David Willen (CH)

Kunstschaffende gehen Risiken ein, denn sie setzen häufig auf Ungewohntes und Sperriges oder gehen auf eigenwillige Art mit Reizen um. Der Kunst und dem Kunst-machen kommt so eine eigentümliche Ambivalenz zu. Kunst meint Anziehung und Abstossung, ist schön und gleichzeitig Irritation. Die Kunst liebt es, herauszufordern, an Grenzen zu gehen, sich und andere Gefahren auszusetzen.
Diese Doppeldeutigkeit der Kunst wird oft als blose Provokation gelesen. Es ist jedoch nicht die Absicht der Künstler um des Schockierens Willen zu schockieren. Vielmehr versuchen sie die Ambivalenz, die den Dingen innewohnt darzustellen und reflektieren die Reize und Risiken unserer heutigen Gesellschaft. Kurz, es geht um die zwei Seiten der Medaille, die man überall antrifft, sei es in der Natur, der Kunst, dem Sport, der Politik, der Geschäftswelt, ja im Leben ganz allgemein. Gerade in einer Gesellschaft wie der unseren, die den Reiz und das Risiko ganz gezielt sucht.
Diese Ausstellung konfrontiert uns mit Dingen wie der Doppeldeutigkeit der Kunst, dem Reiz und Risiko des Kunstmachens, den zwei Seiten der Sexualität, der Ambivalenz des Individuums in einer risikoreichen Gesellschaft. Dabei ist das künstlerische Vorgehen manchmal sehr direkt und emotional, aber auch ganz leise und ironisch.

Begleitpublikation

Parallel:
«Digitaler Dachstock #2», mit Codeflow
17. August bis Mitte November 2006
Kuratorin: Martina Weber, mit Unterstützung von Sitemapping/Bundesamt für Kultur (BAK), Bern

Performance in Progress

Victorine Müller, Performance «Narwal» im haus für Kunst Uri, 20.10.2006, Foto: Michael Lio; courtesy V. Müller

Mit Victorine Müller, Markus Gössi, Regula Michell / Meret Wandeler, Dokumentarfilm von Marc Schwarz

Zwischen flüchtigem Live-Ereignis und dauerhafter Installation

«Was bleibt von einer flüchtigen Performance?» fragt diese thematische Gruppenausstellung, die neue Projekte von Schweizer Kunstschaffenden zeigt, welche sich im Spannungsfeld von Live-Ereignis und dauerhafter Installation bewegen. Einige davon, u.a. «Narwal» von Victorine Müller (geb. 1961, Grenchen, lebt in Zürich) und eine Arbeit des Performancekünstlers Markus Gössi (geb. 1966, Frauenfeld, lebt in Basel), werden eigens für die Altdorfer Ausstellungsräume konzipiert. Zu Gast sein werden auch Meret Wandeler (geb. 1967, lebt in Zürich) und Regula Michell (geb. 1960, lebt in Zürich) mit ihrem «Häkelobjekt», einem auf zehn Jahre angelegten kollaborativen Häkelprojekt.

Erstmals wagt das HAUS FÜR KUNST URI das Experiment, eine am Anfang noch unvollständige Ausstellung zu eröffnen − eine «Exhibition in Progress» also −, die sich nach und nach vervollständigt.

Ergänzt wird die Ausstellung durch einen Videofilm mit zahreichen Künstler-Interviews, realisiert von Marc Schwarz (geb. 1967, lebt in Zürich) anlässlich des «Live Art»-Festivals 2004. An diesem Performance-Grossereignis im Zürcher Schulhaus «Im Birch» hatten über zwanzig Kunstschaffende das neu eröffnete Schulhaus 24 Stunden mit Performances und Aktionen bespielt. Der rund einstündige Film des Zürcher Filmemachers Marc Schwarz wird in Altdorf uraufgeführt.

Parallel:
«Digitaler Dachstock #2: Luncheon on the grass», mit Codeflow
Kuratorin: Martina Weber (St. Gallen), 17. August bis 19. November 2006
«Digitaler Dachstock #3»
Kuratorin: Elke Kania (Köln), ab 23. Nov. 2006
mit Unterstützung von Sitemapping/Bundesamt für Kultur (BAK), Bern

«Elastische Zeit / Elastic Times»

Irene Maag, «Western Mudras», Performance/Video, 2006; Courtesy Irene Maag

Mit
Eva Baumann (Bern), Christian Denzler (Bern/Brüssel), Ingo Giezendanner (Zürich), Pia Gisler (Basel), San Keller (Zürich), LABOR (Basel), Angelo Lüdin (Basel), Irene Maag (Basel), Nils Nova (Luzern), Hildegard Spielhofer (Basel), Beat Streuli (Düsseldorf/Brüssel), Kris Vleeschouwer (Brüssel), Martina Weber (Basel, St. Gallen)
sowie ausgewählten Werken aus der Frey-Näpflin-Stiftung, Stansstad und der Kantonalen Kunst- und Kulturgutsammlung Uri

Zeitmanagement, Zeitdruck, Zeitmangel – Begriffe, die heutzutage in aller Munde sind. Kaum erstaunlich daher, dass das Thema «Zeit» in philosophischen Essays, wissenschaftlichen Untersuchungen und populären Lebensratgebern immer wieder präsent ist. In der bildenden Kunst nun spielt die Zeit und das Denken darüber eine nicht weniger wichtige Rolle. Kunstschaffende manipulieren unsere Wahrnehmung von Zeit: sie dehnen oder komprimieren sie, inszenieren Zeitsprünge oder verdichten erlebte Zeit zu sichtbarer Erinnerung. Zeit wird elastisch.

Die thematische Gruppenausstellung mit dem Titel «ELASTISCHE ZEIT / ELASTIC TIME» versammelt Kunstschaffende unterschiedlicher Generationen, welche die Besucher gewissermassen auf eine «recherche du temps élastique» mitnehmen. Darunter fallen so renommierte Kunstschaffende wie Beat Streuli, San Keller und Angelo Lüdin, aber auch aufstrebende Künstler wie Eva Baumann, Kris Vleeschouwer, Ingo Giezendanner und Irene Maag, um nur einige zu nennen. Einen weiteren Aspekt erhält die Ausstellung durch die Integration von ausgewählten Werken aus zwei zentralschweizer Kunstsammlungen. Die zeitgenössische Kunst wird mit historischen Gemälden konfrontiert, die selber das Thema der Zeit beinhalten.

Parallel:
«Digitaler Dachstock #3 / Digital Art Space #3»
«Grosse Gefühle»
3. März bis 1. April 2007, Kuratorin: Elke Kania, Köln
mit Unterstützung von Sitemapping.ch/Bundesamt für Kultur, Bern

«Im Untergrund / Below Ground Level»

Milo Keller, «Untitled», aus der Serie «Alptransit», 2006

eine Ausstellung im HAUS FÜR KUNST URI im Zusammenhang mit 125 Jahre Gotthardbahn

Mit
Eva Baumann (CH), Tiziana De Silvestro (CH), Peter Fischli/David Weiss (CH), Claudio Fäh (CH), Guido Guidi (I), Lena Huber (CH), Charlotte Hug (CH), Milo Keller (CH), William Kentridge (ZA), Marianne Kuster (CH), Richard Ross (US), Hans Schabus (AT), Rudolf Steiner (CH), Sandro Steudler (CH)

Untergrund: Dieses Wort bezeichnet einerseits eine geografische Gegebenheit – das unter dem Boden sich Befindende – es besitzt aber insbesondere auch eine metaphori-sche Bedeutung und evoziert hier die gegensätzlichen Assoziationen von «Schutz» und «Geborgenheit» vs. «Verbotenem» und «Erschreckendem».

Das HAUS FÜR KUNST URI, ganz in der Nähe des Gotthards, dem wohl berühmtesten Untergrund der Schweiz gelegen, spürt aus Anlass des Jubiläums «125 Jahre Gott-hardbahn» der Faszination des Unterirdischen im künstlerischen Sinn nach. Und gerade hier erweitert sich das neutrale und vorwiegend technisch interessante «Loch im Boden» – der Keller, die Kanalisation, der Tunnel, der Bunker etc. – zum Ort mit verschiedenen, oft zweideutigen Interpretationsmöglichkeiten.

Die in der Ausstellung «Im Untergrund / Below Ground Level» repräsentierten Künstle-rinnen und Künstler stammen aus der Schweiz – darunter fällt das weltbekannte Künst-lerpaar Fischli/Weiss, aber auch noch zu entdeckende junge Kunstschaffende wie Sandro Steudler oder Charlotte Hug, die beide exklusiv neue Arbeiten herstellen – sowie aus dem benachbarten und weiteren Ausland. Hans Schabus Bootsfahrt durch die Wiener Kanalisation wird zu sehen sein, aber auch William Kentridges gezeichnete Auseinandersetzung mit der Arbeit in südafrikanischen Goldminen. «Im Untergrund / Below Ground Level» ist eine Ausstellung, die das nicht nur lokal, son-dern auch künstlerisch sehr aktuelle Thema des Untergrundes von verschiedenen Seiten – technischen, politischen, psychologischen – beleuchtet und erfahrbar macht.

Begleitpublikation

Parallel:
«Digitaler Dachstock #4 / Digital Art Space #4»
«Der Stille Gast»,
zwei Arbeiten von Chantal Michel
30. Juni – 2. September 2007
Kuratorin: Yasemen Büyükberber, Luzern
mit Unterstützung von Sitemapping.ch/Bundesamt für Kultur, Bern