Heinrich Danioth – Schnitzelbankhelgen

Am 24. April 1881 versammelten sich im Gasthaus Kreuz in Amsteg 30 Männer aus dem unteren und oberen Teil des Kantons Uri auf Einladung von Regierungsrat Heinrich Walker aus Wassen, einziges Mitglied aus Uri in der 1864 gegründeten SAC-Sektion Pilatus. An diesem Anlass wurde die SAC-Sektion Gotthard formell gegründet.

Heinrich Danioth malte für die SAC-Sektion Gotthard Schnitzelbankhelgen, die an Generalversammlungen und anderen Vereinsabenden zum Einsatz kamen. Später übernahm W. Meyer diese Aufgabe. Dies bedeutete für Heinrich Danioth auch eine Entlastung. Denn er wurde oft für die Gestaltung von Geburtsanzeigen und Hochzeitskarten, für Schnitzelbänke, satirische Beiträge und so weiter angefragt. Finanziell brachte das wenig bis nichts ein, es abzulehnen fiel ihm schwer, hielt ihn aber von seiner eigenen Arbeit ab.
 

«Die eigentlichen Wurzeln von Heinrich Danioths Schaffen als Satiriker liegen in der Altdorfer Fasnacht und in der Gesellschaft der «Nächstenliebe». Dies war ein Verein lediger Burschen; wer heiratete wurde zum Ehrenmitglied «degradiert». Der Verein wurde im Jahre 1900 gegründet, in einer Zeit, wo sich in Altdorf die politischen Parteien in leidenschaftlicher und höchst ungemütlicher Weise bekämpften. Seine ersten Mitglieder waren ein paar junge Leute, die sich ihre Jugend nicht mit gehässiger Politik verderben wollten und gelobten, sich möglichst von der Politik fernzuhalten und friedlichere Dinge in der Gemeinde zu fördern. Sie gaben sich deshalb den bezeichnenden Namen «Nächstenliebe». Dieser Verein entwickelte sich mit der Zeit zu einer Institution, die dem Altdorfer Dorfleben vor allem auf kulturellem Gebiet immer wieder wesentliche Impulse gab. Ab 1911 wurden einige Altdorfer Kinder durch die Nächstenliebe-Mitglieder, die als Sankt Niklaus mit Schmutzli von Haus zu Haus zogen, beschenkt, eine Tradition, die sich immer mehr festigte und allmählich auf das ganze Dorf ausdehnte. Die «Nächstenliebe» griff ab 1920 auch aktiv ins Altdorfer Fasnachtsleben ein. Diese Tätigkeit wurde bald zu ihrem eigentlichen Hauptzweck. Am 14. Januar 1924 wurde Heinrich Danioth Mitglied der «Nächstenliebe». 1926/27 war er ihr Präsident. Am 18. April 1931 heiratete er Hedy Weber und wurde dadurch statutengemäss zum Ehrenmitglied degradiert.

Am 28. Februar 1924 produzierte die «Nächstenliebe» ihre erste bewegliche Schnitzelbank, und am 4. März desselben Jahres erschien ihre erste Fasnachtszeitung unter dem Titel «Grosse Pauke», die von den Mitgliedern Heinrich Danioth und Berti Huber redigiert worden war.

Während Jahren entstanden so Schnitzelbänke, Fasnachtszeitungen und Fasnachtswagen. Unter Heinrich Danioth entwickelte sich die Altdorfer Fasnacht aus einer harmlosen Volksbelustigung zu einem Ereignis voll geistreichen Spottes und bissiger Satire mit hohem künstlerischem Niveau. Die Fasnachtszeitungen gestaltete er zu wahren Kunstwerken aus, versah die eigenen Verse mit Holzschnitt-Illustrationen. Alles, was ihn bewegte und was sich im Laufe eines Jahres angestaut hatte, konnte sich jeweils darin entladen. Der Federhalter wurde zur Waffe des Geistes, mit der er gegen seine «lieben Mitbürger» und Zeitgenossen in den Kampf zog. Was er hier auf lokaler Ebene «erprobte», war eine wichtige Vorstufe für seine spätere Mitarbeit am «Nebelspalter», wo er auf gesamtschweizerischer Ebene ätzende Kritik an fragwürdigen Zuständen üben konnte.

Dabei ist es interessant zu beobachten, dass es für Danioth selber diese Unterteilung in «lokal» und «gesamtschweizerisch» kaum gab. Da er in beiden Bereichen das «Menschliche» oder besser gesagt das «Allzu-Menschliche» anvisierte, waren die Übergänge sehr fliessend.»

Karl Iten in «Die Erdrosselung der freien Muse – Der satirische Danioth»

Das satirische Werk Heinrich Danioths

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