Heinrich Danioth

Heinrich Danioth: Sein Denken und sein Werk sind immer wieder auf fatale Weise missverstanden worden. Als Künstler der gemässigten Moderne laviert sein Œuvre zwischen kühner Fortschrittlichkeit und harmonischer Idylle. Danioth ist zu gleichen Teilen ein visionärer Künstler und einer, der sich auf Vergangenes, auf Sagen und mythische Weltbilder bezieht.

Wie die meisten Schweizer Künstler seiner Generation hat sich auch Danioth auf seine engere Heimat zurückbesonnen. Gegen das Etikett des Urner Heimatmalers hat er sich zu Recht zur Wehr gesetzt.

«Man hat mich eigentümlicherweise zum Heimatmaler gestempelt, und doch möchte ich alles andere sein als nur der Urner. Ich spüre den Weiten des Menschlichen nach.»

Heinrich Danioth ist ein überaus vielseitiger Künstler. Sein Schaffen ist entsprechend facettenreich: Neben Glasmalereien, Wandbildern, Plakaten, Illustrationen, neben dem freien zeichnerischen, druckgrafischen, malerischen Schaffen sowie unzähligen Gelegenheitsarbeiten gilt er ebenso als herausragender Schriftsteller, Verfasser von Hörspielen und Theaterstücken. Oft wechselt Danioth scheinbar mühelos zwischen Bild und Text.

«Die Texte wie die Bilder wurden von der selben Feder aufgezeichnet. Nach Lust und Einfall fiel sie aus der Mitte an den Rand des Blattes und wechselte derart vom Zeichnen her zum Worte. Aus den schweren Rhythmen eines Bergumrisses glitt sie zuweilen gerne in den leichteren Takt der Buchstaben. Ist es vielleicht doch so, dass dem Gesetz des Schweigens der Drang des Schreibens nahe stünde?»
Text: Beat Stutzer
Zitate: Heinrich Danioth

Heinrich Danioth
*1. Mai 1896 in Altdorf
†3. November 1953 (nach einer erfolglosen Operation eines Hirntumors)

Ausbildung / Biografie
Das Gymnasium am Kollegium bricht der 16-Jährige vorzeitig ab. Der Vater ermöglicht ihm ein Kunststudium.
Während des Aktivdienstes erkrankt Danioth 1916 schwer. Es folgen Kuraufenthalte.
Für die «Nächstenliebe» Altdorf gestaltet Danioth das Narrenblatt «Föhn». Danioth lernt den Künstler und Professor August Babberger kennen, der sich seit 1916 jeden Sommer im Schächental aufhält.
1925 folgt er dem Ruf des Kunstlehrers und tritt als Meisterschüler in die Badische Landesakademie in Karlsruhe ein.
1927 kehrt Heinrich Danioth nach Uri zurück. Er arbeitet als freier Künstler und beginnt die Mitarbeit bei der Satirezeitschrift «Nebelspalter».
1925 erhält Danioth den ersten öffentlichen Auftrag für die beiden Wandbilder Tellsprung und Rütlischwur im Tellspielhaus Altdorf.
1935 gewinnt Danioth den Wettbewerb für das Wandbild am Bundesbriefmuseum Schwyz. Es entbrennt ein heftiger Kunstkampf, auch weitere seiner Arbeiten lösen Proteste aus.
1931 heiratet Heinrich Danioth Hedi Weber. Die drei Kinder Albin, Madleine und Cilli kommen 1936, 1940 und 1941 zur Welt.
Das Verständnis des Künstlers für die vielschichtige Kultur, die Traditionen und die Sagenwelt Uris vertieft sich durch die Freundschaft mit dem Urner Arzt und Schriftsteller Eduard Renner.
1942 erscheint die Bild- und Textfolge «Steile Welt».
Im Januar 1945 wird in Altdorf Danioths «Urner Krippenspiel» mit Marionetten von der Künstlergruppe «Gelb-Schwarz» uraufgeführt.
Zu den herausragenden Wandbildern Danioths gehört die Föhnwacht von 1950 im Wartesaal des Bahnhofs Flüelen. Im gleichen Jahr malt er in der Schöllenenschlucht den roten Teufel mit dem Ziegenbock unübersehbar an die Felswand.

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Heinrich Danioth, Göscheneralp , 1920
Heinrich Danioth, Zeichnung, 36.5 x 25.5 cm; Dätwyler Stiftung
H. Danioth, «Margritli», 1948, Öl auf Hartfaserplatte, 65 x 53 cm, Dätwyler Stiftung
H. Danioth, «Margritli», 1948, Öl auf Hartfaserplatte, 65 x 53 cm, Dätwyler Stiftung