NATUR – ZWISCHEN SEHNSUCHT UND WIRKLICHKEIT

NATUR zwischen Sehnsucht und Wirklichkeit: Cover der Begleitpublikation
NATUR zwischen Sehnsucht und Wirklichkeit: Cover der Begleitpublikation
Cover Rückseite: Isabelle Krieg, Welt am Arsch, 2018 (Objekt) / Vorderseite: Cao Guimarães & Rivane Neuenschwander, Sopro, 2000 (Videostill)

Von Amazonien in die Alpen
36 Positionen

14. September bis 24. November 2019

Die Gruppenausstellung unter der kuratorischen Leitung von Barbara Zürcher und Bruno Z’Graggen (VIDEO WINDOW, Zürich), ist dem Thema Natur gewidmet. Das Projekt will einem breiten Publikum zeigen, wie facettenreich zeitgenössisches Kunstschaffen Natur thematisiert im Zeitalter des Klimawandels, in dem das Verhältnis der Menschheit zur Natur grundlegend hinterfragt wird. Die Ausstellung schlägt unter Miteinbezug brasilianischer Positionen einen weiten Bogen von den Alpen bis zum Regenwald des Amazonas, dem bedeutsamsten Ökosystem unseres Planeten. Es werden 36 Kunstschaffende aus allen medialen Bereichen eingeladen.

Das transdisziplinäre Projekt verbindet Kunst und Wissenschaft. Die Begleitpublikation und ein Teil des Rahmenprogramms (internationale Konferenz, Blockseminar) erfolgen in Kooperation mit dem Literatur- und Kulturwissenschaftler Prof. Boris Previšić von der Universität Luzern und Bruno Z’Graggen. Geistes- und sozialwissenschaftliche Beiträge beleuchten das Verhältnis von Menschen, Kultur und Natur an verschiedenen Orten und im Wandel der Zeit. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Begriffsklärung.

Das universelle Thema Natur ist in zweierlei Hinsicht von spezieller Bedeutung für den Kanton Uri und sein Kunsthaus. Zum einen weist es wegen der erhabenen Präsenz der Landschaft und deren Bedeutung für die Lebenswelt der Menschen eine grosse Relevanz auf. Der Gotthard mit seinen kühnen Transportwegen zur Alpendurchquerung wurde zum Inbegriff eines Naturmythos, den die Tourismusbranche nutzt. Zugleich bedeutet Natur – wie überall – bei aller Faszination eine grosse Herausforderung. Besonders verheerend scheint sich der globale Klimawandel in den Alpen auszuwirken. Trotz des technischen Fortschritts werden unberechenbare Naturgewalten zunehmend zur Gefahr. Augenscheinlichste Beispiele sind Gletscherrückgang, Felsabbrüche oder heftige Unwetter mit Hochwasser, Erdrutschen oder Lawinen.

Das Oeuvre von Danioth steht stellvertretend für eine lange Tradition von Naturdarstellungen in der bildenden Kunst. Landschaft und Natur wurde seit der Renaissance zum eigenständigen Motiv und wird in diese Gruppenausstellung einbezogen.

Eine Katalogpublikation begleitet die Ausstellung. Die Publikation möchte Resultate aus der Forschung sichtbar machen und einer breiteren Öffentlichkeit in verständlicher Sprache vermitteln und wird mit den Arbeiten der Kunstschaffenden bebildert.

Internationale Konferenz, 30. September bis 2. Oktober 2019, Luzern und Altdorf (HfK Uri)

Weitere Informationen und Anmeldung: unilu.ch

Kunstschaffende der Ausstellung: GEORG AERNI, JUDITH ALBERTCLAUDIA ANDUJAR, JOHN ARMLEDER, CAROLINE BACHMANN, SAMMY BALOJI, MABE BETHÔNICO, RODRIGO BRAGA, MAYO BUCHER, CHALET5, HEINRICH DANIOTH, CAETANO DIAS, QUYNH DONG, HANNE VAN DYCK, SASKIA EDENS, MARIANNE ENGEL, LORENZ GELPKE, CAO GUIMARÃES, MARIANNE HALTER & MARIO MARCHISELLA, huber.huber, LEIKO IKEMURA, SILVAN KÄLIN, STEFAN KARRER, ISABELLE KRIEG, SIMON LEDERGERBER, KATJA LOHER, CINTHIA MARCELLE, RIVANE NEUENSCHWANDER, URSULA PALLA, PETER REGLI, MARCEL REUSCHMANN, DORIS SCHMID, ROMAN SIGNER, JÜRG STÄUBLE, JAVIER TÉLLEZ, DANIEL WICKY, WIEDEMANN/METTLER 

Ausstellungsbesprechung von Andreas Kläui, Radio SRF2 Kultur

Weiter Veranstaltungen zum Thema: kulturlandschaft-ow.ch

KAROLINE SCHREIBER RÄUMT AUF

Karoline Schreiber, Snuggling, 2018, Ölstift auf Papier
Karoline Schreiber, Snuggling, 2018, Ölstift auf Papier
Karoline Schreiber, Snuggling, 2018, Ölstift auf Papier

Sommerausstellung

15. Juni bis 18. August 2019

Karoline Schreiber hat im Haus für Kunst Uri eine Einzelausstellung eingerichtet, in der sie ihr Schaffen aus den vergangenen 25 Jahren präsentiert. Begleitend zur retrospektiv angelegten Ausstellung, die auch aktuelle Arbeiten beinhaltet, wird eine Künstlermonografie im Programm der Binding Sélection d’Artistes erscheinen.

Die Künstlerin beschäftigt sich seit bald 30 Jahren mit der Zeichnung und hat dabei unterschiedliche Felder bearbeitet. Entsprechend ihres jeweils vorherrschenden Interesses hat sie sich um unterschiedliche Aspekte ihres Mediums gekümmert. Durch dieses explorative Vorgehen haben sich ihr unzählige Facetten und Möglichkeiten des Zeichnens erschlossen.

Sie arbeitet bewusst in keinem persönlichen Stil, sondern verfolgt vielmehr die Möglichkeiten wandelbarer Erscheinungen der Zeichnung und die daran geknüpften unterschiedlichen Produktionsbedingungen und Lesarten. Sie arbeitet also in verschiedenen Bildsprachen, die durch Tempo, Werkzeug und Technik bestimmt werden. So hat sie beispielsweise eine Methode der automatischen Zeichnung entwickelt, die sich an der écriture automatique orientiert und die aus dem Unbewussten schöpft und intuitiv funktioniert.

In den letzten vier Jahren sind als weitere Möglichkeit der Zeichnung performative Formate hinzugekommen. Bei den performativen Anordnungen interessiert sie das Unmittelbare und Flüchtige. Die Zeichnung zeigt sich in diesem Kontext als wandelbarer, unabgeschlossener und vitaler Prozess – diesem Phänomen widmet sie sich immer wieder von neuem. So wird Karoline Schreiber auch zur Eröffnung ihrer Ausstellung eine Performance mit zeichnerischen Aspekten im Haus für Kunst Uri durchführen.

In der Ausstellung wird auch ihr malerisches Werk partiell integriert. Karoline Schreiber spielt immer wieder mit der gemalten Zeichnung und der gezeichneten Malerei – bestens nachvollziehbar in der Serie Meisterwerke von 1995 bis1999, die nach langer Zeit wieder in der Öffentlichkeit zu sehen sein wird.

Das Atelier der Künstlerin wird für die Ausstellungsdauer 1:1 ins Museum transferiert. Dort wird sie während der Ausstellung versuchen, Ordnung in ihr Chaos zu bringen. Im Gegenzug bietet das leere Atelier in Zürich ihr die Möglichkeit eine Frottage ihres Atelierbodens zu realisieren, die all die Schaffensspuren der letzten Jahre aufnehmen wird. Die Künstlerin feiert an der Eröffnung ihren fünfzigsten Geburtstag. Was dieses Ereignis für eine weibliche Künstlerkarriere heisst, wird sowohl inhaltlich in der Ausstellung als auch im geplanten Künstlerinnengespräch thematisiert.

FURKA – Kunst auf dem Pass ab 1983

Christof_Hirtler
Christof_Hirtler
FURKA Kunst auf dem Pass ab 1983, Hotel Furkablick (2019), Christof Hirtler

Frühlingsausstellung

16. März bis 26. Mai 2019

arttv-Beitrag zur Ausstellung von Janine Rudolf

Das Gebiet der Furka ist rau. Die Szenerie faszinierte Reisende bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Sie logierten gerne im 1895 erbauten Hotel Furkablick.

Zwischen 1983 und 1999 setzten über 60 Künstlerinnen und Künstler auf dem Furkapass Zeichen auf Felsen, Gipfel oder Steine, inszenierten Performances und liessen sich vom Ort auf grossartige Weise inspirieren. Das vom Neuenburger Galerist Marc Hostettler rund ums Hotel Furkablick initiierte Projekt Furk’art war pionierhaft und einzigartig.

Das Institut Furkablick hat im Auftrag der Alfred Richterich-Stiftung an das Projekt angeknüpft und unterhält und konserviert seither sowohl die Arbeiten in der Landschaft als auch im Haus. Ein faszinierender Kosmos, fernab der Zentren.

In Zusammenarbeit mit dem Institut Furkablick und der Videocompany sowie den beiden Ko-Kuratoren Christof Hirtler und Thomas Bolli zeigt die Ausstellung Furka – Kunst auf dem Pass ab 1983 das Phänomen Furk’art.  Zu sehen sind nie öffentlich gezeigtes Videomaterial von Performances sowie künstlerische Arbeiten, die im ehemaligen Hotel verblieben sind und seit der Schliessung des Hotelbetriebs nicht mehr einsehbar sind oder noch gar nie zu sehen waren.

Die Ausstellung soll das Bedürfnis wecken, den Ort und die im Aussenraum verbliebenen Kunstwerke im Sommer 2019 selber zu entdecken. Es werden spezielle Führungen angeboten.

Im Hof des HfK Uri wird der Künstler René Zäch *1946, der im Rahmen von Furk`art auf der Passhöhe ein Werk hinterlassen hat, eine Installation realisieren, die eine Verbindung zur Furka aufnehmen wird.

Kunstschaffende der Ausstellung: Abramovic/Ulay, Roger Ackling, Ian Anüll, John Armleder, Joseph Beuys, James Lee Byars, Stanley Brouwn, Daniel Buren, James Lee Byars, Jean Crotti, Luc Deleu, Christian Floquet, Terry Fox, John Hilliard, Jenny Holzer, Kim Jones, Mark Luyten, John Nixon, Jean-Luc Manz, Panamarenko, Michel Ritter, Christoph Rütimann,  Roman Signer, Lawrence Weiner, Anna Winteler, Remy Zaugg, René Zäch und andere

Heinrich Danioth wird mit einer exemplarischen Arbeit in diese Gruppenausstellung miteinbezogen.

CHALET5

Das schrumpfende Königreich, 2018
Das schrumpfende Königreich, 2018
Das schrumpfende Königreich, 2018

Herbstausstellung

15. September bis 25. November 2018

ZUHAUSE IST AUSWÄRTS UND AUSWÄRTS IST ZUHAUSE

art-tv: Das Kulturfernsehen im Netz
Filmbeitrag von Janine Rudolf

„Zuhause ist auswärts und auswärts ist zuhause“ spielt mit der herkömmlichen Kategorie und Verbindung von Ort und Identität, Raum und Zeit. Heimat und Fremde greifen nicht mehr. Kein Wort wird in unserer Cyber-Gesellschaft indessen häufiger verwendet als der Begriff „home“. Das Sich-häuslich-Einrichten“ scheint die letzte Sehnsucht des Menschen in einem immateriellen Universum aus Information und Kommunikation zu sein. In der Home-Page, mit der man überall und dadurch nirgends zuhause ist, verdichtet sich dieses Verlangen.

Karin Wälchli (*1960) und Guido Reichlin (*1959) begannen ihre Zusammenarbeit 1995 unter dem Namen CHALET5. Sie betrieben zusammen eine Manufaktur für Siebdruck und eine Ausstellungsplattform im Kreis 5 in Zürich. Nach ein paar Jahren beendeten sie den Spagat der Transdisziplinarität, um sich ganz der freien Kunst zu widmen. Der Name CHALET5 steht für das Übergeordnete, Dritte, das aus der Zusammenarbeit von zwei Kunstschaffenden entsteht. Seither ist ein vielfältiges Werk in ganz unterschiedlichen Medien entstanden.

CHALET5 gehören zu den wenigen Kunstschaffenden, die sich ohne Berührungsängste mit dem Ornament auseinandergesetzt haben und es immer noch tun. Bei ihren zahlreichen Residenzaufenthalten in Kairo und bei einem längeren Atelierstipendium in Indien untersuchen und finden sie die Kraft von ornamentalen Manifestationen im Alltag. Heute leben und arbeiten sie in Göschenen, Kanton Uri. Aus Beobachtungen von Phänomenen der Natur und Erforschungen von wissenschaftlichen Archiven entstehen vielschichtige und komplexe Malereien und Werkgruppen.

Alltägliches zu transformieren und in Kunst überzuführen, beherrschen sie virtuos. Für ihre Einzelausstellung im Haus für Kunst Uri sind überraschende neue Arbeiten entstanden, die teilweise an frühere Werkzyklen andocken. Zur Ausstellung erscheint auch die gleichnamige Monografie im Programm der Binding Sélection d`Artistes.

www.chalet5.ch

Hauswurzel, 2018
Hauswurzel, 2018
Ausstellungsansicht CHALET5
Ausstellungsansicht CHALET5

POSITIONEN

Marie-Claire Baldenweg; aus der Serie Key Cards for Survival II, 2017/18 ©F.X. Brun

Sommerausstellung

9. Juni bis 19. August 2018

art-tv: Das Kulturfernsehen im Netz, Haus für Kunst Uri | Positionen
Filmbeitrag von Janine Rudolf

Alles Material kann für die Kunst benützt werden. Künstlerinnen und Künstler verändern die Dinge, die Räume und dadurch unsere Wahrnehmung.

Marie-Claire Baldenweg ist eine beharrliche Beobachterin unserer Zivilisation. Die Malerin fokussiert bereits in den 1980er Jahren die Waren- und Konsumwelt kritisch und setzt sich mit dem allgegenwärtigen Material Plastik auseinander. So entstehen ganze Bildzyklen wie „Plastic Reality“, „Plastic Dream Time“ und ihre neuste Serie „Key Cards for Survival II“. Die Künstlerin entlarvt die Konsum- und Verkaufsstrategien der Werbemechanismen und stellt ethische Begriffe zur Diskussion.

Spätestens seit ihrem Studienabschluss in Bildhauerei 2014 fällt Selina Baumann mit ihren biomorphen Keramikskulpturen auf. Sie hat unter anderem auch einen grösseren Förderbeitrag der Kunst- und Kulturstiftung Uri erhalten. In mehreren Arbeitsschritten schafft sie aufwändige Objekte. Sie bedient sich in lockerer Anlehnung eines Formenvokabulars, welches an Alltagsgegenstände erinnert und Transformationen in Gang setzt. Ihren Plastiken gehen Zeichnungen voran, die als autonome Werke verstanden werden. Diese Zeichnungen sind eine Art Formarchiv, das immer wieder durchgespielt wird.

Die Schweizer Avantgarde Künstlerin Heidi Bucher zeichnete sich vor allem durch ihre eigenwillig-legendären „Abhäutungen“ aus. Von zentraler Bedeutung in ihrem Gesamtwerk ist die Beschäftigung mit Architektur(fragmenten), welche fast alle ausnahmslos aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen. Bei den entstandenen „Abhäutungen“ von Wänden, Fenstern oder ganzen Zimmern, inklusive dem Parkettfussboden, handelt es sich um Erinnerungsfetzen, an denen auch das letzte Staubkorn haftet. Ihre Arbeit ist gleichzeitig ein radikal-visionäres Zeugnis, als auch eine konzeptionelle Befreiung von einer alten, patriarchalisch geprägten Welt. Es ist ein grosses Werk von faszinierender Schlichtheit, Poesie und beeindruckender Konsequenz. Mit ihrem Tod 1993 verschwand Heidi Bucher schlagartig aus dem Gedächtnis der Kunstwelt. Erst die 2004 von Heike Munder kuratierte Einzelausstellung im Migros Museum für Gegenwartskunst Zürich sorgte dafür, dass Heidi Buchers grossartiges Schaffen nicht vergessen ging. Anfang der 1970er Jahre zog Heidi Bucher in eine alte Metzgerei an der Weinbergstrasse in Zürich. Im Untergeschoss, in dem sich der Kühlraum befand, richtete sie ihr Atelier ein und nannte es „Borg“. Diesen Borg – ein gekachelter Raum – zog sie mit Latex ab. Er wurde zu ihrer ersten „Raumhaut“ und wird hier im HfK Uri unter anderen Arbeiten aus einer Privatsammlung gezeigt.

Patrick Grafs Arbeitsweise beruht auf der Vermischung von Werk und Alltag, Fiktion und Realität. Er ist ein Geschichtenerzähler und Fantast. Seine Installationen, Bilder, Zeichnungen und Tagebücher entsteigen einem eigenen Universum unter dem Einfluss von Comic, Cartoon, TV, Kunstgeschichte, Werbung und Trash. Er schafft aus lackiertem Karton, bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, Paralleluniversen. So erstreckt sich seine „Soldevische Ausgrabungsstätte“ quer über das ganze Obergeschoss des Haus für Kunst Uri und lässt Besucherinnen und Besucher in eine neue, fremde Welt aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eintauchen.

Kunstschaffende der Ausstellung:
Marie-Claire Baldenweg
Selina Baumann
Heidi Bucher
Patrick Grafs

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Ausstellungsansicht mit Arbeiten von Selina Baumann und Heidi Bucher ©F.X. Brun
Patrick Graf; Soldevische Ausgrabungsstätte
Patrick Graf; Soldevische Ausgrabungsstätte, 2018 ©F.X. Brun

FRÜHLINGSERWACHEN

Heinrich Danioth, Göscheneralp , 1920

Frühlingsausstellung

10. März bis 20. Mai 2018

art-tv: Das Kulturfernsehen im Netz
Filmbeitrag von Cesare Macri

Die Ausstellung Frühlingserwachen widmet sich dem Frühwerk von Heinrich Danioth.
Wir zeigen erstmals Arbeiten von Heinrich Danioth aus seiner ersten Schaffensphase bis 1925, die in ihrer Spontanität und farblichen Expressivität überraschen. Es handelt sich dabei um schnelle, fast skizzenhaft gemalte Porträts, Aktdarstellungen, Landschaften und Stillleben. Die farblichen Setzungen und seine Formensprache erinnern an die internationalen Strömungen des europäischen Kunstgeschehens, mit denen der junge Danioth 1912 in Basel in Berührung kam.

In Zusammenarbeit mit der Gubler-Stiftung, die im April eine Ausstellung im Aussenraum, auf dem Weg zur Riedertal-Kapelle, realisiert, zeigen wir im Obergeschoss Frühwerke der drei Gubler Brüder. Alle diese Arbeiten sind während vielen Aufenthalten im Riedertal, Kanton Uri, entstanden. Die Familie Gubler und Heinrich Danioth sind sich erstaunlicherweise nie begegnet, es gibt jedenfalls von beiden Seiten keine schriftlichen Zeugnisse über eine solche Begegnung. So sind im Kanton Uri Frühwerke von vier herausragenden Persönlichkeiten entstanden, die eigenständig ihren Weg und ihre Handschrift gefunden haben.

Gubler Stiftung

Mit den Frühwerken von Eduard, Ernst und Max Gubler wird Anfangs der Zwanzigerjahre die Landschaft im Riedertal mit ihren Bewohnern porträtiert. Es sind Malereien, Zeichnungen, Grafiken und plastische Arbeiten in den Œvres jedes Einzelnen, die hier ihren Ursprung haben. Die Familie Gubler kam 1905 durch einen Restaurationsauftrag der Fresken der Wallfahrtskapelle ins Tal. Heinrich Eduard Gubler, der Vater der drei Brüder, hatte im Auftrag seines Arbeitsgebers Christian Schmidt & Söhne, Zürich, diese Arbeit übernommen.

Bald zog die ganze Familie mit den Gesellen an den auswärts liegenden Arbeitsplatz des Vaters. Die karge Bergwelt und ihre Menschen machten auf die Familie einen tiefen Eindruck. Die ersten Riedertalsommer waren für die Buben Ferienwochen.
Langsam kamen sich „die Städter von unten“ und die Einheimischen näher. Das selbstlose Wirken der Gublers wurde von der Talbevölkerung anerkannt und es entstanden Verbindungen über die nächsten Generationen hinaus.

Erste praktische Auseinandersetzungen der Brüder Gubler mit dem Phänomen der Kunst entstammen Eindrücken und Erfahrungen, die sie im abgeschiedenen Urner Bergtal machten. Die Auswahl der Werke zeigt Arbeiten aus den Jahren 1913 – 1925. Es sind Landschaftsbilder mit der Riedertalkapelle, Hirten und Schafe, der Bauer mit seinem Kalb, die Familie, das Selbstbildnis, Krankheit und Tod. Sie spiegeln das Leben der Bevölkerung im Tal, sie sind Zeugnisse eines Werkabschnittes und reihen sich in Zeitabschnitte der Kunstgeschichte ein.

Neben den Arbeiten der drei Brüder sind auch Fotografien aus den Jahren 1905 bis 1922 zu sehen, die der Vater Heinrich Eduard Gubler am Ort des Geschehens gemacht hat. Zahlreiche Negative sind auf Glasplatten erhalten. Aus diesem Fundus zeigen wir eine Auswahl von Abzügen, die wiederum das Riedertal zum Inhalt haben.

Urner Jahresausstellung 2017

KUNST- UND KULTURSTIFTUNG Uri
36. Werk- und Förderungsausstellung 2017

9. Dezember 2017 bis 7. Januar 2018

Die Kunst- und Kulturstiftung Heinrich Danioth wurde 1981 in Zusammenarbeit zwischen Regierungsrat und dem damaligen Danioth-Ring und heutigen Kunstverein Uri gegründet.
Lic. phil. Elisabeth Fähndrich, Präsidentin des Kunstvereins Uri, präsidiert das Kuratorium.
20 Urnerinnen und Urner nehmen an der diesjährigen Urner Jahresausstellung im Haus für Kunst Uri teil.
Arnold Margrith, Elsässer Lisa, Gehrig Fränggi, Gisler Matteo, Gisler René, Hauser Barbara, Hirzel Nico, Imfeld Beat, Kocaslan Naci, Ledergerber Simon, Murer Pascal, Oechslin Annemarie, Pintèr Zsuzsanna, Quaderer Anna Maria, Scheiber Reto, Schelbert Mario, Walker René, Westphal Stefan, Zgraggen Peter, Ziegler Martha

Das diesjährige Urner Werkjahr 2017 geht an den Musiker Mario Schelbert. Zwei Förderbeiträge gehen an die Kunstschaffenden Annemarie Oechslin und Simon Ledergerber.

Sonderausstellung mit Thomi Dittli
Auf Einladung des Kuratoriums ist dieses Jahr Thomi Dittli für die Sonderausstellung im Danioth-Pavillon verantwortlich. Dittli, geboren 1961, lebt und arbeitet schon lange in Flüelen und realisierte im In- und Ausland zahlreiche Ausstellungen.

Laudatio Urs Bugmann

Goldener Uristier an Jonny (Ernst) Gisler, Volksmusikant und Komponist, Bürglen
Übergabefeier: Samstag, 6. Januar 2018, 17.00 Uhr
Der Regierungsrat des Kantons Uri und die Kunst- und Kulturstiftung Uri verleihen Herrn Jonny (Ernst) Gisler, Volksmusikant und Komponist, Bürglen, in Würdigung der ausserordentlichen Leistungen zugunsten der Volksmusik und der konzertanten, gepflegten Ländlermusik weit über Uri hinaus den Goldenen Uristier.

Öffnungszeiten über Weihnachten/Neujahr
Sonntag 24. Dezember ist das Haus geschlossen
Sonntag 31. Dezember 11-17 Uhr geöffnet

LONDON meets ALTDORF

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Max Grüter, Pole Position, 2017; ©F.X. Brun

Herbstausstellung

16. September bis 26. November 2017

«In Altdorf steckt viel London»
SRF Radiobeitrag von Stefan Eiholzer

London ist trotz Brexit immer noch eines der bedeutendsten Kultur- und Handelszentren der Welt mit zahlreichen Universitäten, Hochschulen, Theatern und Museen. Mit der City of London zählt die Stadt ausserdem neben New York und Frankfurt aM zu den grössten Finanzplätzen der Welt. Mit jährlich bis zu 18 Millionen Touristen ist London seit 2014 vor Paris die meistbesuchte Stadt und zieht Menschen aus aller Welt an.
London ist immer noch die angesagteste Metropole für zeitgenössische Kunst, Architektur, Musik, Film, Mode, Fussball und vieles mehr. Sie ist eine vitale, hektische Stadt, die sich ständig erneuert. Vom urbanen Treiben in London ist aber auch etwas ganz anderes zu lernen: Geduld und Höflichkeit im öffentlichen Raum. Das ist nur eine der Paradoxien dieser Stadt.

Die Gruppenausstellung thematisiert die Grossstadt in all ihren Facetten, vom Sehnsuchtsort bis zu den Problemen, die das Leben in London mit sich bringt.

Eingeladen sind Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz und aus England, die mit unterschiedlichen Medien auf die Metropole reagieren. Sowohl das multikulturelle Treiben, das bunte Nachtleben, die enorme Vielfalt, die energetisch aufladen, wie auch die Anonymität und Kriminalität, die totale Überwachung werden künstlerisch hinterfragt. Denn Grossbritannien ist längst zu einem Land der Überwachung geworden und die Briten zu einem der am besten beobachteten Völker der Welt. Zwischen vier und sechs Millionen Videokameras sind auf der Insel installiert, in U-Bahnen, Zügen, Krankenhäusern, auf Verkehrskreuzungen, vor Kindergärten, in Einkaufszentren ­– London, eine Stadt der tausend Augen.
Die Ausstellung spielt aber auch lustvoll mit britischen Eigenheiten und nimmt augenzwinkernd diese Rituale unter die Lupe.

Kunstschaffende der Ausstellung: Judith Albert, Nicole Bachmann, Pascal Danz, Luigina Dapit, Max Grüter, Monica Ursina JägerMarc Latzel & Martin Alioth, Rachel Lumsden, Martina von Meyenburg, Romeo Vendrame,

Hörstation mit einer Diskographie von Jean-Martin Büttner

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Rachel Lumsden, Red Room, 2016; Martina von Meyenburg, Release, 2017; ©F.X. Brun
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Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri - London meets Altdorf 2017; Luigina Dapit, nice to meet you, 2016 (vorne); Roméo Vendrame (hinten)

IAN ANÜLL – PEINTURE EN PROMO

Der Künstler Ian Anüll in seinem Piaggo. ©Peter Baracchi

Sommerausstellung

10. Juni bis 20. August 2017

art-tv: Das Kulturfernsehen im Netz
Filmbeitrag von Carlos Lügstenmann

Ian Anüll *1948 ist ein Künstler, der sich lange in so genannten subkulturellen Bereichen aufgehalten hat, mal da, mal dort aufgetaucht ist, sich immer wieder Einordnungen entzogen hat. Seine Mobilität der Lebens-und Denkweise fordert zur Wachheit und Wendigkeit heraus und ist eine prägende Voraussetzung für seine Schaffensweise. Er greift materielle und geistige Fundstücke aus dem Repertoire der Konsumgüter, der Massenmedien als auch der Kunst, die er rigoros und leichtfüssig zugleich in malerischen und objekthaften Zusammenhängen wirksam werden lässt.
In der Einzelausstellung wird er ausgewählte Arbeiten seines eigenen Schaffens, kombiniert mit seiner ziemlich grossen Privatsammlung, die im Laufe seines Lebens im Tausch aber auch immer wieder im Kauf und in Kollaborationen mit Kolleginnen und Kollegen ein ansehnliches Volumen eingenommen hat, zeigen. Es ist spannend, für einmal der Sammlung eines „Künstlersammlers“ zu begegnen.
Während des Musikfestivals Alpentöne wird Ian Anüll mit Luigi Archetti und Marc Zeier eine musikalische Performance im HfK Uri aufführen – weitere Gäste stossen dazu. ( Samstag, 19. August 2017, 14.30 – 16.30 Uhr)

Öffnungszeiten während dem Musikfestival Alpentöne:
Freitag, 18. August: 11 Uhr bis 20 Uhr
Samstag, 19. August: 11 Uhr bis 20 Uhr
Sonntag, 20. August: 11 Uhr bis 17 Uhr

Ian Anüll

Ausstellungssituation Haus für Kunst Uri ©F.X. Brun
Ausstellungssituation Haus für Kunst Uri ©F.X. Brun

#121 MARKUS KUMMER

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Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri, Markus Kummer ©f.x. brun

Frühlingsausstellung

11. März bis 21. Mai 2017

Für seine Einzelausstellung #121 im Haus für Kunst Uri untersucht Markus Kummer die Lithografie der Steindruckerei Wolfensberger und nimmt eine Inventarisierung, Archivierung der ganz besonderen Art vor.

Seit der Unternehmungsgründung von 1902 haben sich unzählige Handschriften von Künstlerinnen und Künstler in die immer wieder neu zugeschliffenen Steine eingeschrieben und abgelagert. In unterschiedlichen Grössen und Gruppen stehen sie im legendären Druckatelier an der Eglistrasse 8 in Zürich. Stein für Stein, 121 sind es insgesamt, hat der Künstler mit Hilfe von Thomi Wolfensberger in die Druckpresse eingelegt, um deren poröse, unbearbeitete Rückseite bei konstanter Schwärze auf Papier zu drucken. Sie erfahren durch Kummers Interpretation eine abstrakt bildhafte Materialisierung. Markus Kummers Neugier und Faszination spielen mit dem Geheimnis der archaisch anmutenden Tektonik der Steine und visualisieren in ihrer Fülle eine stupende Schönheit in einem poetischen Ordnungssystem.

Neue installative Arbeiten ergänzen diese minimalistisch anmutende Inszenierung in den Ausstellungsräumen. Im Aussenraum wird die Arbeit Bordure gezeigt. Dabei handelt es sich um Findlinge, die über Jahrtausende von Gletschern verschoben und geformt wurden, die der Künstler kurzerhand zersägt und mit Mörtel wieder neu zusammengefügt hat – sichtbar mit den dunklen Fugen. Diese Eingriffe haben eine schneidende Brutalität, fügen sich aber wieder in spielerischer Schönheit zu einer neuen Ganzheit.

Vier dieser Findlinge zieren das Seeufer am Alpenquai in Zug. Diese Kooperation der Stelle für Kultur der Stadt Zug mit dem Haus für Kunst Uri wird am Samstag, 25. März 2017 um 16 Uhr mit einer Performance gefeiert.

mehr zu Markus Kummer

Zur Ausstellung erscheint im Wolfsberg Verlag die Publikation
Markus Kummer, Inventar, Steindruckerei Wolfensberger, Lager I, Stein 1 – 121
Hardcover, 264 Seiten, Offset, 2017

Steindruckerei Wolfensberger