Viel Lärm um Alles

Mat Collishaw, «Beast in me», und Caro Suerkemper, «P2-2009», «P1-2009», «P1-2010», in der Ausstellung «Viel Lärm um Alles»

Sommerausstellung

18. Juni bis 28. August 2011

Barockes in der zeitgenössischen Kunst

Danioth Pavillon: Heinrich Danioth, Porträtmalerei

In Zusammenarbeit mit Alpentöne:
Samstag, 13. August, 14 Uhr
Barock solo I, Nikita Pfister (Hackbrett)
Samstag, 13. August, 17.30 Uhr
Barock solo II, Christine Lauterburg (Violine, Stimme)
Sonntag, 14. August, 16.15 Uhr
Barock solo III, Matthias Loibner (Drehleier)

Barockes trifft den Zeitgeist von heute präziser, als wir das auf den ersten Blick vermuten würden. Von einer kunsthistorischen Schlüsselepoche (ca. 1590–1750), deren Ende über zwei Jahrhunderte zurückliegt, überrascht dies umso mehr. Führen wir uns die barocken Gestaltungsprinzipien und die inhaltlichen Analogien vor Augen, verdeutlicht sich, wie verbreitet Barockes heutzutage auftritt. Die Gemeinsamkeiten von damals und heute lassen sich frei nach William Shakespeare mit der Formel «Viel Lärm um Alles» zusammenfassen. Die barocke Epoche war und die Gegenwart ist eine laute Zeit.

Das Erheischen von Aufmerksamkeit ist oberstes Gebot in unserer penetrant mediatisierten und ökonomisierten Lebenswelt. Ausgefallene und verführerische PR- und Marketingstrategien beabsichtigen, Einschaltquoten zu erhöhen, Konsumenten oder Kunden zu gewinnen. Ein ritualisierter Star- und Personenkult treibt extravagante Blüten. Körperkult, Erotisierung und Sexualisierung haben nahezu alle Lebensbereiche erfasst. Im Barockzeitalter galt es in erster Linie, die Menschen in der Religionsfrage zu überzeugen und sie zum «richtigen» Glauben zu lenken oder dabei zu halten. Die barocke Darstellungsweise lebt von Dynamik und Spannung, verknüpft mit dem Willen zu verführerischer Wirksamkeit mittels Übersteigerung, Täuschung und eines theatralischen Hanges zur Inszenierung. Wichtige Stilmittel sind dramatische Narration und Gestik, hervorgehoben durch eine effektvolle Lichtführung mit pathetischen Hell-Dunkel-Kontrasten und einer entfesselten Farbigkeit, die stoffliche Plastizität und Emotionalität erzeugen.

Seit dem Ende der grossen Avantgarde-Bewegungen Mitte der Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts und mit dem Anbruch der Postmoderne nehmen Künstlerinnen und Künstler vermehrt auf kunsthistorische Strömungen Bezug. Der Barock scheint dabei eine besondere Stellung einzunehmen. «Viel Lärm um Alles» zeigt dies anhand von 21 Positionen aus dem In- und Ausland. Mit «Viel Lärm um Alles» wird erstmals eine Ausstellung zu dieser Thematik in der Zentralschweiz präsentiert, einer katholischen Region mit einem reichhaltigen barocken Erbe. Das Haus für Kunst Uri bildet die Bühne für Werke, die den Fokus auf folgende Themenkreise richten: Körperlichkeit und Ekstase, Inszenierung und Starkult, Illusion und Sehnsucht, Wissenschaftlichkeit und künstlerischer Gestus – und das Ende von Allem.

Die Ausstellung wurde von Bruno Z’Graggen, freier Kurator und Barbara Zürcher kuratiert.

Zur Gruppenausstellung erscheint die gleichnamige von Iza Hren gestaltete Begleitpublikation.

Der Danioth Pavillon ist in die Ausstellung «Viel Lärm um Alles» integriert. Es sind weiterhin Porträts von Heinrich Danioth (1896–1953) zu sehen.
Auf den Reigen seiner Porträts entsteht jedoch durch die Neuinszenierung eine andere Sichtweise. Er wird unter anderem zur assoziativen Tischgesellschaft von Pipilotti Rist’s Installation  «Emily, I’m Gonna Write Your Name High On The Silverscreen» von 1996/97.

Danioth Pavillon, Porträts von Heinrich Danioth

Kunstschaffende der Arbeiten: Judith Albert, Sonja Alhäuser, Mat Collishaw, Claudette Ebnoether, Armen Eloyan, Klodin Erb, Monica Ursina Jäger, Dirk Koy, Isabelle Krieg, Georgette Maag, Rémy Markowitsch, Stephan Melzl, Marlies Pekarek, Pipilotti Rist, Terry Rodgers, Peter Roesch, Dieter Roth, Anina Schenker, Caro Suerkemper, Una Szeemann, Jean Tinguely