Viel Lärm um Alles

Barockes in der zeitgenössischen Kunst 

Im Danioth Pavillon: Heinrich Danioth, Porträtmalerei

Vernissage: Samstag, 18. Juni 2011, 17 Uhr

In Zusammenarbeit mit Alpentöne:
Samstag, 13. August, 14 Uhr
Barock solo I, Nikita Pfister (Hackbrett)
Samstag, 13. August, 17.30 Uhr
Barock solo II, Christine Lauterburg (Violine, Stimme)
Sonntag, 14. August, 16.15 Uhr
Barock solo III, Matthias Loibner (Drehleier)

Barockes trifft den Zeitgeist von heute präziser, als wir das auf den ersten Blick vermuten würden. Von einer kunsthistorischen Schlüsselepoche (ca. 1590–1750), deren Ende über zwei Jahrhunderte zurückliegt, überrascht dies umso mehr. Führen wir uns die barocken Gestaltungsprinzipien und die inhaltlichen Analogien vor Augen, verdeutlicht sich, wie verbreitet Barockes heutzutage auftritt. Die Gemeinsamkeiten von damals und heute lassen sich frei nach William Shakespeare mit der Formel «Viel Lärm um Alles» zusammenfassen. Die barocke Epoche war und die Gegenwart ist eine laute Zeit.

Das Erheischen von Aufmerksamkeit ist oberstes Gebot in unserer penetrant mediatisierten und ökonomisierten Lebenswelt. Ausgefallene und verführerische PR- und Marketingstrategien beabsichtigen, Einschaltquoten zu erhöhen, Konsumenten oder Kunden zu gewinnen. Ein ritualisierter Star- und Personenkult treibt extravagante Blüten. Körperkult, Erotisierung und Sexualisierung haben nahezu alle Lebensbereiche erfasst. Im Barockzeitalter galt es in erster Linie, die Menschen in der Religionsfrage zu überzeugen und sie zum «richtigen» Glauben zu lenken oder dabei zu halten. Die barocke Darstellungsweise lebt von Dynamik und Spannung, verknüpft mit dem Willen zu verführerischer Wirksamkeit mittels Übersteigerung, Täuschung und eines theatralischen Hanges zur Inszenierung. Wichtige Stilmittel sind dramatische Narration und Gestik, hervorgehoben durch eine effektvolle Lichtführung mit pathetischen Hell-Dunkel-Kontrasten und einer entfesselten Farbigkeit, die stoffliche Plastizität und Emotionalität erzeugen.

Seit dem Ende der grossen Avantgarde-Bewegungen Mitte der Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts und mit dem Anbruch der Postmoderne nehmen Künstlerinnen und Künstler vermehrt auf kunsthistorische Strömungen Bezug. Der Barock scheint dabei eine besondere Stellung einzunehmen. «Viel Lärm um Alles» zeigt dies anhand von 21 Positionen aus dem In- und Ausland. Mit «Viel Lärm um Alles» wird erstmals eine Ausstellung zu dieser Thematik in der Zentralschweiz präsentiert, einer katholischen Region mit einem reichhaltigen barocken Erbe. Das Haus für Kunst Uri bildet die Bühne für Werke, die den Fokus auf folgende Themenkreise richten: Körperlichkeit und Ekstase, Inszenierung und Starkult, Illusion und Sehnsucht, Wissenschaftlichkeit und künstlerischer Gestus – und das Ende von Allem.

Die Ausstellung wurde von Bruno Z’Graggen, freier Kurator und Barbara Zürcher kuratiert.

Zur Gruppenausstellung erscheint die gleichnamige von Iza Hren gestaltete Begleitpublikation.

Publikation

Der Danioth Pavillon ist in die Ausstellung «Viel Lärm um Alles» integriert. Es sind weiterhin Porträts von Heinrich Danioth (18961953) zu sehen.
Auf den Reigen seiner Porträts entsteht jedoch durch die Neuinszenierung eine andere Sichtweise. Er wird unter anderem zur assoziativen Tischgesellschaft von Pipilotti Rist’s Installation  «Emily, I’m Gonna Write Your Name High On The Silverscreen» von 1996/97.

Danioth Pavillon, Porträts von Heinrich Danioth

KünstlerInnen

Judith Albert

Sonja Alhäuser

Mat Collishaw

Claudette Ebnoether

Armen Eloyan

Klodin Erb

Monica Ursina Jäger

Dirk Koy

Isabelle Krieg

Georgette Maag

Rémy Markowitsch

Stephan Melzl

Marlies Pekarek

Pipilotti Rist

Terry Rodgers

Peter Roesch

Dieter Roth

Anina Schenker

Caro Suerkemper

Una Szeemann

Jean Tinguely

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