Marianne Kuster-Tresch

Aus der Serie «Bewohner», 1997, Acryl auf Leinwand, 80 x 100 cm Aus der Serie «Magische Welten», 1997, Acryl auf Leinwand, 40 x 40 cm Aus der Serie «Magische Welten», 2000, Acryl und Kreide auf Leinwand, 40 x 40 cm Aus der Serie« Spurensuche», 1995, Bleistift auf Sperrholz, 40 x 33 cm «Ein- und Aussichten einer Bootsfahrerin», 1993 «unwegsam», 2014, im HfK Uri, 6. 12. 2014 bis 4. 1. 2015; Foto: F.X. Brun «sagenhaft» und «was ich noch sagen wollte», im HfK Uri, 6. 12. 2014 bis 4. 1. 2015; Foto: F.X. Brun «was ich noch sagen wollte» und «unwegsam», im HfK Uri, 6. 12. 2014 bis 4. 1. 2015; Foto: F.X. Brun

Zu Marianne Kusters Ausstellung im «Haus für Kunst Uri»
6. Dezember 2014 bis 4. Januar 2015

Anlässlich einer Ausstellung in Weimar vor zwei Jahren über die Kunst in der Ex-DDR schaltete sich auch Georg Baselitz in die Diskussion ein, der 1958 aus Ostdeutschland nach Berlin gezogen war. Den linientreuen Ost-Künstlern hätten allesamt die wichtigsten Qualitäten gefehlt, kritisierte er: nämlich «Liebe, Verrücktheit und Fantasie». «Liebe, Verrücktheit und Fantasie» sind hingegen in Marianne Kuster verkörpert.
Drei Stichworte. «Liebe». Zu jenen Frauen, auf deren Grabstein «Ihr Leben war Liebe und Arbeit» aus Mangel besserer lobenswerten Eigenschaften eingraviert wird, gehört Marianne Kuster mit Bestimmtheit nicht. Wenn wir Liebe als eine aktive Hingabe an Personen oder Sachen verstehen, dann hat Marianne Kuster seit ihrer Kindheit die Kunst geliebt. Auch als sie noch nicht ans Ausstellen dachte, sich nicht öffentlich als Künstlerin zu bezeichnen gewagt hätte, als sie zum Beispiel als Familienfrau für die leeren Wände den Wandschmuck geschaffen hatte. Ein kleines Bild aus jener Zeit hängt im Atelier; es ist wunderschön, mit Leidenschaft und Liebe gemalt.
Ich pflege zu sagen: Künstler werden ist nicht schwer, Künstler bleiben aber sehr. Und meine damit: Jung und vital sind wir alle in einem gewissen Mass schöpferisch, aber dann schlagen die beiden R zu, die Resignation und/oder die Routine. Irgendwann kann die Liebe zur eigenen Kunst sich davon machen – wird das Schöpferische zum Erschöpferischen. Man wiederholt sich, macht trotzdem weiter, auch wenn das Herz nicht mehr bei der Sache ist. In Marianne Kusters Schaffen gibt es die beiden R nicht. Feu sacré – das heilige Feuer der Liebe zur Kunst lodert in ihr bis heute – und wird weiter brennen. Alle ihre neuen Arbeiten legen davon Zeugnis ab.
Peter Killer, Ausschnitt aus der Laudatio

Marianne Kuster
*14.8.1941 Erstfeld
lebt in Schattdorf

Marianne Kuster zeichnet und malt seit ihrer Kindheit. Auch wenn sie, als ihre beiden Kinder ins Erwachsenenalter kamen, Kurse an der Neuen Kunstschule Zürich, F+F Zürich und bei Arno Stern besuchte, darf sie als Autodidaktin, als Naturtalent bezeichnet werden. Ihre Vitalität und Neugierde lässt sie bis zum heutigen Tag immer wieder neue Themen und neue Ausdrucksmöglichkeiten entdecken. Zentral in ihrem Schaffen, das sie seit den achtziger Jahren professionell entwickeln kann, ist die Auseinandersetzung mit dem Kreatürlichen. In den Schaffenspausen unternimmt sie Wanderungen und Bergtouren. Wer Augen hat zu sehen, entdeckt in der Natur immer wieder Meisterwerke abstrakter «Kunst». Entsprechend selbstverständlich schafft die Künstlerin sowohl gegenständliche wie ungegenständliche Kunstwerke, ganz im Sinn Gauguins: «Kunst ist Abstraktion; holen Sie diese aus der Natur, indem Sie von ihr träumen. Und denken Sie mehr an die Schöpfung, die entstehen soll, als an das Vorbild.»
Neben den meist klein- oder mittelformatigen Malereien sind zahlreiche situationsbezogene Installationen entstanden. So zum Beispiel 1991: «Ein- und Aussichten einer Bootsfahrerin» am Chummetbach, im Rahmen von «Nebenflüsse» / 1993: die Auseinandersetzung mit geschändeten und gefolterten Frauen im Jugoslawienkrieg, anlässlich «Frau und Körper» auf dem Landenberg in Sarnen / 1995: «Spirale» im Rathaus Altdorf als Beitrag zu «Arturi im öffentlichen Raum» / 1995: «Flüchtige Reisende» im Kunstmuseum Luzern / 2002: «Waiting to …» auf der Göscheneralp / 2007: «Die da kommen und gehen» zum Jubiläum «125 Jahre Gotthardbahn», in der Schöllenenschlucht / 2014: «Unterwegs» im «Haus für Kunst», Altdorf.
Viele dieser Arbeiten haben explizit politische oder gesellschaftspolitische Inhalte, meiden aber eine plakative Vordergründigkeit.
Sich für andere Künstlerinnen und Künstler einzusetzen, war und ist für Marianne Kuster eine Selbstverständlichkeit. Sie wirkte bzw. wirkt in folgenden Gremien: Künstlergruppe Arturi, Heinrich-Danioth-Stiftung, Kunstverein Uri, Gesellschaft Schweizerischer Bildender Künstlerinnen (GSBK), Esther Matossi-Stiftung Zürich u.a.
Peter Killer – 27.11.14

www.sikart.ch
www.hausfuerkunsturi.ch/allgemeines/urner-jahresausstellung-2014/
www.hausfuerkunsturi.ch/allgemeines/kunst-furs-buro-einblicke-in-die-kunstsammlung-des-kantons-uri/
www.hausfuerkunsturi.ch/allgemeines/im-untergrund-below-ground-level/

Aus der Serie «Bewohner», 1997, Acryl auf Leinwand, 80 x 100 cm Aus der Serie «Magische Welten», 1997, Acryl auf Leinwand, 40 x 40 cm Aus der Serie «Magische Welten», 2000, Acryl und Kreide auf Leinwand, 40 x 40 cm Aus der Serie« Spurensuche», 1995, Bleistift auf Sperrholz, 40 x 33 cm «Ein- und Aussichten einer Bootsfahrerin», 1993 «unwegsam», 2014, im HfK Uri, 6. 12. 2014 bis 4. 1. 2015; Foto: F.X. Brun «sagenhaft» und «was ich noch sagen wollte», im HfK Uri, 6. 12. 2014 bis 4. 1. 2015; Foto: F.X. Brun «was ich noch sagen wollte» und «unwegsam», im HfK Uri, 6. 12. 2014 bis 4. 1. 2015; Foto: F.X. Brun