HEINRICH DANIOTH und Weggefährten

Heinrich Danioth, «Atelier», 1947, Öl auf grober Leinwand, 74 x 62 cm; Dätwyler Stiftung

Frühlingsausstellung

7. März bis 17. Mai 2015

Heinrich Danioth

und Cuno Amiet, Giovanni Giacometti, Ferdinand Hodler, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Varlin

mit zeitgenössischen Installationen von Heidi Arnold und Andreas Wegmann

CLICK: Heinrich Danioth und Weggefährten
Artikel von Felix Schenker

SRF Kultur Online:
Heinrich Danioth war ein urchiger Feingeist mit modernem Strich
Artikel von Dania Sulzer mit Radiobeitrag

art-tv: Das Kulturfernsehen im Netz
Portrait HAUS FÜR KUNST URI
Filmbeitrag von Janine Rudolf

Die Ausstellung Heinrich Danioth und Weggefährten möchte den Urner Künstler Heinrich Danioth (1896–1953) aus den heimatlichen Grenzen hinaustreten lassen und in einem ihm gebührenden grösseren Kontext zeigen. Der Künstler hat sich nie als Heimatmaler verstanden, doch haftet an ihm dieses Etikett bis heute. Die Ausstellung soll den Versuch wagen, einzelne Aspekte seines Schaffens in einen nationalen Zusammenhang zu stellen und mit Arbeiten anderer Künstler wie Cuno Amiet, Giovanni Giacometti, Ferdinand Hodler, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde und Varlin zu vergleichen. Sein vielfältiges Werk wird in überraschenden Gegenüberstellungen im ganzen HfK Uri und im Danioth Pavillon ausgestellt.

Persönlich sind sich Heinrich Danioth und die für diese Ausstellung ausgewählten Weggefährten vermutlich nie begegnet. Das einzige, was wir über eine Beziehung, wenn man das überhaupt so nennen darf, wissen, ist, dass sich Danioth in seinen Tagebüchern bewundernd zu Ferdinand Hodlers Arbeiten geäussert hat. Heinrich Danioth war sehr belesen, besass eine grosse Bibliothek an Ausstellungskatalogen, Kunstbüchern und Zeitschriften ­– unter anderem ein Abonnement der Kulturzeitschrift «du» –, die ihn über das aktuelle Kunstschaffen seiner Kolleginnen und Kollegen informiert hat.

So kann es in dieser Gruppenausstellung also nicht darum gehen, eine Beziehung zwischen den Malern zu konstruieren, die so nie bestanden hat. Die Gründe für eine gemeinsame Präsentation liegen auf anderen Ebenen. Es geht um das Offenlegen eines Zeitgeistes, respektive von verwandten oder ähnlichen bildnerischen Problemen und Themen, die sich zwar in der Sprache, in der sie sich ausdrücken, mehr oder weniger stark unterscheiden, jedoch in dem, was sie formulieren, in ihrem Gehalt durchaus vergleichen lassen, trotz aller Unterschiedlichkeit ihrer Karrieren.

So soll also durch die gleichzeitige Präsentation dieser Werke zwar auf Gemeinsames in den künstlerischen Absichten hingewiesen werden, die jeweilige Eigenständigkeit der Künstler jedoch gewahrt bleiben und keinesfalls in Frage gestellt werden.

Die beiden zeitgenössischen Positionen schaffen Bezüge zur Gegenwart. Heidi Arnold nimmt mit einer zweiteiligen Installation den Dialog auf, Andreas Wegmann schafft seinen Bezug mit einer Klangskulptur, die er auch bespielen kann.

Kunstschaffende der Ausstellung:
Heidi Arnold
Andreas Wegmann
Heinrich Danioth

DANIOTH – der Teufelsmaler
Ein Film von Felice Zenoni

Cuno Amiet
* 1868 Solothurn, † 1961 Oschwand (Seeberg BE)
1888 Studium an der Akademie München. Dort Bekanntschaft mit Giovanni Giacometti. Mit ihm nach Paris, wo er an der Académie Julian weiterstudierte, an der Seite von Pierre Bonnard, Édouard Vuillard u.a. Bekanntschaft mit Félix Vallotton und Mitglied der Nabis. 1892–1893 Aufenthalt in Pont-Aven. 1893 erste Begegnung mit Ferdinand Hodler, 1896 mit Giovanni Segantini. 1898 Heirat mit Anna Luder und Umzug auf die Oschwand bei Seeberg (BE). Das Paar blieb kinderlos und zog fremde Kinder auf, z.B. Bruno Hesse, den ältesten Sohn von Hermann Hesse. Mitglied der deutschen Künstlergruppe «Brücke». 1931 verlor er einen grossen Teil seines Werks infolge eines Brandes. 1953 Tod der Ehefrau Anna.

Giovanni Giacometti
* 1868 Stampa, † 1933 Glion (bei Montreux)
1886–1887 Studium an der Kunstgewerbeschule München. 1888–1891 an der Académie Julian in Paris, zusammen mit Cuno Amiet, mit dem er eine lebenslange Freundschaft pflegt. 1891 Rückkehr nach Graubünden. 1894 prägende Bekanntschaft mit Giovanni Segantini, der ihn fördert. 1900 Heirat mit Annetta Stampa. Vier Kinder: Alberto, Diego, Ottilia, Bruno. 1908 Ausstellungseinladung der Künstler der «Brücke» nach Dresden. Es folgen Ausstellungen in Köln, Zürich Basel und Bern.

Ferdinand Hodler
* 1853 Bern, † 1918 Genf
1868 Lehre beim Vedutenmaler Ferdinand Sommer in Thun. Ab 1872 in Genf. 1873 Schüler bei Barthélemy Menn. 1877 in Paris, anschliessend in Spanien. 1881 Atelier in Genf. 1887 erste Einzelausstellung (Kunstmuseum Bern). 1897 1. Preis beim Wettbewerb für die Fresken des Waffensaals im Landesmuseum; heftiger Kunststreit. 1904 internationaler Durchbruch und materieller Aufstieg. 1914 unterschrieb er ein Manifest gegen die Beschiessung der Kathedrale von Reims durch deutsche Truppen und wurde aus allen deutschen Künstlerverbänden ausgeschlossen. 1915 Tod seiner Geliebten Valentine Godé-Darel; Bilderzyklus. 1917 grosse Retrospektive im Kunsthaus Zürich.

Ernst Ludwig Kirchner
* 1880 Aschaffenburg, † 1938 Davos
1901–1905 Architekturstudium in Dresden. Mit Erich Heckel, Fritz Bleyl und Karl Schmidt-Rottluff – allesamt Autodidakten wie er selbst – Gründung der Künstlergruppe «Brücke», der sich 1906 auch Max Pechstein, Cuno Amiet und Emil Nolde anschlossen. 1911 Umzug nach Berlin. 1912 Bekanntschaft mit Erna Schilling, seiner künftigen Lebensgefährtin. 1913 Austritt aus der «Brücke». 1915 Kriegsdienst und nervlicher Zusammenbruch; Morphinsucht. 1917 Umzug nach Davos. 1937 Entfernung und Beschlagnahmung seiner als «entartet» taxierten Werke aus den deutschen Museen. 1938 Freitod.

Emil Nolde (Hans Emil Hansen)
* 1867 Buhrkall, † 1956 Seebüll
1884–1888 Ausbildung als Schnitzer und Zeichner in Flensburg. 1892–1898 Zeichenlehrer in St. Gallen. 1899 kurz an der Académie Julian in Paris. 1902 Heirat mit der Schauspielerin Ada Vilstrup. 1906–1907 Mitglied der «Brücke»; Begegnung mit Edvard Munch. 1913–1914 Reise in die Südsee. Ab 1926 Atelierhaus in Seebüll (Schleswig). Ab 1934 Mitglied der NSDAP und «Kampf gegen die Überfremdung der deutschen Kunst». 1937 wurden seine Werke als «entartete Kunst» diffamiert. 1941 Berufsverbot. 1946 Tod der Ehefrau Ada. 1948 Heirat mit Jolanthe Erdmann.

Varlin (Willy Guggenheim)
* 1900 Zürich, † 1977 Bondo
1918–1919 Lehre als Lithograph in St. Gallen. 1919–1921 Kunstgewerbeschule St. Gallen. 1921–1923 in Deutschland, vor allem in Berlin. 1923–1932 in Paris, an der Académie Julian, an der Académie A. Lhote und an der Grande Chaumière. 1930 Annahme des Pseudonyms Varlin. 1932 Rückkehr in die Schweiz. Freundschaft mit Hans Aeschbacher, Karl Geiser, Friedrich Kuhn, Hugo Loetscher, Friedrich Dürrenmatt u.a. 1951 Ausstellung im Kunstmuseum Luzern, zusammen mit Max Gubler. 1960 grosse Ausstellung im Kunsthaus Zürich; Biennale von Venedig. 1963 Heirat mit Franca Giovanoli; das Bergeller Dorf Bondo wird bevorzugter Wohnsitz. 1966 Geburt der Tochter Patrizia. 1967 Kunstpreis der Stadt Zürich und grosse Ausstellung in der Kunsthalle Basel.

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Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri - Heinrich Danioth und Weggefährten 2015; Andreas Wegmann bespielt seine Arbeit die 7. Röhre, Musik Performance
Ferdinand Hodler, «Genfersee mit Savoyerbergen», 1907, Öl auf Leinwand, 36 x 49 cm; Bündner Kunstmuseum Chur
Varlin, «Maman», 1937/38, Öl auf Leinwand, 83 x 72 cm; Courtesy: Privatbesitz

Danioth – der Teufelsmaler

Danioth – Der Teufelsmaler

Film – Schweiz 2015, 90 Minuten
Kinostart: 15. Januar 2015, Trailer

Heinrich Danioth, 1896 in Altdorf geboren und 1953 in Flüelen gestorben, ist einer der herausragenden Schweizer Maler des 20. Jahrhunderts. Alle kennen seinen roten Teufel an der Felswand in der Schöllenen. Trotzdem ist der Urner heute etwas in Vergessenheit geraten. Zu unrecht, wie der aktuelle Kino-Dokumentarfilm «Danioth – der Teufelsmaler» von Felice Zenoni beweist.

Der Film zeigt einen Querschnitt durch Danioths vielschichtiges Werk. Rückgrat der biografisch angelegten Handlung sind Tagebuch-Notizen und Briefauszüge. Der in Uri aufgewachsene Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart leiht dem vor über 60 Jahren verstorbenen Künstler seine Stimme. Bergauf, bergab sucht die Kamera quer durch den Kanton Uri nach Spuren; ergänzt durch Archivfilme und eingerahmt von persönlichen Erinnerungen einer ganzen Reihe überraschender Zeitzeugen.
Eine eigentliche Hauptrolle im Film spielen die Landschaften des Kantons Uri. Obwohl Danioth nicht nur «der Urner Maler» sein wollte, bleiben Berge, Täler und das Wasser die nachhaltigsten Quellen seiner Inspiration. Die Kamera macht sich die Optik des Künstlers zu eigen, dringt ein in eine Welt voller Mysterien, zwischen Licht und Schatten. Der Künstler selbst hat es einmal so beschrieben: «Meine Heimat ist, fürwahr, Prunkkammer Gottes und Irrgarten des Teufels, zu gleichen Teilen.»
Vor allem in der zweiten Lebenshälfte wird aus dem Maler auch ein Schriftsteller. Er schreibt Hörspiele, Prosa, Lyrik und Theaterstücke. Der Film wirft einen Blick auf Danioths engagierte Mitarbeit bei der Satirezeitschrift «Nebelspalter». Mit bissigen Kommentaren und Karikaturen persifliert er die Vorgänge in Nazi-Deutschland. Dass ausgerechnet seine frechen Hitler-Karikaturen in den Kriegsjahren von der bundesrätlichen Pressezensur «übersehen» worden sind, grenzt an ein Wunder.
Falls es nicht doch mit Absicht geschehen sein sollte. Der damalige Zuger Bundesrat Philipp Etter war ein Bewunderer Danioths und in den Kriegsjahren der starke Mann im Rat.
Danioths Leben als Erwachsener spielt sich hauptsächlich während und zwischen den beiden Weltkriegen ab. Zwischen 1914 und 1945 stehen die Grenzen nur sehr eingeschränkt offen und die Menschen haben andere Sorgen, als Kunst zu kaufen. Die Krise der 30er-Jahre trifft Kunstschaffende deshalb besonders hart.
Dem Urner Filmautor Felice Zenoni ist es gelungen, das von Selbstzweifeln und materiellen Nöten gezeichnete Künstlerleben wirklichkeitsnah abzubilden. Danioth als eigensinniger Grenzgänger zwischen Malerei und Wort. Danioth als Mensch und Familienvater.
Die Tonspur des Films geht von «Zogä-n am Bogä» aus, jener Melodie, die heute auch «Urner Nationalhymne» genannt wird. Als das Lied in den 20er-Jahren aus der Taufe gehoben wird, ist Heinrich Danioth mit seinem Akkordeon aktiv dabei. Heute illustriert nun die junge Schweizer Musikerin Fatima Dunn die Welt des Künstlers mit ihren Klangbildern.

Werk- und Förderungsausstellung 2014

Plakat Jahresausstellung 2014, Valentin Luthiger

KUNST- UND KULTURSTIFTUNG HEINRICH DANIOTH
Werk- und Förderungsbeiträge 2014

6. Dezember 2014 bis 4. Januar 2015

Sonderausstellung: Marianne Kuster-Tresch

Übergabefeier/Vernissage: Samstag, 6. Dezember 2014, 17 Uhr

art-tv: Das Kulturfernsehen im Netz
Filmbeitrag von Carlos Lügstenmann

Die Kunst- und Kulturstiftung Heinrich Danioth wurde 1981 in Zusammenarbeit zwischen Regierungsrat und dem damaligen Danioth-Ring und heutigen Kunstverein Uri gegründet.
Nach dem Rücktritt von Cornel Betschart leitet neu lic. phil. Elisabeth Fähndrich, Vorstandsmitglied des Kunstvereins Uri, das Kuratorium.
30 Urnerinnen und Urner nehmen an der diesjährigen Urner Jahresausstellung im Haus für Kunst Uri teil.

Der Musical- und Performancekünstler Rolf Sommer weilte letzten Sommer in New York. Die Jury attestierte ihm Leidenschaft, Spiellust und eine unbeirrbare Konsequenz in der Verfolgung seiner Ziele. An der Vernissage wird er einen kurzen Einblick in seine Arbeit geben.

Laudatio von Urs Bugmann

Im Danioth Pavillion präsentiert Marianne Kuster ihr künstlerisches Schaffen. Zum zweiten Mal erhält eine Urner Künstlerin anlässlich der Jahresausstellung eine carte blanche. Als genaue Beobachterin ihres Umfelds zeigt Marianne Kuster in ihren Werken alltägliche Situationen in Verbindung mit existentiellen Fragen. Immer wieder erinnern Bildszenarien an mythologische Wesen und Welten, welche die rationale Wahrnehmung der heutigen Zeit auf ironische und tiefgründige Weise in Frage stellen und zu genauem Hinsehen auffordern.

Marianne Kuster-Tresch

Laudatio von Peter Killer

Goldener Uristier an Gotthardpioniere

Übergabefeier: Samstag, 3. Januar 2015, 17.00 Uhr

Der Regierungsrat des Kantons Uri und die Kunst- und Kulturstiftung verleihen lic. iur. Hans Danioth (Altdorf) und Karl Danioth (Andermatt) den Goldenen Uristier. Beide Persönlichkeiten haben sich ein Leben lang für die geistige und wirtschaftliche Entwicklung des Kantons Uri eingesetzt. Hans Danioth und Karl Danioth waren als engagierte Stiftungsmitglieder Pro San Gottardo massgebend für die Restaurierung der nationalen Gotthardgedenkstätten verantwortlich.

Medienmitteilung

Einladungskarte 33. Urner Jahresausstellung

Aus der Tiefe rufe ich zu Dir:

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Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri - Aus der Tiefe rufe ich zu dir 2014; Augustin Rebetez, Things 2012/14, Ink-Jet-Print 40 x 60 cm

Herbstausstellung

13. September bis 23. November 2014

GOTTESERFAHRUNG & TEUFELSKÜCHE

art-tv: Das Kulturfernsehen im Netz, Portrait HAUS FÜR KUNST URI
Filmbeitrag von Janine Rudolf

Eine Gruppenausstellung vonEsther Maria Jungo, Gastkuratorin*

(* Barbara Zürcher weilt von anfangs August 2014 bis Mitte Januar 2015 in London, Atelierstipendium von der Landis & Gyr Stiftung)

Die grossen Fragen zu Leben und Tod, die Fragen zur Existenz von Mensch, Tier und Natur beschäftigen die Menschheit seit jeher. Mittels Mythen, Ritualen, künstlerischen Gestaltungen und Musik sucht der Mensch das Unbegreifliche und das Dasein zu ergründen und zu erklären. Gleichzeitig sucht er durch die geistige Kraft der Kunst den Weltengang sowie das Schicksal zu beeinflussen aber auch hinzunehmen sowie Mystik und Transzendenz zu erfahren.

Die Kulturerzeugnisse aus der Vergangenheit bis heute widerspiegeln die Aufgaben und Glaubensbekenntnisse wie auch die Erkenntnisse, die Sehnsüchte, Hoffnungen, Ängste und Nöte des Menschen. Sie tragen bei zur Daseinsbewältigung. Kunst hilft, heilt und tröstet. Zugleich vermögen Kunstwerke als Mittel zu Machtausübung und Repression den Menschen zutiefst zu verunsichern und in die Zerstörung zu treiben.

Die Gruppenausstellung Aus der Tiefe rufe ich zu Dir

Gotteserfahrung & Teufelsküche sucht im traditionellen Innerschweizer Umfeld, im Kulturschaffen des Kantons Uri wie auch in der modernen und zeitgenössischen Welt nach eindringlichen Zeugnissen und Zeugen der menschlichen Auseinandersetzung mit dem Dasein. Dass die kulturellen Zeugnisse nicht nur dem Kult dienen und Strukturen übermitteln, sondern ebenso Grenzen ausloten und überschreiten, ist Teil der Auseinandersetzung, wie auch die Notwendigkeit des Menschen, im Rahmen des Kultischen und der Beschwörung dabei zu sein.

Thematisiert werden Struktur & Verständnis, Angst & Sehnsucht, Körperqual & Ekstase, Schutz/Bann, Adoration, Wunder & Verwandlung, Disputatio & Lamentatio, Gedeihen & Hoffnung, Liebe/Geborgenheit & Stille/Erlösung.

Es sollen dabei nicht nur Werke der modernen und zeitgenössischen Kunst präsentiert werden, sondern ebenso Werke aus vergangenen Jahrhunderten, wobei der sakralen Volkskunst der Region, somit auch der Volksmedizin besonderes Augenmerk zukommt.

Heinrich Danioth wird thematisch mit ausgewählten Arbeiten in diese Gruppenausstellung miteinbezogen und im Danioth Pavillon zu sehen sein.

Kunstschaffende der Ausstellung: Anonymus, Ian Anüll, John Armleder, Hugo Ball, Heidi Bucher, Eugen Bollin, Dirk Bonsma, Charlatan mit Christiane Hamacher, Isabel Moesch Clematide und Elke Pahud de Mortanges, Heinrich Danioth, Wim Delvoye, Mauricio Dias & Walter Riedweg, Federico Fellini, Jean-Damien Fleury, Florian Germann, Eduard Gubler, Michael Günzburger, Roland Herzog, HOIO, Peter Hujar, Christian Kathriner, Isabelle Krieg, Carlo E. Lischetti, Urs Lüthi, Gertrud von Mentlen, Josef Felix Müller, Matt Mullican, Meret Oppenheim, Eugen Püntener, David Renggli, Augustin Rebetez, Loredana Sperini, André Thomkins

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Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri - Aus der Tiefe rufe ich zu dir 2014; John Armleder
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Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri - Aus der Tiefe rufe ich zu dir 2014; Desiderius Sperini, TIM

wiedemann/mettler

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Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri - Wiedemann/Mettler 2014; Wiedemann Mettler, better safe than sorry

Sommerausstellung

14. Juni bis 24. August 2014

better safe than sorry

art-tv: Das Kulturfernsehen im Netz , Portrait HAUS FÜR KUNST URI
Filmbeitrag von Janine Rudolf

Ein Kunsthaus wird zur Arche

In der Nacht vom 24. auf den 25. August 1987 wütete ein schweres Unwetter über dem Gotthardmassiv. Das Hochwasser zerstörte in der Folge Häuser, Strassen, Bahnlinien und Kulturland. Glücklicherweise waren damals keine Menschenleben zu beklagen, jedoch ertranken allein im unteren Reusstal mehr als 900 Nutztiere. Schwere Stürme haben in den vergangenen 30 Jahren nicht nur die Schweiz immer wieder in dichter Folge heimgesucht – im gesamten Alpenraum sind es die enormen Wassermassen, die ein regelmässiges Auftreten von Naturkatastrophen immer wahrscheinlicher werden lassen.

Das Künstlerduo Pascale Wiedemann (*1966) und Daniel Mettler (*1965), wiedemann/mettler, besinnt sich auf die Geschichte der Arche Noah, in der eine Sintflut das Sittenverderbnis der Menschheit «vertilgen» sollte. Doch Noah hatte die Gnade Gottes erfahren und mit dem Bau einer Arche das Menschengeschlecht und die Tierwelt gerettet, so steht es geschrieben im Buch der Genesis.

Unter dem Titel better safe than sorry nehmen wiedemann/mettler dieses Sinnbild auf und inszenieren das Thema Sicherheit in seiner ganzen Ambivalenz. So werden Inszenierung und das In-Szene-Setzen zu wesentlichen Momenten ihres räumlichen und skulpturalen Handelns. wiedemann/mettler bespielen unter anderem mit 160 ausgestopften Tieren aus einer Thurgauer Privatsammlung das ganze Haus für Kunst Uri und den Innenhof.

Bezüge zur Kunstgeschichte (vgl. Appropriation Art) sind bei wiedemann/mettler bewusst gesetzt und werden mit Assoziationen aus dem persönlichen Erleben aufgeladen. Die Gegenstände selbst erscheinen oftmals unheimlich, das Vertraute wird ‒ in Anlehnung an surreale Praktiken ‒ verfremdet, hintergangen, und neue Bedeutungsdimensionen werden den Objekten abgerungen und erschüttern unseren Glauben ins Bestehende.

wiedemann/mettlers Œuvre lässt sich weder einem speziellen Medium noch einem Thema zuordnen. Sie erarbeiten aus den unterschiedlichsten Materialien Skulpturen, Installationen, Objekte und Fotografien – und für ihre erste institutionelle Einzelausstellung im Haus für Kunst Uri ein ganzes Environment.

Barbara Zürcher, aus dem Katalog «better safe than sorry», Scheidegger & Spiess, August 2014

Die Publikation better safe than sorry erscheint Ende August 2014 im Verlag Scheidegger & Spiess.

Der Danioth Pavillon wird in diese Einzelausstellung integriert. Das grossformatige Gemälde Der Traum, 1944, Öl auf Pavatex, 80 x 160 cm von Heinrich Danioth kommt einem Auftakt gleich für die räumlichen Inszenierungen des Künstlerduos wiedemann/mettler.

Arche Noa von wiedemann/mettler, 2007, auf YouTube
Modellbau/Kamera/Schnitt: Janine Rudolf
Ton: Peter Bräker, Darko Linder

Kunstschaffende der Arbeiten:
wiedemann/mettler

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Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri - Wiedemann/Mettler 2014; Wiedemann Mettler, better safe than sorry
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Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri - Wiedemann/Mettler 2014; Wiedemann Mettler, better safe than sorry

Melencolia

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Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri, Melencolia 2014; Andreas Marti, Himmel Hölle The Whole

Frühlingsausstellung

8. März bis 18. Mai 2014

MELENCOLIA (nach Albrecht Dürer, Melencolia I, 1514)
Andreas Marti, Hanna Roeckle, Bernard Voïta

art-tv: Das Kulturfernsehen im Netz
Filmbeitrag von Ruth Baettig

Alle drei Kunstschaffenden beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise und mittels verschiedenartiger Materialien mit räumlichen Fragen, die sie ans Bild, ans Objekt und deren Umgebung stellen – sie sind ausgesprochen forschend und analytisch unterwegs.
Symbolisch für Albrecht Dürers inniges Verhältnis zur Mathematik ist sein rätselhafter, vieldiskutierter Kupferstich Melencolia I (1514), der auch als Titel dieser Gruppenausstellung figuriert und der sowohl die Künstlerin als auch die beiden Künstler zu neuen Arbeiten angeregt hat.

Andreas Marti, *1967, lebt und arbeitet in Zürich.
Ausgangspunkt von Andreas Martis Arbeiten bildet sein Interesse für physikalische Phänomene, für Vorgänge der Natur, für mathematische Systeme und damit verbundene Darstellungsformen. Ob monumentale Papierobjekte oder grossflächige Wandarbeiten, ob mehrteilige Installationen oder minutiöse Bleistiftzeichnungen – sie alle basieren konzeptuell auf der Frage, wie abstrakte Sachverhalte in lesbare Zeichen, wie Gedankengebilde in eine erfahrbare Form übersetzt werden können. Er löst einzelne Aspekte, seien es Motive oder Darstellungsweisen, aus ihrem ursprünglichen Kontext, übersetzt sie in neue inhaltliche Zusammenhänge, transformiert sie medial. Es entstehen neue, autonome Konfigurationen.

Hanna Roeckle, *1950 in Vaduz, FL, lebt und arbeitet in Zürich.
Hanna Roeckles Schaffen entwickelt sich aus der Malerei. Das plastisch-räumliche Gepräge ihrer Bilderwelt setzt schon sehr früh ein – nicht im Sinne einer illusionistischen Gegenstandswiedergabe. Vielmehr basieren ihre Arbeiten auf räumlichen Strukturen und Systemen, deren konstruktive Klarheit mit sinnlichen Farbverläufen und Farbkombinationen in einen vielstimmigen Dialog treten. Gezielt bezieht die Künstlerin Themen aus der Geometrie und Physik, aus der Systemtheorie, der Kultur-, Design-, und Architekturgeschichte in ihre Konzepte mit ein.
Ihre Farb- und Formkompositionen, meist auf Birkensperrholz, die ein gewisses Volumen haben, umspielen in immer neuen Variationen modulartig die Wand und den Raum. Hanna Roeckle demonstriert, wie ein Bild oder eine Plastik trotz einer genauen und fassbaren Konstruktion sich verändern können, je nachdem, aus welchem Winkel sie betrachtet werden. Bei aller Klarheit und Strenge ihrer Formensprache haben ihre Bildobjekte und Plastiken etwas Spielerisches.

Bernard Voïta, *1960 in Cully, CH, lebt und arbeitet in Brüssel.
Als Plastiker und nicht mit den herkömmlichen fotografischen Strategien verfolgt Bernard Voïta seine Fotografie. Sie dient bei ihm nicht dazu, eine eigenständige äussere Realität aufzuzeichnen oder durch die Wahl des Ausschnitts und des Motivs eine subjektive Sicht einzubringen. Das Abgebildete reduziert er zu blossem Material. Der Eingriff des Künstlers geschieht vor der Kamera, in der Anordnung von Objekten aller Art – einem kühnen Würfelwurf gleich in die Welt der Dinge. Voïta spielt mit der Kluft, die bei jedem Bild, insbesondere bei der Fotografie, in einer nie behobenen Spannung zwischen Wahrnehmung und Konstruktion besteht. Die Kraft seiner Bilder fasziniert, die gebauten Kompositionen wecken eine beinahe detektivische Neugier.

Der Danioth Pavillon wird in diese Gruppenausstellung integriert, ausnahmsweise ohne Präsentation von Heinrich Danioths Arbeiten, da sich inhaltlich wie formal keine Gemeinsamkeiten zu den drei Positionen finden lassen.

Kunstschaffende der Ausstellung
Andreas Marti
Hanna Roeckle
Bernard Voïta

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Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri - Melencolia; Hanna Roeckle, Andromeda Tiling Foto Mair 2013
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Bernard Voïta, «Melencolia VIII», 2014, s/w-Fotografie, Digitalabzug, 130 x 180 cm; Courtesy: Galerie Bob van Orsouw

Werk- und Förderungsausstellung 2013

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KarteDaniothstiftung2013_Mary_Anne_Imhof.jpg
Karte und Plakat für die Jahresausstellung 2013 der Kunst- und Kulturstiftung Heinrich Danioth, gestaltet von Mary Anne Imhof

KUNST- UND KULTURSTIFTUNG HEINRICH DANIOTH
Werk- und Förderungsbeiträge 2013

7. Dezember 2013 bis 5. Januar 2014

Sonderausstellung: Mariette Merz

Übergabefeier/Vernissage: Samstag, 7. Dezember 2013, 17 Uhr

Vor gut dreissig Jahren vergab das Kuratorium das erste Urner Werkjahr dem Innerschweizer Literaturpreisträger Martin Stadler für den Roman «Bewerbung eines Igels». Im selben Jahr zeichnete die Kunst- und Kulturstiftung Heinrich Danioth auch die diesjährige Innerschweizer Kulturpreisträgerin Maria Zgraggen aus, die am 21. September 2013 ausgezeichnet wurde. Das frühe Fördern von Talenten ist Hauptzweck der Danioth-Stiftung, die seit ihrem Bestehen viel bewirkt hat.

Das Kuratorium entschied, die Jahresausstellungen mit einer Sonderausstellung im angebauten Danioth Pavillion zu ergänzen. Als erste Urner Künstlerin erhielt nun Mariette Merz diesen Raum zugesprochen. Nachdem die Malerin vor Kurzem verstarb, wird Direktorin Barbara Zürcher das Werk der Malerin posthum ausstellen und im Rahmen der Übergabefeier würdigen. Dank dem grosszügigen Entgegenkommen der Dätwyler Stiftung steht der Danioth Pavillion auch künftig für die Jahresausstellung zur Verfügung.

Die Ausstellung wird erstmals über Neujahr verlängert und dauert bis Sonntag, 5. Januar 2014.

Medienmitteilung

Einladungskarte 32. Urner Jahresausstellung

Laudatio von Urs Bugmann

Im Danioth Pavillon

HOMMAGE AN MARIETTE MERZ (1925–2013)

Mariette Merz

Wir zeigen Skizzenbücher, klein- und grossformatige Bilder aus allen Schaffensphasen.

Gleichzeitig besteht die Möglichkeit das Atelier von Mariette Merz zu besuchen und noch mehr Arbeiten zu sichten, vor allem aber die Wirkungsstätte ihrer Inspiration nachzuempfinden.

Flyer mit Daten und Koordinaten

TRANSFORMATIONEN: MYTHOS ALTER

Seline_Baumgartner_2_Mythos_Alter
Seline_Baumgartner_2_Mythos_Alter
Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri - Transformationen: Mytos Alter 2013; Seline Baumgartner, If it is as if it 2012, Videoinstallation mit Ton

Herbstausstellung

14. September bis 24. November 2013

Die Zukunft gehört, so scheint es, dem Alter. Jahrzehntelang hatten die westlichen Gesellschaften als wichtigstes Lebensziel die Jugendlichkeit behauptet. Seit einigen Jahren werden die Seniorinnen und Senioren als wachsende Konsumentengruppe entdeckt und umgarnt. In der Schweiz, die im europäischen Kontext keine Ausnahme bildet, dürfte sich der Bevölkerungsanteil der Pensionäre in den nächsten vierzig Jahren nahezu verdoppeln. Die Werbung hat es bereits geschafft, dass wir versuchen «jünger zu leben» und vor allem jung zu bleiben. Wenn es schlecht kommt, haben wir noch einen rosigen Teint, einen fit getrimmten Körper, aber nur noch ein Fünkchen Verstand …
Ein Grund mehr Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern zu präsentieren, die sich mit dem Phänomen Alter, den Transformationen auseinandersetzen. Bewusst zu altern birgt die Chance, sich über sich selbst und das Leben klarer zu werden.

Im Danioth Pavillon zeigen wir kürzlich restaurierte Porträts und Landschaften von Heinrich Danioth, deren Altersspuren sanft beseitigt wurden.

Kunstschaffende der Arbeiten: Seline Baumgartner, Fredie Beckmans, Louise Bourgeois, Heinrich Danioth, Klodin Erb, Christian Flierl, Ursula Hodel, Uwe Karlsen, Beatrice Maritz, Nanne Meyer

Die Innerschweizer Kulturstiftung hat
die Urner Künstlerin Maria Zgraggen
mit dem Kulturpreis der Innerschweiz für das Jahr 2013 ausgezeichnet.

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Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri - Transformationen Mythos Alter 2013; Fredie Beckmans, «Zeitmaschine, Philosophischer Gedanken-Absorber», typus: PhGD 2013
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Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri - Transformationen: Mythos Alter 2013; Uwe Karlsen, Beatrice Maritz
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Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri - Transformation: Mythos Alter 2013; Beatrice Matritz

Peter Regli – DER SCHLAFENDE BAUM

Peter_Regli_Winterlandschaft_1950_2013
Peter_Regli_Winterlandschaft_1950_2013
Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri - Peter Regli - Der schlafende Baum; Peter Regli, Winterlandschaft 1950, 2013, Holz, Kletterseile, Tempera, Dimensionen variabel

Sommerausstellung

8. Juni bis 18. August 2013

Für die Einzelausstellung «Der Schlafende Baum» von Peter Regli entstanden neue Arbeiten aus Stein, Holz, Reinzinn, Holzkohle und Papier für die Innenräume und den Garten.

art-tv: Das Kulturfernsehen im Netz
Filmbeitrag von Janine Rudolf

Reglis Natur- und Kunstgeschichten

«Der schlafende Baum» – heisst die Ausstellung von Peter Regli im Haus für Kunst Uri, mit der sich der Künstler zum ersten Mal in seinem Heimatkanton präsentiert. Dieser Titel ist zugleich poetisch und ein Versprechen, das der Künstler wörtlich einlöst. Im Innenhof des Museums ruht ein mächtiger Buchenstamm von viereinhalb Metern Länge auf einem Sockel. Der Schlaf aber ist nicht friedlich wie es auf den ersten Blick scheinen könnte: Die blutroten Schnittflächen des Baumes machen aus dem schlafenden ein verwundetes oder gar totes Objekt. Poesie, Schönheit, Gewalt und Tod sind für Regli nahe Verwandte, die er als grosse Themen seiner Kunst zu Beginn der Ausstellung anspielt. Diese sind nicht zufällig gewählt, sondern haben mit den Traditionen der Innerschweiz zu tun, wo die Geschichten der christlichen Religion in Kunstwerke aus Holz und Marmor verwandelt, mit Farben und Gold erzählt werden, und wo die Bildwelten des Katholizismus oft von Schönheit in Gewalt umschlagen.

Aber kehren wir von den Kunstgeschichten zurück zu den Naturgeschichten: In einem der Haupträume der Ausstellung treffen wir auf einen mächtigen Bären mit aufgerichteten Tatzen, den ein professioneller Schnitzer aus einem Stamm gesägt und gehauen hat. Wie der Buchenstamm liegt das Tier hilflos auf dem Boden, aufgebahrt zwischen zwei Säulen. Durch die Verwandlung von rohem Holz in ein Tier und die Inszenierung im Museumsraum entsteht eine sakrale Szene, die an Darstellungen des liegenden, toten Christus in einer der Urner Kirchen erinnert.

Nicht nur Natur wird in der künstlerischen Arbeit von Peter Regli zu Kunst, sondern die natürlichen Materialien selber verwandeln sich: Holz wird durch klassische Köhlertechnik zu Kohle, die der Künstler zu fragilen, tiefschwarzen und abstrakten Gebilden schichtet. Beim physikalischen Prozess des Verkohlens wird bekanntlich Hitze frei, die Metall zum Schmelzen bringt. Für eine weitere Werkgruppe im Haus für Kunst Uri hat Peter Regli Zinn geschmolzen, das er in flüssiger Form auf den Boden giesst und in fantastische Formen verwandelt, die nun in Altdorf als Wolken von den Wänden glitzern oder sich zu einem grandiosen Herz formieren. Die Zinnobjekte leuchten silbrig und golden oder glimmen in stumpfer Metallfarbe von den Wänden, je nach Licht, das auf die flachen Skulpturen fällt.

Regli bezieht sich mit seiner Bilderwelt nicht nur auf die Welt des heimischen Katholizismus: Seine Skulpturen aus weissem Marmor erinnern mehr an heidnische Geister oder fremde Götter als an die Heiligen der Kirchen. Seit mehreren Jahren arbeitet der Künstler in Vietnam mit Steinbildhauern, mit denen er Gruppen von Skulpturen wie Schneemänner oder Buddhas produziert. Ein riesiger Schneemann steht in Altdorf als Türwächter vor dem Kunsthaus, und zwei Schneemänner oder -frauen mit asiatischen Rosettenaugen im Innern zeigen die fröhliche Götterwelt des Peter Regli.

Über dem Urner Kunsthaus schwebt ein grosser Künstlername: Heinrich Danioth. Diesem Maler ist traditionellerweise ein eigener Saal gewidmet, zu dem sich die zeitgenössischen Künstler mit ihren temporären Ausstellungen positionieren. Peter Regli nun wählt eine neue Art der Begegnung mit dem Urner: Er lässt den Danioth-Saal von Theatermalerinnen als ein räumliches Aquarell des Künstlers übergross ausmalen, und von der Decke hängt er vier hölzerne Adlerskulpturen. Diese sind verdreht, in der Mitte auseinander gesägt und verschoben wieder zusammengefügt. In dieser spektakulären Inszenierung treffen metaphorisch zwei Künstlerpersönlichkeiten aufeinander: Peter Regli, der in seiner Jugend der «Adler vom Gotthard» genannt wurde und der Maler Danioth. Wer dann noch einen Blick auf die Titel der ausgestellten Werke von Regli wirft, wird staunen: Allesamt tragen diese Titel von (abwesenden) Kunstwerken von Heinrich Danioth. So heisst beispielsweise eine Holzskulptur «Der Überseer 1940», und ein Schneemann ist «Gitschen 1952».  Mit Witz und selbstbewusst sucht Regli mit seiner Kunst einen ganz ungewohnten Dialog mit dem Urner Meister.

Als Besucherinnen oder Betrachter befinden wir uns in der Ausstellung von Peter Regli in einem eigenwilligen künstlerischen Kosmos, der mit Holz, Marmor, Farbe und Zinn Geschichten über Natur, Globalisierung, Tradition, Religion und vor allem über das abgründig-heitere und subversiv-gefährliche Potential der aktuellen Kunst erzählt. Über der ganzen Ausstellung aber glänzt ein starkes Symbol: Das Herz. Draussen vor der Tür des Kunsthauses flattert es pink als drei Meter grosse Fahne, im Innern des Museums leuchtet es als gleissendes Zinnherz. Kunst braucht Herz, scheint uns Regli zuzurufen, denn bei seiner Kunst geht es immer um grosse Gefühle und um Leben und Tod.
Gabriela Christen, 3. 6. 2013

Peter Regli hat seine Reality Hackings systematisch dokumentiert, man kann sie jederzeit auf www.realityhacking.com abrufen.

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Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri - Peter Regli - Der schlafende Baum; Peter Regli «Urnerinnen 1938, 2008», Marmor, 45 x 45 x 110 cm und 55 x 50 x 90 cm; «Im Gwüest 1945, 2013», Holz, Dimensionen variabel
Peter_Regli_Margritli_1948_2012
Peter_Regli, «Margritli 1948, 2012», Polyester Fahne, Siebdruck, Karabiner, 300 x 300 cm

MINIVERSUM

Peter Sauerer, «Ortlind», 2012, Holz, bemalt, 25 x 16 cm; Courtesy: Thomas Rehbein Galerie, Köln

Frühlingsausstellung

9. März bis 19. Mai 2013

Katja Loher und Peter Sauerer
Videoskulpturen treffen auf Holzminiaturen

art-tv: Das Kulturfernsehen im Netz
Filmbeitrag von Julia Martinez

SRF Schweizer Radio und Fernsehen: Reflexe, 9. April 2013
Zeitgenössische Kunst in der Provinz – Das Haus für Kunst Uri
Radiobeitrag von Alice Henkes

SRF Schweizer Radio und Fernsehen: Kulturplattform online
Das Haus für Kunst Uri: Überraschende Kunsterlebnisse in der Provinz
Beitrag von Alice Henkes

Katja Loher (*1979 in Zürich, Ausbildung in Genf und an der Hochschule in Basel, lebt seit 2004 in New York) projiziert ihre Videos auf die Oberfläche von grossen, glatten Globen, die mitten im Raum hängen. Die Künstlerin löst sich vom Monitor und der Black Box, in der Videos auf eine oder mehrere Wände projiziert werden, und inszeniert stattdessen ihre Werke als raumgreifende Videoskulpturen und Videoobjekte. Sie entstehen in ihrem New Yorker Atelier in enger Zusammenarbeit mit Tänzerinnen, Choreografinnen, Designern und Musikern. Loher nennt sie «Videoplanets» und «Miniversen». Die kleinformatigen «Miniversen» sind Kugeln, deren Innenseiten bespielt und der Aussenwelt durch Öffnungen erschlossen werden. Die Schaffung ihrer ästhetischen Wunderwelt ist sehr aufwändig.

Diese choreografierten Videoskulpturen stehen Peter Sauerer’s (*1958 in München, Steinmetzlehre, anschliessend Meisterschüler in München, DAAD-Stipendium in Wien, div. Förderpreise, lebt in Walleshausen, Bayern) meist in Holz geschnitzten Miniaturen gegenüber. Er klärt historische Zusammenhänge und schnitzt – sofern die Objekte, Bilder und Themen einer längeren Beschäftigung standhalten – spezielle, sorgsam ausgewählte Vertreter einer Gattung liebevoll nach, bemalt und zerlegt sie sodann, um sie im letzten Schritt der Bearbeitung mit Schnüren wieder zusammen zu nähen. Peter Sauerer erforscht die Welt, indem er sie sich durch die Miniaturisierung und Dekonstruktion aneignet. So liegen oftmals politische Ereignisse und Persönlichkeiten wie ein Puzzle vor ihm oder werden als Miniatur greifbar. Indem er Bekanntes zerlegt und wieder zusammen fügt, vollzieht er den Prozess des Bildnerischen nach, macht sich die Tektonik der Dinge zueigen und offenbart ihre Fragilität.

Zu seiner Werkschau hier im HfK Uri hat sich der deutsche Künstler Peter Sauerer einen «Schweizer Pass» besorgt, der unter anderem neuste Arbeiten mit Schweizer Bezug zeigt.

Kunstschaffende der Ausstellung:
Katja Loher
Peter Sauerer

Im Danioth Pavillon sind die Marionettenfiguren des Urner Krippenspiels inszeniert und schaffen einen formalen und inhaltlichen Bezug zu Katja Lohers und Peter Sauerers Arbeiten.

Das Krippenspiel ist im Kriegswinter 1944 entstanden. Heinrich Danioth (1896–1953) hat die Weihnachtsgeschichte in die heimische Gegend verlegt und verwob sie mit der damaligen politischen Situation. Als Hauptfigur des Geschehens hat er einen Bergler und Wegknecht von Ruchalp gewählt. Der Braune (Hitler) und der Schwarze (Mussolini) treten als Teufelsgehilfen auf, und auf der Flucht vor dem Bösen suchen Fremde eine neue Heimat. Die meisten Privatautos waren lahmgelegt: Treibstoff, Ersatzteile und Geld fehlten. Neue Wagen konnten nicht eingeführt werden, weshalb ein ‹Amerikaner›, wie ihn sich der Wegknecht Joder im Krippenspiel wünscht, Seltenheitswert hatte.

Danioth schrieb das Spiel in Mundart – in Schriftdeutsch nur die Rollen: Gottvater, Engel und (teilweise) Teufel – und konzipierte es in der Urfassung als Marionettentheater, wozu er selber die Bühne entwarf. Die Figuren in Holz schnitt der Urner Bildhauer Eugen Püntener nach seinen Entwürfen, die Kostüme schuf die Künstlerin Erna Schillig.

Katja_Loher_Interplanetary_constellations
Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri - Miniversum 2013; Katja Loher, Interplanetary Constellations
Peter_Sauerer_Phantasien_Madame_Pompadour
Ausstellungsansicht Haus für Kunst Uri - Miniversum 2013, Peter Sauerer, Phantasien Madame Pompadour