wiedemann/mettler

better safe than sorry

Vernissage: Samstag, 14. Juni 2014, 17 Uhr

art-tv: Das Kulturfernsehen im Netz
Portrait HAUS FÜR KUNST URI
Filmbeitrag von Janine Rudolf

Ein Kunsthaus wird zur Arche

In der Nacht vom 24. auf den 25. August 1987 wütete ein schweres Unwetter über dem Gotthardmassiv. Das Hochwasser zerstörte in der Folge Häuser, Strassen, Bahnlinien und Kulturland. Glücklicherweise waren damals keine Menschenleben zu beklagen, jedoch ertranken allein im unteren Reusstal mehr als 900 Nutztiere. Schwere Stürme haben in den vergangenen 30 Jahren nicht nur die Schweiz immer wieder in dichter Folge heimgesucht – im gesamten Alpenraum sind es die enormen Wassermassen, die ein regelmässiges Auftreten von Naturkatastrophen immer wahrscheinlicher werden lassen.

Das Künstlerduo Pascale Wiedemann (*1966) und Daniel Mettler (*1965), wiedemann/mettler, besinnt sich auf die Geschichte der Arche Noah, in der eine Sintflut das Sittenverderbnis der Menschheit «vertilgen» sollte. Doch Noah hatte die Gnade Gottes erfahren und mit dem Bau einer Arche das Menschengeschlecht und die Tierwelt gerettet, so steht es geschrieben im Buch der Genesis.

Unter dem Titel better safe than sorry nehmen wiedemann/mettler dieses Sinnbild auf und inszenieren das Thema Sicherheit in seiner ganzen Ambivalenz. So werden Inszenierung und das In-Szene-Setzen zu wesentlichen Momenten ihres räumlichen und skulpturalen Handelns. wiedemann/mettler bespielen unter anderem mit 160 ausgestopften Tieren aus einer Thurgauer Privatsammlung das ganze Haus für Kunst Uri und den Innenhof.

Bezüge zur Kunstgeschichte (vgl. Appropriation Art) sind bei wiedemann/mettler bewusst gesetzt und werden mit Assoziationen aus dem persönlichen Erleben aufgeladen. Die Gegenstände selbst erscheinen oftmals unheimlich, das Vertraute wird ‒ in Anlehnung an surreale Praktiken ‒ verfremdet, hintergangen, und neue Bedeutungsdimensionen werden den Objekten abgerungen und erschüttern unseren Glauben ins Bestehende.

wiedemann/mettlers Œuvre lässt sich weder einem speziellen Medium noch einem Thema zuordnen. Sie erarbeiten aus den unterschiedlichsten Materialien Skulpturen, Installationen, Objekte und Fotografien – und für ihre erste institutionelle Einzelausstellung im Haus für Kunst Uri ein ganzes Environment.

Barbara Zürcher, aus dem Katalog «better safe than sorry», Scheidegger & Spiess, August 2014

Die Publikation better safe than sorry erscheint Ende August 2014 im Verlag Scheidegger & Spiess.

Der Danioth Pavillon wird in diese Einzelausstellung integriert. Das grossformatige Gemälde Der Traum, 1944, Öl auf Pavatex, 80 x 160 cm von Heinrich Danioth kommt einem Auftakt gleich für die räumlichen Inszenierungen des Künstlerduos wiedemann/mettler.

Arche Noa von wiedemann/mettler, 2007, auf YouTube
Modellbau/Kamera/Schnitt: Janine Rudolf
Ton: Peter Bräker, Darko Linder

Das Künstlerpaaar wiedemann/mettler

Melencolia

Vernissage: Samstag, 8. März 2014, 17 Uhr

MELENCOLIA (nach Albrecht Dürer, Melencolia I, 1514)
Andreas Marti, Hanna Roeckle, Bernard Voïta

art-tv: Das Kulturfernsehen im Netz
Filmbeitrag von Ruth Baettig

Alle drei Kunstschaffenden beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise und mittels verschiedenartiger Materialien mit räumlichen Fragen, die sie ans Bild, ans Objekt und deren Umgebung stellen – sie sind ausgesprochen forschend und analytisch unterwegs.
Symbolisch für Albrecht Dürers inniges Verhältnis zur Mathematik ist sein rätselhafter, vieldiskutierter Kupferstich Melencolia I (1514), der auch als Titel dieser Gruppenausstellung figuriert und der sowohl die Künstlerin als auch die beiden Künstler zu neuen Arbeiten angeregt hat.

Andreas Marti, *1967, lebt und arbeitet in Zürich.
Ausgangspunkt von Andreas Martis Arbeiten bildet sein Interesse für physikalische Phänomene, für Vorgänge der Natur, für mathematische Systeme und damit verbundene Darstellungsformen. Ob monumentale Papierobjekte oder grossflächige Wandarbeiten, ob mehrteilige Installationen oder minutiöse Bleistiftzeichnungen – sie alle basieren konzeptuell auf der Frage, wie abstrakte Sachverhalte in lesbare Zeichen, wie Gedankengebilde in eine erfahrbare Form übersetzt werden können. Er löst einzelne Aspekte, seien es Motive oder Darstellungsweisen, aus ihrem ursprünglichen Kontext, übersetzt sie in neue inhaltliche Zusammenhänge, transformiert sie medial. Es entstehen neue, autonome Konfigurationen.

Hanna Roeckle, *1950 in Vaduz, FL, lebt und arbeitet in Zürich.
Hanna Roeckles Schaffen entwickelt sich aus der Malerei. Das plastisch-räumliche Gepräge ihrer Bilderwelt setzt schon sehr früh ein – nicht im Sinne einer illusionistischen Gegenstandswiedergabe. Vielmehr basieren ihre Arbeiten auf räumlichen Strukturen und Systemen, deren konstruktive Klarheit mit sinnlichen Farbverläufen und Farbkombinationen in einen vielstimmigen Dialog treten. Gezielt bezieht die Künstlerin Themen aus der Geometrie und Physik, aus der Systemtheorie, der Kultur-, Design-, und Architekturgeschichte in ihre Konzepte mit ein.
Ihre Farb- und Formkompositionen, meist auf Birkensperrholz, die ein gewisses Volumen haben, umspielen in immer neuen Variationen modulartig die Wand und den Raum. Hanna Roeckle demonstriert, wie ein Bild oder eine Plastik trotz einer genauen und fassbaren Konstruktion sich verändern können, je nachdem, aus welchem Winkel sie betrachtet werden. Bei aller Klarheit und Strenge ihrer Formensprache haben ihre Bildobjekte und Plastiken etwas Spielerisches.

Bernard Voïta, *1960 in Cully, CH, lebt und arbeitet in Brüssel.
Als Plastiker und nicht mit den herkömmlichen fotografischen Strategien verfolgt Bernard Voïta seine Fotografie. Sie dient bei ihm nicht dazu, eine eigenständige äussere Realität aufzuzeichnen oder durch die Wahl des Ausschnitts und des Motivs eine subjektive Sicht einzubringen. Das Abgebildete reduziert er zu blossem Material. Der Eingriff des Künstlers geschieht vor der Kamera, in der Anordnung von Objekten aller Art – einem kühnen Würfelwurf gleich in die Welt der Dinge. Voïta spielt mit der Kluft, die bei jedem Bild, insbesondere bei der Fotografie, in einer nie behobenen Spannung zwischen Wahrnehmung und Konstruktion besteht. Die Kraft seiner Bilder fasziniert, die gebauten Kompositionen wecken eine beinahe detektivische Neugier.

Der Danioth Pavillon wird in diese Gruppenausstellung integriert, ausnahmsweise ohne Präsentation von Heinrich Danioths Arbeiten, da sich inhaltlich wie formal keine Gemeinsamkeiten zu den drei Positionen finden lassen.

Andreas Marti

Hanna Roeckle

Bernard Voïta

Urner Jahresausstellung 2013

KUNST- UND KULTURSTIFTUNG HEINRICH DANIOTH

Werk- und Förderungsbeiträge 2013
Sonderausstellung: Mariette Merz

Übergabefeier/Vernissage: Samstag, 7. Dezember 2013, 17 Uhr

Vor gut dreissig Jahren vergab das Kuratorium das erste Urner Werkjahr dem Innerschweizer Literaturpreisträger Martin Stadler für den Roman «Bewerbung eines Igels». Im selben Jahr zeichnete die Kunst- und Kulturstiftung Heinrich Danioth auch die diesjährige Innerschweizer Kulturpreisträgerin Maria Zgraggen aus, die am 21. September 2013 ausgezeichnet wurde. Das frühe Fördern von Talenten ist Hauptzweck der Danioth-Stiftung, die seit ihrem Bestehen viel bewirkt hat.

Das Kuratorium entschied, die Jahresausstellungen mit einer Sonderausstellung im angebauten Danioth Pavillion zu ergänzen. Als erste Urner Künstlerin erhielt nun Mariette Merz diesen Raum zugesprochen. Nachdem die Malerin vor Kurzem verstarb, wird Direktorin Barbara Zürcher das Werk der Malerin posthum ausstellen und im Rahmen der Übergabefeier würdigen. Dank dem grosszügigen Entgegenkommen der Dätwyler Stiftung steht der Danioth Pavillion auch künftig für die Jahresausstellung zur Verfügung.

Die Ausstellung wird erstmals über Neujahr verlängert und dauert bis Sonntag, 5. Januar 2014.

Medienmitteilung

Einladungskarte 32. Urner Jahresausstellung

Laudatio von Urs Bugmann

Im Danioth Pavillon

HOMMAGE AN MARIETTE MERZ (1925–2013)

Mariette Merz

Wir zeigen Skizzenbücher, klein- und grossformatige Bilder aus allen Schaffensphasen.

Gleichzeitig besteht die Möglichkeit das Atelier von Mariette Merz zu besuchen und noch mehr Arbeiten zu sichten, vor allem aber die Wirkungsstätte ihrer Inspiration nachzuempfinden.

Flyer mit Daten und Koordinaten

 

TRANSFORMATIONEN: MYTHOS ALTER

Einladungskarte
Pressetext

Eine Gruppenausstellung mit

Seline Baumgartner, Fredie Beckmans, Louise Bourgeois, Heinrich Danioth, Klodin Erb, Christian Flierl, Ursula Hodel, Uwe Karlsen, Beatrice Maritz, Nanne Meyer

Die Zukunft gehört, so scheint es, dem Alter. Jahrzehntelang hatten die westlichen Gesellschaften als wichtigstes Lebensziel die Jugendlichkeit behauptet. Seit einigen Jahren werden die Seniorinnen und Senioren als wachsende Konsumentengruppe entdeckt und umgarnt. In der Schweiz, die im europäischen Kontext keine Ausnahme bildet, dürfte sich der Bevölkerungsanteil der Pensionäre in den nächsten vierzig Jahren nahezu verdoppeln. Die Werbung hat es bereits geschafft, dass wir versuchen «jünger zu leben» und vor allem jung zu bleiben. Wenn es schlecht kommt, haben wir noch einen rosigen Teint, einen fit getrimmten Körper, aber nur noch ein Fünkchen Verstand …
Ein Grund mehr Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern zu präsentieren, die sich mit dem Phänomen Alter, den Transformationen auseinandersetzen. Bewusst zu altern birgt die Chance, sich über sich selbst und das Leben klarer zu werden.

Im Danioth Pavillon zeigen wir kürzlich restaurierte Porträts und Landschaften von Heinrich Danioth, deren Altersspuren sanft beseitigt wurden.

KünstlerInnen

Seline Baumgartner

Fredie Beckmans

Louise Bourgeois

Heinrich Danioth

Klodin Erb

Christian Flierl

Ursula Hodel

Uwe Karlsen

Beatrice Maritz

Nanne Meyer

Die Innerschweizer Kulturstiftung hat
die Urner Künstlerin Maria Zgraggen
mit dem Kulturpreis der Innerschweiz für das Jahr 2013 ausgezeichnet.

Einladung zur Preisübergabe

Peter Regli – DER SCHLAFENDE BAUM

Für die Einzelausstellung «Der Schlafende Baum» entstanden neue Arbeiten aus Stein, Holz, Reinzinn, Holzkohle und Papier für die Innenräume und den Garten.

Peter Regli hat seine Reality Hackings systematisch dokumentiert, man kann sie jederzeit auf www.realityhacking.com abrufen.

art-tv: Das Kulturfernsehen im Netz
Filmbeitrag von Janine Rudolf

Reglis Natur- und Kunstgeschichten

«Der schlafende Baum» – heisst die Ausstellung von Peter Regli im Haus für Kunst Uri, mit der sich der Künstler zum ersten Mal in seinem Heimatkanton präsentiert. Dieser Titel ist zugleich poetisch und ein Versprechen, das der Künstler wörtlich einlöst. Im Innenhof des Museums ruht ein mächtiger Buchenstamm von viereinhalb Metern Länge auf einem Sockel. Der Schlaf aber ist nicht friedlich wie es auf den ersten Blick scheinen könnte: Die blutroten Schnittflächen des Baumes machen aus dem schlafenden ein verwundetes oder gar totes Objekt. Poesie, Schönheit, Gewalt und Tod sind für Regli nahe Verwandte, die er als grosse Themen seiner Kunst zu Beginn der Ausstellung anspielt. Diese sind nicht zufällig gewählt, sondern haben mit den Traditionen der Innerschweiz zu tun, wo die Geschichten der christlichen Religion in Kunstwerke aus Holz und Marmor verwandelt, mit Farben und Gold erzählt werden, und wo die Bildwelten des Katholizismus oft von Schönheit in Gewalt umschlagen.

Aber kehren wir von den Kunstgeschichten zurück zu den Naturgeschichten: In einem der Haupträume der Ausstellung treffen wir auf einen mächtigen Bären mit aufgerichteten Tatzen, den ein professioneller Schnitzer aus einem Stamm gesägt und gehauen hat. Wie der Buchenstamm liegt das Tier hilflos auf dem Boden, aufgebahrt zwischen zwei Säulen. Durch die Verwandlung von rohem Holz in ein Tier und die Inszenierung im Museumsraum entsteht eine sakrale Szene, die an Darstellungen des liegenden, toten Christus in einer der Urner Kirchen erinnert.

Nicht nur Natur wird in der künstlerischen Arbeit von Peter Regli zu Kunst, sondern die natürlichen Materialien selber verwandeln sich: Holz wird durch klassische Köhlertechnik zu Kohle, die der Künstler zu fragilen, tiefschwarzen und abstrakten Gebilden schichtet. Beim physikalischen Prozess des Verkohlens wird bekanntlich Hitze frei, die Metall zum Schmelzen bringt. Für eine weitere Werkgruppe im Haus für Kunst Uri hat Peter Regli Zinn geschmolzen, das er in flüssiger Form auf den Boden giesst und in fantastische Formen verwandelt, die nun in Altdorf als Wolken von den Wänden glitzern oder sich zu einem grandiosen Herz formieren. Die Zinnobjekte leuchten silbrig und golden oder glimmen in stumpfer Metallfarbe von den Wänden, je nach Licht, das auf die flachen Skulpturen fällt.

Regli bezieht sich mit seiner Bilderwelt nicht nur auf die Welt des heimischen Katholizismus: Seine Skulpturen aus weissem Marmor erinnern mehr an heidnische Geister oder fremde Götter als an die Heiligen der Kirchen. Seit mehreren Jahren arbeitet der Künstler in Vietnam mit Steinbildhauern, mit denen er Gruppen von Skulpturen wie Schneemänner oder Buddhas produziert. Ein riesiger Schneemann steht in Altdorf als Türwächter vor dem Kunsthaus, und zwei Schneemänner oder -frauen mit asiatischen Rosettenaugen im Innern zeigen die fröhliche Götterwelt des Peter Regli.

Über dem Urner Kunsthaus schwebt ein grosser Künstlername: Heinrich Danioth. Diesem Maler ist traditionellerweise ein eigener Saal gewidmet, zu dem sich die zeitgenössischen Künstler mit ihren temporären Ausstellungen positionieren. Peter Regli nun wählt eine neue Art der Begegnung mit dem Urner: Er lässt den Danioth-Saal von Theatermalerinnen als ein räumliches Aquarell des Künstlers übergross ausmalen, und von der Decke hängt er vier hölzerne Adlerskulpturen. Diese sind verdreht, in der Mitte auseinander gesägt und verschoben wieder zusammengefügt. In dieser spektakulären Inszenierung treffen metaphorisch zwei Künstlerpersönlichkeiten aufeinander: Peter Regli, der in seiner Jugend der «Adler vom Gotthard» genannt wurde und der Maler Danioth. Wer dann noch einen Blick auf die Titel der ausgestellten Werke von Regli wirft, wird staunen: Allesamt tragen diese Titel von (abwesenden) Kunstwerken von Heinrich Danioth. So heisst beispielsweise eine Holzskulptur «Der Überseer 1940», und ein Schneemann ist «Gitschen 1952».  Mit Witz und selbstbewusst sucht Regli mit seiner Kunst einen ganz ungewohnten Dialog mit dem Urner Meister.

Als Besucherinnen oder Betrachter befinden wir uns in der Ausstellung von Peter Regli in einem eigenwilligen künstlerischen Kosmos, der mit Holz, Marmor, Farbe und Zinn Geschichten über Natur, Globalisierung, Tradition, Religion und vor allem über das abgründig-heitere und subversiv-gefährliche Potential der aktuellen Kunst erzählt. Über der ganzen Ausstellung aber glänzt ein starkes Symbol: Das Herz. Draussen vor der Tür des Kunsthauses flattert es pink als drei Meter grosse Fahne, im Innern des Museums leuchtet es als gleissendes Zinnherz. Kunst braucht Herz, scheint uns Regli zuzurufen, denn bei seiner Kunst geht es immer um grosse Gefühle und um Leben und Tod.

Gabriela Christen, 3. 6. 2013

Einladungskarte
Karte Kunstvermittlung

MINIVERSUM

Katja Loher und Peter Sauerer 

Videoskulpturen treffen auf Holzminiaturen

art-tv: Das Kulturfernsehen im Netz
Filmbeitrag von Julia Martinez

SRF Schweizer Radio und Fernsehen: Reflexe, 9. April 2013
Zeitgenössische Kunst in der Provinz – Das Haus für Kunst Uri
Radiobeitrag von Alice Henkes

SRF Schweizer Radio und Fernsehen: Kulturplattform online
Das Haus für Kunst Uri: Überraschende Kunsterlebnisse in der Provinz
Beitrag von Alice Henkes

Katja Loher (*1979 in Zürich, Ausbildung in Genf und an der Hochschule in Basel, lebt seit 2004 in New York) projiziert ihre Videos auf die Oberfläche von grossen, glatten Globen, die mitten im Raum hängen. Die Künstlerin löst sich vom Monitor und der Black Box, in der Videos auf eine oder mehrere Wände projiziert werden, und inszeniert stattdessen ihre Werke als raumgreifende Videoskulpturen und Videoobjekte. Sie entstehen in ihrem New Yorker Atelier in enger Zusammenarbeit mit Tänzerinnen, Choreografinnen, Designern und Musikern. Loher nennt sie «Videoplanets» und «Miniversen». Die kleinformatigen «Miniversen» sind Kugeln, deren Innenseiten bespielt und der Aussenwelt durch Öffnungen erschlossen werden. Die Schaffung ihrer ästhetischen Wunderwelt ist sehr aufwändig.

Diese choreografierten Videoskulpturen stehen Peter Sauerer’s (*1958 in München, Steinmetzlehre, anschliessend Meisterschüler in München, DAAD-Stipendium in Wien, div. Förderpreise, lebt in Walleshausen, Bayern) meist in Holz geschnitzten Miniaturen gegenüber. Er klärt historische Zusammenhänge und schnitzt – sofern die Objekte, Bilder und Themen einer längeren Beschäftigung standhalten – spezielle, sorgsam ausgewählte Vertreter einer Gattung liebevoll nach, bemalt und zerlegt sie sodann, um sie im letzten Schritt der Bearbeitung mit Schnüren wieder zusammen zu nähen. Peter Sauerer erforscht die Welt, indem er sie sich durch die Miniaturisierung und Dekonstruktion aneignet. So liegen oftmals politische Ereignisse und Persönlichkeiten wie ein Puzzle vor ihm oder werden als Miniatur greifbar. Indem er Bekanntes zerlegt und wieder zusammen fügt, vollzieht er den Prozess des Bildnerischen nach, macht sich die Tektonik der Dinge zueigen und offenbart ihre Fragilität.

Zu seiner Werkschau hier im HfK Uri hat sich der deutsche Künstler Peter Sauerer einen «Schweizer Pass» besorgt, der unter anderem neuste Arbeiten mit Schweizer Bezug zeigt.

Publikation

Mehr zu Katja Loher und Peter Sauerer:

Katja Loher

Peter Sauerer

Karte MINIVERSUM
Karte Kunstvermittlung MINIVERSUM
Pressemitteilung MINIVERSUM

Im Danioth Pavillon sind die Marionettenfiguren des Urner Krippenspiels inszeniert und schaffen einen formalen und inhaltlichen Bezug zu Katja Lohers und Peter Sauerers Arbeiten.

Das Krippenspiel ist im Kriegswinter 1944 entstanden. Heinrich Danioth (1896–1953) hat die Weihnachtsgeschichte in die heimische Gegend verlegt und verwob sie mit der damaligen politischen Situation. Als Hauptfigur des Geschehens hat er einen Bergler und Wegknecht von Ruchalp gewählt. Der Braune (Hitler) und der Schwarze (Mussolini) treten als Teufelsgehilfen auf, und auf der Flucht vor dem Bösen suchen Fremde eine neue Heimat. Die meisten Privatautos waren lahmgelegt: Treibstoff, Ersatzteile und Geld fehlten. Neue Wagen konnten nicht eingeführt werden, weshalb ein ‹Amerikaner›, wie ihn sich der Wegknecht Joder im Krippenspiel wünscht, Seltenheitswert hatte.

Danioth schrieb das Spiel in Mundart – in Schriftdeutsch nur die Rollen: Gottvater, Engel und (teilweise) Teufel – und konzipierte es in der Urfassung als Marionettentheater, wozu er selber die Bühne entwarf. Die Figuren in Holz schnitt der Urner Bildhauer Eugen Püntener nach seinen Entwürfen, die Kostüme schuf die Künstlerin Erna Schillig.

Mehr dazu:

Danioth Pavillon

Urner Jahresausstellung 2012

KUNST- UND KULTURSTIFTUNG HEINRICH DANIOTH

JAHRESAUSSTELLUNG FÜR URNER KÜNSTLERINNEN UND KÜNSTLER

Seit 1982 fördert die Kunst- und Kulturstiftung Heinrich Danioth das Urner Kunstschaffen. Es werden Förderungs-, Projektbeiträge und das sogenannte Urner Werkjahr vergeben und Werkankäufe getätigt. Seit 2000 können sich Urner Künstlerinnen und Künstler alternierend für ein Atelier in New York oder in Berlin bewerben. Diese Atelierstipendien werden im Verbund der Zentralschweizer Kantone vergeben.
Kulturschaffende aus dem Kanton Uri werden auch dieses Jahr für ihre Kunst-, Literatur-, Film- und Musikwerke ausgezeichnet. Mit einer Ausstellung im Haus für Kunst Uri gibt die Stiftung jedes Jahr Einblick in das aktuelle kreative Schaffen. Die Bevökerung ist herzlich zur Übergabefeier mit anschliessendem Apéro eingeladen.

Laudatio von Urs Bugmann

Einladungskarte «31. Jahresausstellung der Kunst- und Kulturstiftung Heinrich Danioth»

ANDRÉ SCHULER
Im Vorraum des Danioth Pavillons erhält die vorjährige Stipendiatin oder der vorjährige Stipendiat des Auslandateliers (New York / Berlin) eine «Carte blanche». Dieses Jahr wird es André Schuler sein, der im Frühling 2012 in Berlin weilte.

André Schuler

HEINRICH DANIOTH
Im grossen Saal des Danioth Pavillons werden Heinrich Danioths Darstellungen von Waffen verlängert.

Heinrich Danioth in der Ausstellung «Bang! Bang! Tatort Kunst»

Buchvernissage, 14. Dezember 2012, 18 Uhr

Stefan Banz
ALDO WALKER: LOGOTYP
Mit Marcel Duchamp und William Copley im Hinterkopf

Herausgegeben von Barbara Zürcher und Jürg Nyffeler
Verlag für moderne Kunst Nürnberg, Kunsthalle Marcel Duchamp Nr. 7

Der grosse Schweizer Konzeptkünstler Aldo Walker (1938-2000) würde nächstes Jahr seinen 75. Geburtstag feiern. 1969 nahm er an Harald Szeemanns Ausstellung When Attitudes Become Form teil, die heute zu den bedeutensten des 20. Jahrhunderts gehört. […] Stil und Stillosigkeit gehen eine neue Verbindung ein und lassen etwas entstehen, was es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben hat.

Publikation

Aldo Walker im Haus für Kunst Uri:
Aldo Walker auf dem Tandem mit …

BANG! BANG! Tatort Kunst

Eine Gruppenausstellung in Zusammenarbeit mit Andréa Holzherr, Kunsthistorikerin, exhibition manager Magnum Photos und Kuratorin, Paris.

art-tv: Das Kulturfernsehen im Netz
Filmbeitrag

Schlitzohren, Gangster, Intrigen, leichte Beute, Kadaver, Mordwaffen … Bang! Bang! Im Lauf der Geschichte hat das Verbrechen in der Gesellschaft immer sowohl Angst als auch Faszination ausgelöst: von Kain und Abel über Shakespeare zu den letzten Schlagzeilen, Verbrechen haben uns immer schon interessiert. Verbrechen und Gewalt sind ein omnipräsentes Thema in der Populärkultur. Ihre Popularität in Literatur, Film, Zeitungen und TV-Programmen zeigt deutlich: Crime sells!

Seltener als im Film und in der Literatur und nicht immer in erzählerischer Form inspiriert das Verbrechen die bildende Kunst. Angeregt vom Geheimnis, vom Einfallsreichtum der Täter, die das Verbrechen und kriminelle Aktivitäten umgeben, befassen sich seit langem namhafte Künstlerinnen und Künstler mit diesem Thema. Die Ausstellung präsentiert Werke internationaler Kunstschaffender, deren Arbeiten mit dokumentarischen oder fiktiven Ansätzen auf Verbrechen oder Tatorte verweisen.
Die Ausstellungsbesucherinnen und Betrachter, verwickelt in den Prozess der Spekulation und Interpretation, werden zugleich Zeuge und Ermittlerin.

Im Danioth Pavillon zeigen wir Heinrich Danioths Darstellungen von Waffen in überraschendem Kontext.

Künstlerinnen und Künstler

Tina Born

Heinrich Danioth

Baptiste Debombourg

Wolfgang Ellenrieder

Philippe Gronon

Crispin Gurholt

Florian Heinke

Patrick Lo Giudice

Annee Olofsson

Philippe Perrin

Joachim Schmid

Veronika Veit

Martina von Meyenburg

Petra Warrass

Brigitte Zieger

Kunst fürs Büro? – Einblicke in die Kunstsammlung des Kantons Uri



art-tv: Das Kulturfernsehen im Netz
Filmbeitrag

In Zusammenarbeit mit Dr. Rolf Aebersold, Staatsarchivar und Betreuer der kantonalen Kunstsammlung Uri

Schon seit Jahrhunderten bewahrt der Kanton Uri Objekte, die dem Alltagsgebrauch aus irgendwelchen Gründen entzogen wurden, auf. Dazu gehören alte Schlachten-Banner und Kanonen, wie auch Siegel-Stempel und Gerätschaften aus dem Verwaltungsgebrauch. Diese Objekte, früher «Staatsaltertümer» genannt, bilden den Ausgangspunkt der heutigen Sammlung. Als Folge früherer hoheitlicher Rechte sind auch – allerdings in beschränkter Anzahl, aber von exklusiver Art – Münzen und Medaillen in die Obhut des Staatsarchivs gelangt. In jüngerer Zeit kamen archäologische Bodenfunde dazu.

Insbesondere nach dem 2. Weltkrieg begann der Regierungsrat ab und zu und dann immer häufiger Kunstwerke von Urner Kunstschaffenden zu erwerben: Werkankäufe verstorbener Künstlerinnen und Künstler aus Privatbesitz, Ankäufe aus dem aktuellen Schaffen an Ausstellungen, in den Ateliers oder an Auktionen. Daraus entstand eine umfangreiche Sammlung von circa 1‘500 Werken bildender Kunst.

Die Sammlung hätte nie den heutigen Umfang erreichen können, wenn nicht grosszügige Schenkungen den Bestand ergänzt hätten. Oft ist die kantonale Kunstsammlung Nutzniesserin, wenn Haushalte aufgelöst werden. Auch der Eingang mehrerer umfangreicher Künstler-Nachlässe hat das Wachstum der Kunstsammlung gefördert.
Auch wenn die Sammlung als Ganzes sehr heterogen zusammengesetzt ist, haben doch alle Arbeiten – mit ganz wenigen Ausnahmen wie Geschenke – einen funktionalen oder inneren Bezug zum Kanton und damit zur Urner Kulturgeschichte.
Des Weiteren ist es ein Anliegen des Staatsarchivars, dass die Exponate möglichst in Verwaltungsräumen, Sitzungszimmern und Büros platziert werden können und eine gewisse Öffentlichkeit erreichen.

Mit dieser Ausstellung, die eine Auswahl von circa 150 Kunstwerken zeigt, wird das Engagement des Kantons Uri für die bildende Kunst gewürdigt.

Der Danioth Pavillon ist in die Ausstellung integriert und überraschende Arbeiten von Heinrich Danioth aus Kantonsbesitz sind in diversen Räumen zu sehen.

Danioth Pavillon: Entwürfe für Urner Trachten-Blusen

Künstlerinnen und Künstler
Konrad Abegg
Lea Achermann
Bruno Altner
Anonymi
Heidi Arnold
Margrit Aschwanden
August Babberger
Franz Bär
Pierino Baldelli
Jürg Benninger
Laimon Berlinger
Uriel Berlinger
Gabriela Bonetti Bär
Edmund Caviezel
Heinrich Danioth
Ferdinand Della Pietra
Hans Dettling
Felix Maria Diogg
Thomas Dittli
Lisa Enderli
Franz Fedier
Charles Gerig
René Gisler
Eduard Gubler
Andreas Hör
Urs Huber
Werner-Caspar Huber
Mary Anne Imhof
Karl Iten
Caspar Käsli-Schulthess
Josua Klän
Adolf Kreuzer
Marianne Kuster-Tresch
Charles L’Éplattenier
Louis Lussmann
Ludwig Lussmann
Beatrice Maritz
Marlène Marty-Epp
Gertrud von Mentlen
Marietta Merz-Haas
Andrea Muheim
Mundy Nussbaumer
Mirjana Prvulovic
Eugen Püntener
Anita Regli
Peter Regli
Gedeon Renner
Hans Sandreuter
Reto Scheiber
Luca Schenardi
Felix Schenker
Erna Schillig
Adriana Stadler
Thomas Stadler
Erwin Steinemann
Ernst Stückelberg
Anton Walker
Johannes Weber
Andreas Wegmann
Hans Beat Wieland
Werner Paul Witschi
Anna-Trix Zgraggen
Maria Zgraggen
Maria Magdalena Z’Graggen

Projekt der Kunstvermittlung zum Thema Sammeln 
Hörstation
Die Dinge sind da, um gefunden zu werden. 
Frei nach Pippi Langstrumpf  


Willy Spiller – Stromschnellen der Freiheit Fotografie und Experimentalfilm

Vernissage: Samstag 10. März, 17 Uhr

Willy Spiller (*1947, Zürich) schliesst 1968 die Fotofachklasse an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich (ZHDK) ab. Anschliessend folgen ausgedehnte Aufenthalte in Mailand und sechs Jahre in New York.
Als Bildjournalist und freischaffender Fotograf arbeitet er seit 45 Jahren im Auftrag von weltweit führenden Zeitungen, Magazinen, Agenturen und für internationale Unternehmen.
Mit eigenständiger, künstlerischer Handschrift und präzisem Blick eines Journalisten dokumentiert er schweizerische und internationale Persönlichkeiten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und gleichermassen die Schweiz – zwischen Dokumentation und Impression.
Sein vielfältiges Wirken umfasst so genannte Kunstfotografie, Bildjournalismus, Unternehmensfotografie und experimentelle Filme. Gerade diese Verschmelzung der Genres ist die grosse Qualität seiner Arbeit. Während vieler Jahre reist Spiller durch die Welt, unterwegs mit Freunden aus Literatur und Kunst.

Der Schriftsteller Paul Nizon schreibt über Willy Spiller:
«Ich habe mich oft gefragt, was Willy Spillers Fotografie so unverblümt und lebensfrisch, so packend erscheinen lässt, noch aus langjährigem Abstand. Ich glaube, es ist ein Gemisch aus schamloser Neugier und schurkischer Komplizität, aber auch brüderlicher Kompassion.
Spiller ist der Inbegriff des Kopfjägers, will sagen, er ist der menschlichen Komödie oder besser Tragikomödie auf der Spur, immer von der Frage geleitet, wie sie es bloss schaffen, sich durchzumogeln und durchzubeissen durch den Jahrmarkt des Lebens (das Jammertal), die Kleinen und Grossen, die Blender und Dulder, die Opfer, die Stars mit den falschen Zähnen, die LEUTE.»

Die Ausstellung im HfK Uri ist die erste umfassende Einzelpräsentation von Willy Spillers Arbeit in einer öffentlichen schweizerischen Institution.
Die Ausstellung gibt Einblick in gesellschaftliche Vorgänge – Wahlen, Feste, Rituale, Demos. Gradmesser ist der Begriff Freiheit. Diese Freiheit – oder ihr Gegenteil – spiegelt sich auch in den Foto-Essays über Auswanderer, Flüchtlinge, Randständige, Künstlerinnen und Künstler. In ihrem lockeren Rhythmus, raschen Wechsel und ihren fragmentarischen Szenen spricht die Ausstellung die Sprache der Gegenwart, zwischen Dokumentation und Impression.

Zur Ausstellung erscheint eine magazinartige Begleitpublikation mit Texten von Daniele Muscionico und Stefan Zweifel.

Begleitmagazin

mehr zu Willy Spiller


DANIOTH PAVILLON:
HEINRICH DANIOTH Schnitzelbankhelgen

10. März bis 20. Mai 2012

Vernissage: Samstag 10. März, 17 Uhr

Im Danioth Pavillon zeigen wir grossformatige, satirisch freche Schnitzelbankhelgen. Heinrich Danioth malte sie im Jahre 1934. An geselligen Abenden oder Generalversammlungen des Alpenklubs wurden zur Unterhaltung Schnitzelbänke aufgeführt, in denen vor allem Vereinsmitglieder aufs Korn genommen wurden.
Die im Danioth Pavillon ausgestellten Helgen aus dem Jahre 1934 waren über drei Generationen hinweg auf einem Dachboden in Altdorf aufbewahrt worden und gingen 2011 an die Kunstsammlung der Dätwyler Stiftung.

Viele Schnitzelbänke schrieb und gestaltete Heinrich Danioth auch für die «Nächstenliebe», deren Mitglied er war und die Anfang letzten Jahrhunderts den Samichlaus und die Fasnacht zu organisieren begannen. Letztere wurde in Altdorf in den zwanziger Jahren zu wesentlichen Teilen von Heinrich Danioth geprägt. Er bezeichnete sie selber als «zauberhaft apokalyptische Tage». Sein angeborener Hang zum Spott und die unbändige Lust zur Satire konnte er während der Fasnacht kreativ ausleben.

Heinrich Danioth – Schnitzelbankhelgen