Blickwechsel: Heinrich Danioth – Maria Zgraggen

H. Danioth, «Margritli», 1948, Öl auf Hartfaserplatte, 65 x 53 cm, Dätwyler Stiftung
H. Danioth, «Margritli», 1948, Öl auf Hartfaserplatte, 65 x 53 cm, Dätwyler Stiftung

Blickwechsel: Heinrich Danioth – Maria Zgraggen

6. Juni bis 30. August 2009

Eröffnung der Ausstellung und des Danioth-Pavillons
Freitag, 5. Juni 2009, 17.30 Uhr

Die unerwartete Konfrontation der Werke von Heinrich Danioth (1896-1953) und Maria ­Zgraggen (1957) scheint gewagt: Was die beiden Kunstschaffenden verbindet, ist immerhin der Umstand, dass beide in Uri geboren und von diesem Mentalitätsraum nachhaltig geprägt wurden. Sie schlugen aber völlig unterschiedliche Laufbahnen ein und verfolgten verschiedenartige künstlerische Intentionen. Zudem liegen Generationen zwischen den beiden: Als Maria Zgraggen geboren wurde, war ­Heinrich Danioth bereits seit vier Jahren tot. Trotzdem: Wir riskieren diesen vehementen und kühnen Blickwechsel, und zwar auf Grund verschiedener Motivationen. Der Blick aufs eine schärft jenen für das andere, die schauende Erkenntnis kann durch den Dialog nur gewinnen oder: Ein Zwiegespräch ist meistens ertragreicher als ein Selbstgespräch.
Die künstlerischen, mentalen und gesellschaftlichen Szenerien, vor denen die beiden Kunst­­schaf­fenden agieren, liegen sehr weit auseinander. Danioth arbeitete während der schwierigen ­Zwischenkriegszeit, und sein Schaffen löste eine bis heute andauernde, höchst diskrepante ­Rezeption aus. Maria Zgraggen agiert Jahrzehnte später im Kontext internationaler Gegenwartskunst und in der Auseinandersetzung mit völlig veränderten Prämissen.
In dieser Ausstellung bewahren zwar beide Œuvres ihre unbedingte Authentizität und Eigenständigkeit. Weder auf diese noch auf jene Seite gibt es die leisesten Anbiederungen. Doch das manchen Vertraute der älteren Kunst mag die Augen öffnen für eine eigenwillige Position der zeitgenössischen Kunst, und umgekehrt befreit die heutige Sichtweise den retrospektiven Blick auf längst Geschaffenes. Die Ausstellung animiert zu überraschenden Blickwechseln – zumal Maria Zgraggen den ­Gemälden, Aquarellen und Holzschnitten von Heinrich Danioth nicht nur ihre Malereien und Zeichnungen gegenüberstellt, sondern ganze Wandflächen und Räume installativ bespielt. Durch die ­Gegenüberstellung der beiden Werkkomplexe entsteht ein hinreissendes, energiegeladenes ­Wechselspiel.

Dank der mäzenatischen Grosszügigkeit von Dr. Max Dätwyler erfährt das Werk von Heinrich Danioth im neu erbauten Danioth-Pavillon eine dauerhafte Würdigung.

Diese Ausstellung wurde kuratiert von Dr. Beat Stutzer, Direktor Bündner Kunstmuseum Chur, und Barbara Zürcher, Direktorin HfK Uri.

Zur Ausstellung erscheinen zwei Publikationen und eine Tonbildschau.

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Heinrich Danioth
Maria Zgraggen

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Filmbeitrag

M. Zgraggen, «Das 1 x 1 der Schichten», 2009, Mixed Media
M. Zgraggen, «Das 1 x 1 der Schichten», 2009, Mixed Media