Hommage an Mariette Merz (1925–2013)

«Irland», undatiert, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm «Lorelei», undatiert, Öl auf Leinwand, 100 x 90 cm «Olivenbaum», undatiert, Öl auf Leinwand, 150 x 180 cm «Provence», undatiert, Öl auf Leinwand, 150 x 180 cm «Weide am See», undatiert, Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm

Angeregt von der ehemaligen Künstlerinnen- und Künstlervereinigung ARTURI zeigen wir zum ersten Mal eine grössere Werkauswahl einer Urner Kunstschaffenden parallel zur Kuratoriumsausstellung. Diese neu geschaffene Plattform verdanken wir einmal mehr der Grosszügigkeit der Dätwyler Stiftung, die den ganzen Danioth Pavillon dafür zur Verfügung stellt.

Die Jury hat diese Werkpräsentation vor einem Jahr der in Flüelen wohnhaften Malerin Mariette Merz zugesprochen. Mariette Metz hat sich über diese Ehrung sehr gefreut. Bis zu ihrem unverhofften Hinschied am 4. April dieses Jahres arbeitete sie unermüdlich in ihrem Atelier voller Schaffensdrang an grossformatigen Bildern.

«In tiefer Erlebnisfähigkeit sucht und verarbeitet Mariette Merz vor allem das Schöne – ohne gefällig zu werden – das Schöne, Einfache, Echte, das beseelt ist von Lebenskraft und positiven Energien. Die Vielfalt der Natur, Lichtstimmungen in der Landschaft, Fundobjekte oder das eigene Umfeld sind ihre zentralen Motive. Mariette Merz hat die Begabung, sich einer Gartenstimmung oder einer mediterranen Landschaft völlig hinzugeben, sie empfindungsmässig zu durchdringen, auf das Wesentliche zu reduzieren und in ihrer offenen Wahrnehmung auf die Leinwand umzusetzen. In ihrer eigenständigen, disziplinierten Malpassion gehört auch das spielerische Element zu ihrem feinen Sensorium. Ob mit Kreide, Naturpigment, Acryl- oder Ölfarben entwickelt sich ein Bild selbstvergessen in einer Eigendynamik zum meditativen Farbenfest.» (Kurt Gisler)

Wir zeigen Skizzenbücher, klein- und grossformatige Bilder aus allen Schaffensphasen.

Gleichzeitig besteht die Möglichkeit das Atelier von Mariette Merz in Flüelen zu besuchen und noch mehr Arbeiten zu sichten, vor allem aber die Wirkungsstätte ihrer Inspiration nachzuempfinden.


Open Atelier Mariette Merz, Seestrasse 27, 6454 Flüelen
Sonntag, 8. Dezember, Samstag 14. Dezember und Sonntag 15. Dezember 2013, jeweils von 11 bis 18 Uhr

Flyer Mariette Merz

Sommerausstellung 2012

Der Danioth Pavillon ist in die Ausstellung
KUNST FÜRS BÜRO?
Einblicke in die Kunstsammlung des Kantons Uri
integriert.

Überraschende Arbeiten von Heinrich Danioth aus Kantonsbesitz sind in diversen Räumen zu sehen.

Unter anderem Entwürfe für Urner Trachten-Blusen, ausgeführte Trachten und Stickereien auf Baumwolle.

«Um 1930 lernten Emil (Betreiber des Steinbruchs in Seedorf-Bolzbach) und Greta Knüsli-Suter Heinrich Danioth kennen und seine Malerei schätzen. Da es Heinrich Danioth finanziell offenbar nicht gut ging, soll Mutter Greta Knüsli zusammen mit Heinrich Danioth nach Wegen für neue Einnahmequelle gesucht haben. Sie entwickelten in der zweiten Hälfte der Dreissigerjahre gemeinsam den Plan, Urnerblusen mit neuen Formelementen zu fabrizieren. Sie wollten damit auch den Weg zu einem neuen Kunstverständnis öffnen. Weit über Entwürfe auf Papier und in Textil hinaus gelang das Unternehmen jedoch nicht. Die moderne Formensprache soll beim Zürcher Heimatwerk (und damit bei der 1926 gegründeten Schweizerischen Trachtenvereinigung) auf entschiedenen Widerstand gestossen sein, und der vermeintliche Absatz an Touristen blieb auch aus, nicht zuletzt der politischen Entwicklung, aber auch des hohen Preises wegen.»
Auszug aus «Heinrich Danioth und die Urner Trachtenstickerei » von Dr. Rolf Aebersold, Urner Wochenblatt, 19. 6. 1999 

Heinrich Danioth – Schnitzelbankhelgen

Am 24. April 1881 versammelten sich im Gasthaus Kreuz in Amsteg 30 Männer aus dem unteren und oberen Teil des Kantons Uri auf Einladung von Regierungsrat Heinrich Walker aus Wassen, einziges Mitglied aus Uri in der 1864 gegründeten SAC-Sektion Pilatus. An diesem Anlass wurde die SAC-Sektion Gotthard formell gegründet.

Heinrich Danioth malte für die SAC-Sektion Gotthard Schnitzelbankhelgen, die an Generalversammlungen und anderen Vereinsabenden zum Einsatz kamen. Später übernahm W. Meyer diese Aufgabe. Dies bedeutete für Heinrich Danioth auch eine Entlastung. Denn er wurde oft für die Gestaltung von Geburtsanzeigen und Hochzeitskarten, für Schnitzelbänke, satirische Beiträge und so weiter angefragt. Finanziell brachte das wenig bis nichts ein, es abzulehnen fiel ihm schwer, hielt ihn aber von seiner eigenen Arbeit ab.
 

«Die eigentlichen Wurzeln von Heinrich Danioths Schaffen als Satiriker liegen in der Altdorfer Fasnacht und in der Gesellschaft der «Nächstenliebe». Dies war ein Verein lediger Burschen; wer heiratete wurde zum Ehrenmitglied «degradiert». Der Verein wurde im Jahre 1900 gegründet, in einer Zeit, wo sich in Altdorf die politischen Parteien in leidenschaftlicher und höchst ungemütlicher Weise bekämpften. Seine ersten Mitglieder waren ein paar junge Leute, die sich ihre Jugend nicht mit gehässiger Politik verderben wollten und gelobten, sich möglichst von der Politik fernzuhalten und friedlichere Dinge in der Gemeinde zu fördern. Sie gaben sich deshalb den bezeichnenden Namen «Nächstenliebe». Dieser Verein entwickelte sich mit der Zeit zu einer Institution, die dem Altdorfer Dorfleben vor allem auf kulturellem Gebiet immer wieder wesentliche Impulse gab. Ab 1911 wurden einige Altdorfer Kinder durch die Nächstenliebe-Mitglieder, die als Sankt Niklaus mit Schmutzli von Haus zu Haus zogen, beschenkt, eine Tradition, die sich immer mehr festigte und allmählich auf das ganze Dorf ausdehnte. Die «Nächstenliebe» griff ab 1920 auch aktiv ins Altdorfer Fasnachtsleben ein. Diese Tätigkeit wurde bald zu ihrem eigentlichen Hauptzweck. Am 14. Januar 1924 wurde Heinrich Danioth Mitglied der «Nächstenliebe». 1926/27 war er ihr Präsident. Am 18. April 1931 heiratete er Hedy Weber und wurde dadurch statutengemäss zum Ehrenmitglied degradiert.

Am 28. Februar 1924 produzierte die «Nächstenliebe» ihre erste bewegliche Schnitzelbank, und am 4. März desselben Jahres erschien ihre erste Fasnachtszeitung unter dem Titel «Grosse Pauke», die von den Mitgliedern Heinrich Danioth und Berti Huber redigiert worden war.

Während Jahren entstanden so Schnitzelbänke, Fasnachtszeitungen und Fasnachtswagen. Unter Heinrich Danioth entwickelte sich die Altdorfer Fasnacht aus einer harmlosen Volksbelustigung zu einem Ereignis voll geistreichen Spottes und bissiger Satire mit hohem künstlerischem Niveau. Die Fasnachtszeitungen gestaltete er zu wahren Kunstwerken aus, versah die eigenen Verse mit Holzschnitt-Illustrationen. Alles, was ihn bewegte und was sich im Laufe eines Jahres angestaut hatte, konnte sich jeweils darin entladen. Der Federhalter wurde zur Waffe des Geistes, mit der er gegen seine «lieben Mitbürger» und Zeitgenossen in den Kampf zog. Was er hier auf lokaler Ebene «erprobte», war eine wichtige Vorstufe für seine spätere Mitarbeit am «Nebelspalter», wo er auf gesamtschweizerischer Ebene ätzende Kritik an fragwürdigen Zuständen üben konnte.

Dabei ist es interessant zu beobachten, dass es für Danioth selber diese Unterteilung in «lokal» und «gesamtschweizerisch» kaum gab. Da er in beiden Bereichen das «Menschliche» oder besser gesagt das «Allzu-Menschliche» anvisierte, waren die Übergänge sehr fliessend.»

Karl Iten in «Die Erdrosselung der freien Muse – Der satirische Danioth»

Das satirische Werk Heinrich Danioths

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