Marie-Theres Amici

Berg

Gotthard, Grimsel, Susten, Furka, Churfirsten, kleine Scheidegg …

Zuerst der Verlust aller Orientierung vor riesigen Steingebilden.

Dann suche ich mitten in der Eigernordwand einen Ort, wo sich das Auge halten kann. Dort finde ich  Schrunden, Felsvorsprünge, Eisfelder, Verwerfungen, Hebungen, Senkungen, Geröllhalden – mit langem Hinschauen wird der Berg „organisch“, ein geschlossenes Ganzes, der innere Bau wird sichtbar und ich verstehe Dynamik, gestaltende Kräfte, die gewirkt haben, um die Gesteinsmassen zu gliedern.

Licht und Schatten im wechselnden Sonnenstand erschweren und erleichtern das Schauen. Frühmorgens fast blind im Gegenlicht, habe ich am Nachmittag ein dramatisches Spiel der Gesteinsskulpturen vor Augen. Die Zeichnung folgt den Veränderungen.

Plötzliche Wetterumbrüche lassen das ganze Unternehmen kippen, mit den aufgetürmten Wolken kommt böiger Wind auf, Regen. Der Nebel jagt über meine Schultern hinweg auf die Wand zu und bleibt dort in der riesigen Felsmulde hängen, dreht um sich selbst, dann wird es stundenlang so bleiben, die Sicht verstellt.

Solches erinnernd enstehen im Atelier die Nebelbilder: Der Berg verschwindet, taucht wieder stückweise auf, Ahnung, Schwindel, Geheimnis. Nebel hüllt das Erkennbare ein, die Fantasie erschafft es wieder.

Auch „Wasser“, „Wasserfall“ sind Bergerinnerung. Dem Auge gelingt es kaum, für einen Sekundenbruchteil die Sprudel, das Aufspritzen, die Wirbel anzuhalten, um mit dem Bleistift zu erfassen, zu formen.

Auf der Leinwand im Atelier dann die Imagination, Farbe wird zu Gischt, zum Tosen der in den Bergen erlebten Wasser.

Marie-Theres Amici, Paris im Dezember 2009

Marie-Theres Amici

1943 geboren in Neuenkirch
1965/66 Schule für Gestaltung Basel
1966/67 Aufenthalt in Rom
1968-1970 Schule für Gestaltung Luzern, Diplom
1974/75 Jan Matejko Academy of Fine Arts, Krakau
1975/76 Aufenthalt in Mexiko, Peru
2006 Aufenthalt in London
2009 Aufenthalt in Paris
2010 Aufenthalt in Venedig
lebt und arbeitet in Luzern
Malerei, Zeichnung

Preise und Stipendien
1974/75 Krakau, Stipendium Jan Matejko Academy of Fine Arts
1994 Unterwaldner Preis für Bildende Kunst
1995 Anerkennungspreis der Stadt Luzern
2001 Preis für Malerei des Kantons Solothurn
2006 Stipendium der Zuger Kulturstiftung Landis&Gyr, Werksemester in London
2008 Stiftung Dr. R. u. L. Thyll-Dürr, Arbeitsaufenthalt Elba
2009 Stiftung Atelier, Cité Internationale des Arts, Paris
2010 Forbergstiftung, Atelier Castelforte Venedig

Einzelausstellungen (Auswahl)
2010 Bois de Boulogne, Radiostudio Basel DRS2 Kultur und Wissen
2008 Helle Nächte, Galerie edition & poesie  susanna rüegg, Zürich
2008 Kunst in der EFG-Bank, Zürich
2006 Gezeichnet,  Museum im Bellpark, Kriens
2004 Museum Chasa Jaura, Valchava
2003 Kunstmuseum Solothurn
2001 Gemeindegalerie Benzeholz, Meggen
2000 Marie-Theres Amici, Malerei/ Rudolf Blättler, Skulptur, Galerie Studio 10, Chur
2000 Malerei, Zeichnung, Galerie Hofmatt, Sarnen

Gruppenausstellungen (Auswahl)
2010 Berge versetzen …, Haus für Kunst, Uri
2009 Choices, kuratiert von Konrad Tobler, Galerie Rigassi, Bern (mit Jürg Grünig u. Gregorio Pedroli)
2008/09 Jahresausstellung Kunstmuseum Solothurn
Jahresausstellung Kunstmuseum Luzern
2008/09 impression, Jahresausstellung für Druckgrafik, Kunsthaus Grenchen
2007 Ein Blick Kunst, Haus der Kunst St. Josef, Solothurn
2006 kunst raum kirche, Reformierte Kirche , Kriegstetten
2005 Les yeux grands ouverts et les paupières fermées, Université de Haute Alsace, Mulhouse
2003 Luzerner Künstler in Cieszyn, Galerie Szara, Cieszyn, Polen
2003 MINIFESTO, Linc Real Art, San Francisco
2002 5 vor 12, Chambres de Résistance, Stans
2001 LICHT FELD 1 Bühne für Kunst Kommunikation“, Basel

www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx
www.kunst-forum.ch/profil/person/marie-theres-amici/
www.hausfuerkunsturi.ch/allgemeines/berge-versetzen/