Willy Spiller – Stromschnellen der Freiheit Fotografie und Experimentalfilm

Willy Spiller, Quaibrücke Zürich, 1968

Frühlingsausstellung

10. März bis 20. Mai 2012

Willy Spiller (*1947, Zürich) schliesst 1968 die Fotofachklasse an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich (ZHDK) ab. Anschliessend folgen ausgedehnte Aufenthalte in Mailand und sechs Jahre in New York. Als Bildjournalist und freischaffender Fotograf arbeitet er seit 45 Jahren im Auftrag von weltweit führenden Zeitungen, Magazinen, Agenturen und für internationale Unternehmen. Mit eigenständiger, künstlerischer Handschrift und präzisem Blick eines Journalisten dokumentiert er schweizerische und internationale Persönlichkeiten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und gleichermassen die Schweiz – zwischen Dokumentation und Impression. Sein vielfältiges Wirken umfasst so genannte Kunstfotografie, Bildjournalismus, Unternehmensfotografie und experimentelle Filme. Gerade diese Verschmelzung der Genres ist die grosse Qualität seiner Arbeit. Während vieler Jahre reist Spiller durch die Welt, unterwegs mit Freunden aus Literatur und Kunst.

Der Schriftsteller Paul Nizon schreibt über Willy Spiller:
«Ich habe mich oft gefragt, was Willy Spillers Fotografie so unverblümt und lebensfrisch, so packend erscheinen lässt, noch aus langjährigem Abstand. Ich glaube, es ist ein Gemisch aus schamloser Neugier und schurkischer Komplizität, aber auch brüderlicher Kompassion. Spiller ist der Inbegriff des Kopfjägers, will sagen, er ist der menschlichen Komödie oder besser Tragikomödie auf der Spur, immer von der Frage geleitet, wie sie es bloss schaffen, sich durchzumogeln und durchzubeissen durch den Jahrmarkt des Lebens (das Jammertal), die Kleinen und Grossen, die Blender und Dulder, die Opfer, die Stars mit den falschen Zähnen, die LEUTE.»

Die Ausstellung im HfK Uri ist die erste umfassende Einzelpräsentation von Willy Spillers Arbeit in einer öffentlichen schweizerischen Institution. Die Ausstellung gibt Einblick in gesellschaftliche Vorgänge – Wahlen, Feste, Rituale, Demos. Gradmesser ist der Begriff Freiheit. Diese Freiheit – oder ihr Gegenteil – spiegelt sich auch in den Foto-Essays über Auswanderer, Flüchtlinge, Randständige, Künstlerinnen und Künstler. In ihrem lockeren Rhythmus, raschen Wechsel und ihren fragmentarischen Szenen spricht die Ausstellung die Sprache der Gegenwart, zwischen Dokumentation und Impression.

Zur Ausstellung erscheint eine magazinartige Begleitpublikation mit Texten von Daniele Muscionico und Stefan Zweifel.

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DANIOTH PAVILLON: HEINRICH DANIOTH Schnitzelbankhelgen

Im Danioth Pavillon zeigen wir grossformatige, satirisch freche Schnitzelbankhelgen. Heinrich Danioth malte sie im Jahre 1934. An geselligen Abenden oder Generalversammlungen des Alpenklubs wurden zur Unterhaltung Schnitzelbänke aufgeführt, in denen vor allem Vereinsmitglieder aufs Korn genommen wurden.
Die im Danioth Pavillon ausgestellten Helgen aus dem Jahre 1934 waren über drei Generationen hinweg auf einem Dachboden in Altdorf aufbewahrt worden und gingen 2011 an die Kunstsammlung der Dätwyler Stiftung.

Viele Schnitzelbänke schrieb und gestaltete Heinrich Danioth auch für die «Nächstenliebe», deren Mitglied er war und die Anfang letzten Jahrhunderts den Samichlaus und die Fasnacht zu organisieren begannen. Letztere wurde in Altdorf in den zwanziger Jahren zu wesentlichen Teilen von Heinrich Danioth geprägt. Er bezeichnete sie selber als «zauberhaft apokalyptische Tage». Sein angeborener Hang zum Spott und die unbändige Lust zur Satire konnte er während der Fasnacht kreativ ausleben.

Heinrich Danioth – Schnitzelbankhelgen