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Zerschossene Auto-Türe Alfa Romeo Giulia, 1970; Courtesy: Galerie Römerapotheke, Zürich
«Lupara Bianca», 2006, Sarg mit Kerzenständern in Wachs; Courtesy: Galerie Römerapotheke, Zürich
«Il Bacio», 2007, Encaustik auf Holz in Eisenrahmen, nach einer Fotografie von Franco Zecchin, 58 x 39 cm; Courtesy: Galerie Römerapotheke, Zürich
«Blutcode», 2008, Encaustik auf Holz in Eisenrahmen, nach einer Fotografie von Franco Zecchin, 64 x 96 cm; Courtesy: Galerie Römerapotheke, Zürich

Patrick Lo Giudice

 

Bekannt geworden ist der Künstler mit einem umfangreichen Zyklus, der unter dem Namen Lo Giudice Code firmiert. Es ist ein denkwürdiges Album grösserer und kleinerer Bilder, die in einer eigens entwickelten Enkaustik-Technik fotografisches Material verarbeiten, das die Lebens- und Todesspuren süditalienischer Mafia-Organisationen dokumentiert. Schauplatz ist vor allem Sizilien, wo Patrick Lo Giudice in den frühen siebziger Jahren lebte, in Graniti, einem kleinen Ort in der Nähe von Taormina. Jugendjahre in einem politisch wachen, kritischen Elternhaus, inmitten einer archaisch versteinerten Welt. Der Jugendliche wird Zeuge der allgegenwärtigen Gewalt, wächst heran, wo die Schüsse nicht zum Kinosound gehören, sieht die zerborstenen Scheiben, die blutigen Rinnsale auf der Strasse. Cosa Nostra, es ist auch seine Sache, ob er will oder nicht.

Patrick Lo Giudice verbirgt, was ihn angeht. Ob es Wunden gab, ob Narben geblieben sind, er verrät es nicht. Zumindest im Bild. Die Fotografien, die die Arbeiten motivisch grundieren, hat er nicht selber «geschossen», nicht selber gesammelt. Sie sind alle aus zweiter Hand. Es sind berühmte Aufnahmen, meist von Letizia Battaglia, Franco Zecchin oder Fausto Giaccone. Sie sind die Reporter, die aufdecken. Lo Giudice ist der Künstler, der zudeckt.

Tatsächlich hat die Technik der Enkaustik etwas Versiegelndes. Patrick Lo Giudice hat nach einigem Experimentieren gelernt, das fotografische Bild so in die Wachshaut einzuschliessen, dass es sich mit ihr vollständig verbindet und zugleich in der zäh lasierenden Masse wie das Insekt im Bernstein zu schweben scheint.

Im Effekt schwanken die Bilder zwischen Erscheinen und Verschwinden.

Hans Joachim Müller in «Patrick Lo Giudice, Blutrot in Wachs»

 

Patrick Lo Giudice, 1959 in Zürich geboren, lebt in Zürich und arbeitet in Niederurnen.

Einzel- und Gruppenausstellungen (Auswahl): 2011, One-Artist-Show Art Karlsruhe; AFRICA Koller Auktionen Zürich. 2010, Blutrot in Wachs Galerie von Braunbehrens München. 2009, Retrospektive, Haus Mariasee, Weesen; Art Fair 21 Galerie Schriever, Köln. 2008, Lo Giudice Code, Galerie Schriever, Köln. 2006, Mafia (Cosa Nostra), Galerie Andy Jllien, Zürich.

 

 

 

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