Home: Haus für Kunst Uri - Danioth Pavillon

Heinrich Danioth, «Atelier», 1947, Öl auf grober Leinwand, 74 x 62 cm; Dätwyler Stiftung

Ferdinand Hodler, «Genfersee mit Salève und Montblanc-Kette im Hintergrund», 1918, Öl auf Leinwand, 61 x 80.5 cm; Kunstmuseum Luzern, Eigentum der Eidgenossenschaft, Gottfried Keller-Stiftung, Bern; Foto: Andri Stadler, Kunstmuseum Luzern

Ferdinand Hodler, «Genfersee mit Savoyerbergen», 1907, Öl auf Leinwand, 36 x 49 cm; Bündner Kunstmuseum Chur

Giovanni Giacometti, «Mare di nebbia (Nebelmeer)», 1921, Öl auf Leinwand, 87 x 90 cm; Bündner Kunstmuseum Chur, Depositum aus Privatbesitz (2014)

Heinrich Danioth, «Göscheneralp», 1920, Öl auf Leinwand, 70 x 56 cm; Dätwyler Stiftung

Cuno Amiet, «Mädchen in Blumen», 1900, Öl auf Leinwand, 46.5 x 32 cm; Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, Winterthur; Foto: SIK-ISEA (Philipp Hitz)

Heinrich Danioth, «Mädchenkopf mit roter Kapuze», 1947, Öl auf Pavatex, 39 x 32 cm; Dätwyler Stiftung

Heinrich Danioth, «Selbstporträt», 1945, Bleistift und Kohle auf Papier, 38 x 30 cm; Dätwyler Stiftung

Ferdinand Hodler, «Das Breithorn», um 1911, Öl auf Leinwand, 67 x 89 cm; Kunstmuseum Luzern, Depositum der Bernhard Eglin-Stiftung; Foto: Andri Stadler, Kunstmuseum Luzern

Heinrich Danioth, «Gitschen», 1944, Öl auf Leinwand, 63 x 76 cm; Dätwyler Stiftung

HEINRICH DAINIOTH und Weggefährten

7. März bis 17. Mai 2015

 

 

Heinrich Danioth

 

und Cuno Amiet, Giovanni Giacometti, Ferdinand Hodler, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Varlin

 

mit zeitgenössischen Installationen von Heidi Arnold und Andreas Wegmann

 

 

Vernissage: 7. März 2015, 17 Uhr

 

 

Die Ausstellung Heinrich Danioth und Weggefährten möchte den Urner Künstler Heinrich Danioth (1896–1953) aus den heimatlichen Grenzen hinaustreten lassen und in einem ihm gebührenden grösseren Kontext zeigen. Der Künstler hat sich nie als Heimatmaler verstanden, doch haftet an ihm dieses Etikett bis heute. Die Ausstellung soll den Versuch wagen, einzelne Aspekte seines Schaffens in einen nationalen Zusammenhang zu stellen und mit Arbeiten anderer Künstler wie Cuno Amiet, Giovanni Giacometti, Ferdinand Hodler, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde und Varlin zu vergleichen. Sein vielfältiges Werk wird in überraschenden Gegenüberstellungen im ganzen HfK Uri und im Danioth Pavillon ausgestellt.

 

Persönlich sind sich Heinrich Danioth und die für diese Ausstellung ausgewählten Weggefährten vermutlich nie begegnet. Das einzige, was wir über eine Beziehung, wenn man das überhaupt so nennen darf, wissen, ist, dass sich Danioth in seinen Tagebüchern bewundernd zu Ferdinand Hodlers Arbeiten geäussert hat. Heinrich Danioth war sehr belesen, besass eine grosse Bibliothek an Ausstellungskatalogen, Kunstbüchern und Zeitschriften ­– unter anderem ein Abonnement der Kulturzeitschrift «du» –, die ihn über das aktuelle Kunstschaffen seiner Kolleginnen und Kollegen informiert hat.

 

So kann es in dieser Gruppenausstellung also nicht darum gehen, eine Beziehung zwischen den Malern zu konstruieren, die so nie bestanden hat. Die Gründe für eine gemeinsame Präsentation liegen auf anderen Ebenen. Es geht um das Offenlegen eines Zeitgeistes, respektive von verwandten oder ähnlichen bildnerischen Problemen und Themen, die sich zwar in der Sprache, in der sie sich ausdrücken, mehr oder weniger stark unterscheiden, jedoch in dem, was sie formulieren, in ihrem Gehalt durchaus vergleichen lassen, trotz aller Unterschiedlichkeit ihrer Karrieren.

 

So soll also durch die gleichzeitige Präsentation dieser Werke zwar auf Gemeinsames in den künstlerischen Absichten hingewiesen werden, die jeweilige Eigenständigkeit der Künstler jedoch gewahrt bleiben und keinesfalls in Frage gestellt werden.

 

Die beiden zeitgenössischen Positionen schaffen Bezüge zur Gegenwart. Heidi Arnold nimmt mit einer zweiteiligen Installation den Dialog auf, Andreas Wegmann schafft seinen Bezug mit einer Klangskulptur, die er auch bespielen kann.

 

Heidi Arnold

 

Andreas Wegmann

 

Heinrich Danioth

 

DANIOTH – der Teufelsmaler

Ein Film von Felice Zenoni 

 

Cuno Amiet
* 1868 Solothurn, † 1961 Oschwand (Seeberg BE)

1888 Studium an der Akademie München. Dort Bekanntschaft mit Giovanni Giacometti. Mit ihm nach Paris, wo er an der Académie Julian weiterstudierte, an der Seite von Pierre Bonnard, Édouard Vuillard u.a. Bekanntschaft mit Félix Vallotton und Mitglied der Nabis. 1892–1893 Aufenthalt in Pont-Aven. 1893 erste Begegnung mit Ferdinand Hodler, 1896 mit Giovanni Segantini. 1898 Heirat mit Anna Luder und Umzug auf die Oschwand bei Seeberg (BE). Das Paar blieb kinderlos und zog fremde Kinder auf, z.B. Bruno Hesse, den ältesten Sohn von Hermann Hesse. Mitglied der deutschen Künstlergruppe «Brücke». 1931 verlor er einen grossen Teil seines Werks infolge eines Brandes. 1953 Tod der Ehefrau Anna.

 

Giovanni Giacometti

* 1868 Stampa, † 1933 Glion (bei Montreux)

1886–1887 Studium an der Kunstgewerbeschule München. 1888–1891 an der Académie Julian in Paris, zusammen mit Cuno Amiet, mit dem er eine lebenslange Freundschaft pflegt. 1891 Rückkehr nach Graubünden. 1894 prägende Bekanntschaft mit Giovanni Segantini, der ihn fördert. 1900 Heirat mit Annetta Stampa. Vier Kinder: Alberto, Diego, Ottilia, Bruno. 1908 Ausstellungseinladung der Künstler der «Brücke» nach Dresden. Es folgen Ausstellungen in Köln, Zürich Basel und Bern.

 

Ferdinand Hodler

* 1853 Bern, † 1918 Genf

1868 Lehre beim Vedutenmaler Ferdinand Sommer in Thun. Ab 1872 in Genf. 1873 Schüler bei Barthélemy Menn. 1877 in Paris, anschliessend in Spanien. 1881 Atelier in Genf. 1887 erste Einzelausstellung (Kunstmuseum Bern). 1897 1. Preis beim Wettbewerb für die Fresken des Waffensaals im Landesmuseum; heftiger Kunststreit. 1904 internationaler Durchbruch und materieller Aufstieg. 1914 unterschrieb er ein Manifest gegen die Beschiessung der Kathedrale von Reims durch deutsche Truppen und wurde aus allen deutschen Künstlerverbänden ausgeschlossen. 1915 Tod seiner Geliebten Valentine Godé-Darel; Bilderzyklus. 1917 grosse Retrospektive im Kunsthaus Zürich.

 

Ernst Ludwig Kirchner

* 1880 Aschaffenburg, † 1938 Davos

1901–1905 Architekturstudium in Dresden. Mit Erich Heckel, Fritz Bleyl und Karl Schmidt-Rottluff – allesamt Autodidakten wie er selbst – Gründung der Künstlergruppe «Brücke», der sich 1906 auch Max Pechstein, Cuno Amiet und Ernst Nolde anschlossen. 1911 Umzug nach Berlin. 1912 Bekanntschaft mit Erna Schilling, seiner künftigen Lebensgefährtin. 1913 Austritt aus der «Brücke». 1915 Kriegsdienst und nervlicher Zusammenbruch; Morphinsucht. 1917 Umzug nach Davos. 1937 Entfernung und Beschlagnahmung seiner als «entartet» taxierten Werke aus den deutschen Museen. 1938 Freitod.

 

Emil Nolde (Hans Emil Hansen)

* 1867 Buhrkall, † 1956 Seebüll 

1884–1888 Ausbildung als Schnitzer und Zeichner in Flensburg. 1892–1898 Zeichenlehrer in St. Gallen. 1899 kurz an der Académie Julian in Paris. 1902 Heirat mit der Schauspielerin Ada Vilstrup. 1906–1907 Mitglied der «Brücke»; Begegnung mit Edvard Munch. 1913–1914 Reise in die Südsee. Ab 1926 Atelierhaus in Seebüll (Schleswig). Ab 1934 Mitglied der NSDAP und «Kampf gegen die Überfremdung der deutschen Kunst». 1937 wurden seine Werke als «entartete Kunst» diffamiert. 1941 Berufsverbot. 1946 Tod der Ehefrau Ada. 1948 Heirat mit Jolanthe Erdmann.

 

Varlin (Willy Guggenheim)

* 1900 Zürich, † 1977 Bondo 

1918–1919 Lehre als Lithograph in St. Gallen. 1919–1921 Kunstgewerbeschule St. Gallen. 1921–1923 in Deutschland, vor allem in Berlin. 1923–1932 in Paris, an der Académie Julian, an der Académie A. Lhote und an der Grande Chaumière. 1930 Annahme des Pseudonyms Varlin. 1932 Rückkehr in die Schweiz. Freundschaft mit Hans Aeschbacher, Karl Geiser, Friedrich Kuhn, Hugo Loetscher, Friedrich Dürrenmatt u.a. 1951 Ausstellung im Kunstmuseum Luzern, zusammen mit Max Gubler. 1960 grosse Ausstellung im Kunsthaus Zürich; Biennale von Venedig. 1963 Heirat mit Franca Giovanoli; das Bergeller Dorf Bondo wird bevorzugter Wohnsitz. 1966 Geburt der Tochter Patrizia. 1967 Kunstpreis der Stadt Zürich und grosse Ausstellung in der Kunsthalle Basel.