Home: Haus für Kunst Uri - Danioth Pavillon
Heinrich Danioth, fotografiert um 1946
«Gitschen», 1944, Öl auf Leinwand, 63 x 76 cm; Dätwyler Stiftung
«Bergwald», 1944, Aquarell auf Papier, 29 x 53.5 cm
Familie Danioth, Cilli, Heinrich, Albin, Hedi, Madeleine
«Urner Bauernfamilie», 1939, Öl auf Leinwand, 120 x 110 cm; Dätwyler Stiftung
Brief an Doktor Rynert, 24.12.1927
Golzern-Tagebuch, Sommer 1918
«Hirtin», 1921, Öl auf Leinwand, 109.6 x 69.6 cm
«Franziskus und der Fuchs», 1917, Öl auf Pavatex, 45 x 36 cm; Dätwyler Stiftung
«Bärenjagd», 1953, Öl auf Leinwand, 105 x 150 cm; Kunstmuseum Luzern

Heinrich Danioth (1896–1953)

 

 

Heinrich Danioth: Sein Denken und sein Werk sind immer wieder auf fatale Weise missverstanden worden. Als Künstler der gemässigten Moderne laviert sein Œuvre zwischen kühner Fortschrittlichkeit und harmonischer Idylle. Danioth ist zu gleichen Teilen ein visionärer Künstler und einer, der sich auf Vergangenes, auf Sagen und mythische Weltbilder bezieht.

 

Wie die meisten Schweizer Künstler seiner Generation hat sich auch Danioth auf seine engere Heimat zurückbesonnen. Gegen das Etikett des Urner Heimatmalers hat er sich zu Recht zur Wehr gesetzt.

 

«Man hat mich eigentümlicherweise zum Heimatmaler gestempelt, und doch möchte ich alles andere sein als nur der Urner. Ich spüre den Weiten des Menschlichen nach.»

Heinrich Danioth ist ein überaus vielseitiger Künstler. Sein Schaffen ist entsprechend facettenreich: Neben Glasmalereien, Wandbildern, Plakaten, Illustrationen, neben dem freien zeichnerischen, druckgrafischen, malerischen Schaffen sowie unzähligen Gelegenheitsarbeiten gilt er ebenso als herausragender Schriftsteller, Verfasser von Hörspielen und Theaterstücken. Oft wechselt Danioth scheinbar mühelos zwischen Bild und Text.

«Die Texte wie die Bilder wurden von der selben Feder aufgezeichnet. Nach Lust und Einfall fiel sie aus der Mitte an den Rand des Blattes und wechselte derart vom Zeichnen her zum Worte. Aus den schweren Rhythmen eines Bergumrisses glitt sie zuweilen gerne in den leichteren Takt der Buchstaben. Ist es vielleicht doch so, dass dem Gesetz des Schweigens der Drang des Schreibens nahe stünde?»

 

Text: Beat Stutzer

Zitate: Heinrich Danioth

 

 

  

 

2015 wird ein Dokfilm über das Leben des Malers und Schriftstellers Heinrich Danioth in den Schweizer Kinos Premiere feiern.

 

Mehr zum Film

 

Trailer

 

 

 

 

Transkribierter Brief von Heinrich Danioth an Doktor Rynert

 

Altdorf, 24. Dezember 1927

 

Lieber Herr Doktor! Halleluja, das grosse Portrait ist fertig geworden. Es steht am Ofen, wo es schneller trocknen soll.

 

Miserere nobis! Nun bin ich also so weit – um es noch einmal beginnen zu können. Diese, ich weiss nicht wievielte Fassung hat Anklänge zum Guten, die aber in einem letzten und endgültigen Bild, voll und rein austönen sollen. Ich glaube das ganze al primo herunterhauen zu können. Diese geistige Klarheit ist erst seit gestern da, wo ich vor dem vermeintlich fertigen Bild sass. Mit gleicher Post geht eine Landschaft an Sie ab. Das kleine Portrait werden Sie inzwischen wohl erhalten haben.

 

Ich wünsche Ihnen und Ihrer w. Familie recht frohe Festtage und verbleibe mit den herzlichsten Grüssen Ihr alter H.Danioth

 

N.B. Aus einer Luzerner-Reise hat es leider nichts mehr gegeben, da mir der Auftrag Meili keine freie Zeit mehr liess.

 

  

 

 

Kurzbiografie

Heinrich Danioth wird am 1. Mai 1896 in Altdorf geboren. Die Schule am Kollegium bricht der 16-Jährige vorzeitig ab. Der Vater ermöglicht ihm ein Kunststudium.

 

Während des Aktivdienstes erkrankt Danioth 1916 schwer. Es folgen Kuraufenthalte.

 

Für die «Nächstenliebe» Altdorf gestaltet Danioth das Narrenblatt «Föhn».

 

Danioth lernt den Künstler und Professor August Babberger kennen, der sich seit 1916 jeden Sommer im Schächental aufhält. 1925 folgt er dem Ruf des Kunstlehrers und tritt als Meisterschüler in die Badische Landesakademie in Karlsruhe ein.

 

1927 kehrt Heinrich Danioth nach Uri zurück. Er arbeitet als freier Künstler und beginnt die Mitarbeit bei der Satirezeitschrift «Nebelspalter».

 

1925 erhält Danioth den ersten öffentlichen Auftrag für die beiden Wandbilder Tellsprung und Rütlischwur im Tellspielhaus Altdorf.

 

1935 gewinnt Danioth den Wettbewerb für das Wandbild am Bundesbriefarchiv in Schwyz. Es entbrennt ein heftiger Kunstkampf, auch weitere seiner Arbeiten lösen Proteste aus.

 

1931 heiratet Heinrich Danioth Hedi Weber. Die drei Kinder Albin, Madleine und Cilli kommen 1936, 1940 und 1941 zur Welt.

 

Das Verständnis des Künstlers für die vielschichtige Kultur, die Traditionen und die Sagenwelt Uris vertieft sich durch die Freundschaft mit dem Urner Arzt und Schriftsteller Eduard Renner.

 

1942 erscheint die Bild- und Textfolge «Steile Welt».

 

Im Januar 1945 wird in Altdorf Danioths «Urner Krippenspiel» mit Marionetten von der Künstlergruppe «Gelb-Schwarz» uraufgeführt.

 

Zu den herausragenden Wandbildern Danioths gehört die Föhnwacht von 1950 im Wartesaal des Bahnhofs Flüelen. Im gleichen Jahr malt er in der Schöllenenschlucht den roten Teufel mit dem Ziegenbock unübersehbar an die Felswand.

 

Nach einer erfolglosen Operation eines Hirntumors stirbt Heinrich Danioth am 3. November 1953.