Romeo Vendrame
Der Berg, die Berge – sie sind längst zu Markenzeichen verkommen. Von der Tourismusindustrie und Werbung vereinnahmt, haben sie ihre Magie der Unbezwingbarkeit und Unnahbarkeit eingebüsst.
Romeo Vendrame nun gibt ihnen mit seinen Fotobildern wieder einen Teil der verlorenen Aura zurück. Zuerst einmal gelingt ihm das dank seiner menschlichen und künstlerischen Haltung: In seinem Ansatz, seiner Begegnung mit dem Motiv, gibt es keine Ironie. Er stellt sich seinen Sujets mit einer überzeugenden Ernsthaftigkeit und bezeugt damit auch den Ernst und die Würde des Gegenübers, sei es ein Berg, ein Gesicht, ein Körper oder eine Landschaft. Nicht, dass er sie nicht bestens kennen würde, die wirksamen Strategien, derer sich Künstler seit der Popart bedienen, um sich neueste Mittel der fotografischen Techniken zunutze zu machen und die Begriffe von high und low, von Original und Kopie, in einem Mix durcheinanderzuwirbeln.
Manchmal macht er seine Aufnahmen vom Motiv selbst vor Ort, manchmal existieren die Vorlagen aber auch schon, er übernimmt sie aus den Printmedien, oder er bezieht sich – wie bei der Serie «Afterglow» – auf Fotovorlagen ihm befreundeter Personen. Die Herausforderung liegt für ihn in der Bearbeitung, in der Transformation der Vorgabe, im Prozess, innerhalb dessen er sich das Bild aneignet und dabei neu schafft. Mit den Mitteln der analogen Fototechnik wird Romeo Vendrame zum Zeichner mit Licht. Er taucht die Berggipfel in expandierendes, vitales Rot oder er löst die markanten Konturen im goldenen Sternenplatzregen auf. Derart nimmt er dem Berg seine massive Schwere, seine Stofflichkeit, seine geografische Verortbarkeit und macht ihn zum unbegreifbaren Phänomen. Nicht das Matterhorn, die Jungfrau oder den Montblanc will er dem Naturfreund, der seine Gipfel so gerne beim Namen nennt, zeigen. Er hält die Gebirge auch nicht mit staunendem Schauer Schrunde für Schrunde fest, wie es die romantischen Maler taten. Nicht um die Bezeichnung des einzelnen Gipfels geht es ihm, sondern um das Bezeichnete selbst, nicht um die diversen Berge, sondern um den Berg und sein (In-)Bild. Ihn ruft er volltönend und vielsprachig zurück: Berg, Urqu, Vuori, Gora, Fjall.
Angelika Affentranger-Kirchrath
Romeo Vendrame
Geboren 1949 in Zürich Lehre als Schriftsetzer 1979 bis 1991 Musiker Seit 1991 bildender Künstler (1991–97 Malerei, ab 1997 Fotografie)
Einzelausstellungen 2010 Kunstraum Engländerbau, Vaduz (mit Judith Albert) 2009 Galerie Carla Renggli, Zug (mit Hanna Roeckle) 2007 Galerie Hofmatt, Sarnen OW 2006 Kunstforum Bad Oeynhausen (D) 2003 semina rerum, Irène Preiswerk, Zürich 2001 neue räume edition fink, Zürich 2001 Galerie im Trudelhaus, Baden (mit István Balogh, René Pulver) 2000 Galerie im Trudelhaus, Baden (mit Sabina Baumann, Christoph Schreiber) 1995 E Galerie Susi Landolf, Opfikon ZH 1994 Tangente, Eschen (FL) 1993 Kunstverein Wallisellen ZH Gruppenausstellungen 2010 Haus für Kunst Uri, Altdorf 2006 Per la musica 2, Castelluccio di Pienza (I) 2005 Per la musica, Castelluccio di Pienza (I) 2004 minifesto, pzk, Luzern; à suivre, Les Halles, Porrentruy JU 2003 minifesto, San Francisco (USA) 2001 eros, ITA Galerie, Luzern; Galerie Bauscher, Potsdam (D); Gorilla Call, Kunstpanorama Luzern 1999 Herz-Zentrum Bodensee II, Konstanz (D) 1996 Kunstszene Zürich, Gruppe 2.3/S 1995 ein artig gehen und kommen, Hauptbahnhof Zürich; Zürcher Inventar, Helmhaus, Zürich 1994 ein artig kommen und gehen, Hauptbahnhof Zürich 1992 über die 2 Köpfe hinweg, Affoltern a. A. ZH
Kunst und Bau 2006/07 Schulhaus Lendenbach, Wetzikon ZH
Publikationen Musik: Vendrame (Tape), Zürich 1985; TOR 702 (Tape), Zürich 1986; Rom Blumen (Tape), Zürich 1987; the principle of moments (CD), RecRec, Zürich 1992
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