Marie-Theres Amici
Berg
Zuerst der Verlust aller Orientierung vor riesigen Steingebilden. Dann suche ich mitten in der Eigernordwand einen Ort, wo sich das Auge halten kann. Dort finde ich Schrunden, Felsvorsprünge, Eisfelder, Verwerfungen, Hebungen, Senkungen, Geröllhalden – mit langem Hinschauen wird der Berg „organisch“, ein geschlossenes Ganzes, der innere Bau wird sichtbar und ich verstehe Dynamik, gestaltende Kräfte, die gewirkt haben, um die Gesteinsmassen zu gliedern. Licht und Schatten im wechselnden Sonnenstand erschweren und erleichtern das Schauen. Frühmorgens fast blind im Gegenlicht, habe ich am Nachmittag ein dramatisches Spiel der Gesteinsskulpturen vor Augen. Die Zeichnung folgt den Veränderungen. Plötzliche Wetterumbrüche lassen das ganze Unternehmen kippen, mit den aufgetürmten Wolken kommt böiger Wind auf, Regen. Der Nebel jagt über meine Schultern hinweg auf die Wand zu und bleibt dort in der riesigen Felsmulde hängen, dreht um sich selbst, dann wird es stundenlang so bleiben, die Sicht verstellt.
Solches erinnernd enstehen im Atelier die Nebelbilder: Der Berg verschwindet, taucht wieder stückweise auf, Ahnung, Schwindel, Geheimnis. Nebel hüllt das Erkennbare ein, die Fantasie erschafft es wieder.
Auch „Wasser“, „Wasserfall“ sind Bergerinnerung. Dem Auge gelingt es kaum, für einen Sekundenbruchteil die Sprudel, das Aufspritzen, die Wirbel anzuhalten, um mit dem Bleistift zu erfassen, zu formen. Auf der Leinwand im Atelier dann die Imagination, Farbe wird zu Gischt, zum Tosen der in den Bergen erlebten Wasser.
1965/66 Schule für Gestaltung Basel 1966/67 Aufenthalt in Rom 1968-1970 Schule für Gestaltung Luzern, Diplom 1974/75 Jan Matejko Academy of Fine Arts, Krakau 1975/76 Aufenthalt in Mexiko, Peru 2006 Aufenthalt in London 2009 Aufenthalt in Paris 2010 Aufenthalt in Venedig lebt und arbeitet in Luzern Malerei, Zeichnung
Preise und Stipendien 1974/75 Krakau, Stipendium Jan Matejko Academy of Fine Arts 1994 Unterwaldner Preis für Bildende Kunst 1995 Anerkennungspreis der Stadt Luzern 2001 Preis für Malerei des Kantons Solothurn 2006 Stipendium der Zuger Kulturstiftung Landis&Gyr, Werksemester in London 2008 Stiftung Dr. R. u. L. Thyll-Dürr, Arbeitsaufenthalt Elba 2009 Stiftung Atelier, Cité Internationale des Arts, Paris 2010 Forbergstiftung, Atelier Castelforte Venedig
Einzelausstellungen (Auswahl) 2010 Bois de Boulogne, Radiostudio Basel DRS2 Kultur und Wissen 2008 Helle Nächte, Galerie edition & poesie susanna rüegg, Zürich 2008 Kunst in der EFG-Bank, Zürich 2006 Gezeichnet, Museum im Bellpark, Kriens 2004 Museum Chasa Jaura, Valchava 2003 Kunstmuseum Solothurn 2001 Gemeindegalerie Benzeholz, Meggen 2000 Marie-Theres Amici, Malerei/ Rudolf Blättler, Skulptur, Galerie Studio 10, Chur 2000 Malerei, Zeichnung, Galerie Hofmatt, Sarnen
2010 Berge versetzen ..., Haus für Kunst, Uri 2009 Choices, kuratiert von Konrad Tobler, Galerie Rigassi, Bern (mit Jürg Grünig u. Gregorio Pedroli) 2008/09 Jahresausstellung Kunstmuseum Solothurn Jahresausstellung Kunstmuseum Luzern 2008/09 impression, Jahresausstellung für Druckgrafik, Kunsthaus Grenchen 2007 Ein Blick Kunst, Haus der Kunst St. Josef, Solothurn 2006 kunst raum kirche, Reformierte Kirche , Kriegstetten 2005 Les yeux grands ouverts et les paupières fermées, Université de Haute Alsace, Mulhouse 2003 Luzerner Künstler in Cieszyn, Galerie Szara, Cieszyn, Polen 2003 MINIFESTO, Linc Real Art, San Francisco 2002 5 vor 12, Chambres de Résistance, Stans 2001 LICHT FELD 1 Bühne für Kunst Kommunikation“, Basel
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