Maria Zgraggen (* 1957)
Text: Barbara Zürcher Zitate: Maria Zgraggen (aus Interview mit Barbara Zürcher)
Was Maria Zgraggens Installationen, Bilder und Objekte so interessant macht, ist die Vielfalt der Strukturen, sind die Details – in jeder Partie scheint ein eigenes Farbleben zu stecken. Die Farbschichten bestehen aus einer Vielzahl von Binnenformen, und was unsere Augen innerhalb von diesen, an ihrer Oberfläche beschäftigt, ist unglaublich reich, vibrierend in den Tönen und Nuancen, wechselt das Gefüge unentwegt, ist letztlich für die pulsierende Wirkung des Bildes, des Objekts verantwortlich – ist seine bildnerische Qualität. Ein durchgearbeitetes Bild, würde ein Malerkollege vielleicht anerkennend sagen. Eine Malerei, die in jeder Partie mehr hält, als sie zunächst verspricht und uns auf den zweiten, dritten, hundertsten Blick noch Neues entdecken lässt, bislang nicht Wahrgenommenes.
Maria Zgraggen zieht sich nie ins Unverbindlich-Gestische oder in die blosse Abstraktion zurück. Sie lotet stets die Grenzen der Lesbarkeit aus. Damit bleibt ihre Sprache verbindlicher. Mit Zeichen und Wörtern im Bild oder mit Bildtiteln stachelt sie die Assoziationslust der Betrachtenden an. Diesen Mechanismus der Bedeutungsaufladung verwendet die Künstlerin in ihrem gesamten Werk. Wie gehen wir mit sichtbaren Dingen um, die wir nicht klar erkennen oder benennen können? Die Künstlerin rührt damit an ein zentrales Problem des Verhältnisses von Bild und Text, wie es die Philosophie nach dem «linguistic turn» des 20. Jahrhunderts intensiv beschäftigt hat.
«Wir bewegen uns in dieser globalisierten, technisierten Welt gleichzeitig auf den verschiedensten Ebenen, in realen und virtuellen Welten. Das erzeugt Bilderfluten. Die Bilderfolgen sind nicht mehr an eine logische, herkömmliche Sichtweise gebunden. Die Transparenz und das Sich-Überschneiden der verschiedenen Erfahrungsebenen lassen andere Ausdrucksweisen zu. Zur Illustration: der reale Hase frisst eine Karotte. Ich kann nun den Hasen ganz legitim, vergnüglich und logisch ein Alphabet statt einer Karotte verschlucken lassen.»
«Nur, das Wissen um ein gutes Stück Malerei macht noch lange keine gute Kunst. Die Energie, die Vorstellung muss auch noch durch die Hand über den Pinsel auf die Leinwand transferiert werden. Die Kopfarbeit dazwischen ist nützlich im Sinne des Erkennens und Entscheidens, aber für die Ausführung braucht es noch andere Fähigkeiten, und die sind nicht unbedingt im Kontrollbereich angesiedelt. Rezepte gibt es nicht. Man schafft die Kreativität jeden Tag von Neuem. Es braucht Bereitschaft für und Freude am Ungewissen, Neugier, Offenheit und nicht zu viel Angst vor Schlaglöchern. Wenn die Arbeit mit einer Selbstverständlichkeit in sich ruht, wenn das Verschieben einer nur Millimeter grossen Fläche die Ruhe zerstören würde und wenn das Werk nach Monaten des Nicht-Betrachtens noch die gleiche Selbstverständlichkeit ausstrahlt, erst dann ist die Arbeit für mich abgeschlossen.» Kurzbiografie
1957 in Schattdorf, Uri, geboren 1978-82 Kunstgewerbeschule Luzern, Abteilung Freie Kunst 1982 Umzug nach England Studium an der Bath Academy of Fine Art (B.A.) und an der Chelsea School of Art, London (M.A) 1985-95 Studio-Arbeit in Corsham und London 1985/86/90 Eidgenössisches Kunststipendium 1986-87 Stipendiatin am Schweizerischen Institut in Rom 1995 Umzug in die Schweiz Lebt und arbeitet in Bürglen, Uri 2001 Atelier-Aufenthalt, New York 2005 Atelier-Aufenthalt, Budapest
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