Alex Zwalen
Seit der Ausstellung Und Aussichten im Jahr 2003, bei der ich A3-grosse, gemalte Postkarten gezeigt habe, arbeite ich an diesem Thema weiter. Mir gefällt das locker und leicht Dahingeworfene, das überraschend Ankommende und Unverbindliche, das der Versand und der Erhalt einer Postkarte ausmachen. Die Postkarte ist eine besondere Spezies und das Postkartenschreiben eine aussterbende Tugend: Ein oberflächlicher Gruss, meist aus den Ferien, von einem Ausflug oder einem Kuraufenthalt. Die Postkartensammlung: Grüsse von und Erinnerungen an Menschen, denen ich heute noch begegne oder an die ich mich kaum mehr erinnern kann, und Orte, an denen ich selber war und solche, die ich gerne besuchen würde.
Diese Arbeit kommt einem Selbstporträt gleich, bei dem die Betrachter auch sich selber entdecken können. Vielleicht haben sie auch eine Postkartensammmlung zu Hause, ja vielleicht sogar noch jene der Eltern und Grosseltern. Hier schauen sie in eine fremde Sammlung und werden anhand von persönlichen Texten mit Fragmenten aus dem Leben des Künstlers konfrontiert. Der Blick und das Motiv auf der Postkarte entsprechen nicht meiner Wahl, ich als Maler würde nie eine solche Gesamtansicht wählen. Auf der Postkarte hingegen geht das locker und wenn ich die Postkarte male, so male ich ein Stück weit nur dieses Stück Papier vor mir und nicht die Landschaft, die sich darauf befindet. Erst dann kann ich mich vergessen und der Sehnsucht nachgehen, die von jeder dieser Karten ausgeht. Denn ich bin in der Rolle des Empfängers, allein zu Hause nehme ich teil an den Reisen meiner Verwandten und Freunde. Und frage mich: Was will man in den Bergen? Und suche dabei den Berg in mir und die Bilder, die dieses Wort in mir auslösen. In mir laufen plötzlich Filme von sterbenden Bergsteigern und Momenten der eigenen Angst ab. Gerade darum sind vielleicht auch die Gefühle der Ruhe und Kraft und der Schönheit so stark.
Alex Zwalen
12.02. 1958 in Manila geboren, lebt und arbeitet in Zürich. Nach Volontariaten als Theatermaler am Schauspielhaus und Opernhaus Zürich Besuch der Bildhauerschule Raimund Böll Hochwald und Kunststudium in der Malklasse der Chelsea School of Art London. Vielseitige künstlerische Tätigkeiten in verschiedenen Medien. Längere Aufenthalte in Spanien. Seine figurativen Arbeiten nach der Natur, Fotografie und aus der Fantasie entfernten sich in den letzten Jahren etwas von der rein klassischen Malerei und wendeten sich kleinen Alltäglichkeiten zu, wobei der Künstler seiner facettenhaften Wahrnehmung folgt und sich mehr und mehr erlaubt, verschiedene Stile, Sichtweisen und Standpunkte zu vermischen.
Download
<- Zurück |


